Hallo,
unser Nachbar erzählte meinem Mann auf dem Gassigang - als man sich zufällig traff (normalerweise haben wir keinen großen Kontakt zu den Nachbarn) - dass er seinen Hund kastrieren wolle. Er wäre so schwierig und hätte nun auch schon den Halter gebissen.
kurze Vorgeschichte: Der Hund (wurde aus einem Bordell geholt, wo er massiv mißhandelt worden war) war bei einem Mann (Rollstuhlfahrer) bei mir im Haus als er noch ein Welpe war. Dieser war überfordert mit dem Hund, weshalb eine Nachbarin uns bat ihn zu nehmen bis zur Vermittlung. Wir nahmen ihn und noch am selben Abend meinte sie ihn an andere Nachbarn (Nebenhaus) vermittelt zu haben.
Wir sahen (von unserem Balkon aus) Brocken der Erziehungsmethoden und haben uns immer gefragt, was aus dem Scheißer wohl mal wird. Die Methoden waren teilweise unterirdisch (am Rücken- und Nackenfell zurück ins Haus tragen, wenn er abgehauen war, alle Kommandos grundsätzlich gebrüllt im Feldwebelton, runterdrücken, Nackenschütteln). Wir haben uns nicht eingemischt, weil der Hund (die Hunde, es gibt noch einen Ersthund) auch offensichtlich geliebt wurde und wir unsere Einstellung zur Hundeerziehung nicht jedem aufdrängen. Wir werden hier im Viertel eh mehr als blächelt wegen unseres Engagements in der Erziehung unseres Hundes.
zurück zum jetzt: Ich habe mir nun ein Herz gefaßt und bin rüber zu den Nachbarn um mit ihnen zu sprechen, ob ich ihnen vielleicht irgendwie helfen kann in Erziehungsansätzen und habe ihnen erläutert warum die Kastration Blödsinn ist.
Ich habe mich mit dem Hund befaßt und er ist ein toller Junghund der wohl sehr wenig Grunderziehung genossen hat. Er kann zwar "Sitz" und "Platz" aber nur für Sekundenbruchteile. Als ich durch die Tür kam wurde ich in einem Maß angesprungen, wie ich es bis dato nie erlebt hatte .... der junge Wilde hat sich praktisch nicht mehr eingekriegt ... dies aber über einen Zeitraum von locker 10-15 Minuten. Ich habe mich immer abgedreht aber er hat nicht aufgehört.
Mit der Frau habe ich dann auch ein sehr ernstes Gespräch geführt und ihr gesagt, dass das ganze Haus mehr oder minder mitkriegt, wie sie mit den Hunden, primär mit dem jugnen Wilden, umgehen und das sie so nicht weiterkommen werden. Das alle Probleme die sie haben händelbar sind und das ich ihnen gerne meine Unterstützung anbiete.
Als der Mann ankam meinte er, nun zum Kern meiner Frage, dass der Tierarzt gesagt hätte, da es sich wohl um einen RR handelt mit Soka Einschlag (Gebiss, Kopfform weißt wohl darauf hin), dass eine Kastration viel von der Aggression nehmen würde. Es wäre bei Sokas so, dass viele der potentiellen Aggressionen über die Hormone passieren würde und durch eine Kastration würde das ausgeschaltet.
Ich habe diese These als Blödsinn hingestellt und bin der festen Meinung, dass der Hund keinen Hauch von Aggression hat. Unser Hund ist zigmal schwieriger zu händeln als dieser kleine Irre. Er benimmt sich tatsächlich wie ein Irrer .. wie gesagt er ist total überdreht und kommt nicht zur Ruhe.
Ich habe dann meine Meinung zur Thematik gesagt und ihnen ein paar Sachen im Umgang mit Hunden gezeigt ... ich habe z.B. mit dem Hund ganz ruhig gesprochen, ihm leise einige Kommandos gegeben und er war sofort voll dabei .. er ist unheimlich interessiert und lernwillig. Ich habe ihnen gesagt, dass er dringend einen Ruheplatz in der Wohnung benötigt, wo er runterkommen kann und wo er hingeschickt werden kann. Ich habe ihnen erklärt und demonstriert, wie sie das Anspringproblem in den Griff kriegen ... ich muss sagen der Hund war mehr als ein gelehriger Schüler .. der hat alles sofort angenommen.
Wir sind dann Abends noch zusammen in den Hundepark . Dort hat der Rückruf natürlich null gekappt ... ich habe ihr dann gesagt, dass sie sich interessant machen muss ... den Hund freudig rufen und in die andere Richtung laufen soll und er dann, wenn er kommt gleich belohnt werden soll. Hat ebenfalls super gekappt.
Der Mann wollte mich dann wohl auflaufen lassen, weil er mit süfisantem Ton meinte, dass ich dann ja vielleicht auch mit dem starken ziehen einen Tipp hätte und hat mir die Leine von seinem Hund in die Hand gedrückt. Ich hab ihm gesagt, dass er über Richtungswechsel arbeiten soll und demonstriert wie das funktioniert .... der Hund ist Gold wert .... er hat sofort mitgemacht und lief super .... also am Hund liegt es nicht und aggressiv ist er auch nicht.
Wir sind dann Abends auseinander gegangen und ich glaube es hat sich in ihren Köpfen was bewegt ... ich wurde gefragt, ob man sich an mich wenden könne, dem habe ich natürlich gerne zugestimmt.
Ich bin mit Sicherheit kein Hundetrainer ... und mit Sicherheit habe ich auch nicht die große Hundeerfahrung aber unser Hund war und ist definitiv schwieriger zu händeln als der junge Wilde der danach lechzt ein paar Regeln und Grenzen zu kriegen, gefordert und ausgelastet zu werden.
Die Frage die mir jedoch im Kopf blieb war die Aussage der Ärztin die ich so nie gehört habe.