Hallo!
Ausgegliedert aus dem Qualzucht Thread „Viele Familienhunde haben zuwenig Muskulatur, und sind deswegen gefährdet/nicht gesund.“
Wie würdet ihr eine Daumenregel formulieren, für jede Rasse?
Ich antworte mal auf deine Ausgangsfrage.
Vorweg ein Exkurs:
Muskelaufbau setzen sehr viele Leute gleich mit Ausdauertraining. Oder mit bergauf arbeiten. Die grossen Muskeln wachsen lassen. Das ist aber nur der kleinste Teil bei der Geschichte.
Die Wenigsten wissen, dass ein starker Körper mehr ist als nur kräftige Muskulatur. Die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Muskeltraining ist ein gutes Gleichgewicht. Ein guter Sehsinn. Und ein gut funktionierender Tastsinn.
Ohne das Training dieser Sinne ist der Erfolg nur halb und mal tritt oft auf der Stelle (egal ob Mensch, Pferd, Hund)
Das Training im Schritt über unebene Oberfläche (zB am gepflügten Feldrand entlang) fördert den Tastsinn und trainiert die kleinste Muskulatur, welche zB die Wirbelsäule stützen (M. multifidii etc). Zusätzlich muss der Gleichgewichtssinn permanent arbeiten. Und die Sensomotorik wird geschult. Das zentrale Nervensystem muss permanent die Lage der Gliedmassen im Raum korrigieren. Propriozeption ist aktiv.
Ausdauertraben auf ebenen Flächen stärkt das Herz/Kreislaufsystem, trainiert den O2 Stoffwechsel, und es sorgt für eine sehr gute Durchblutung der gesamten Muskulatur. Ebenfalls stärkt es die Sehnen. Ist also wichtig und gesund. In der richtigen Dosis.
Bergauf im Schritt ist Training für Bänder und Sehnen. Sie werden unter Belastung angesprochen und gestärkt. Dies verbessert massiv die Führung der Gliedmassen. Schont dir Gelenke. Was wiederum die Muskulatur korrekt anspricht und für Kraftaufbau sorgt.
Bergauf im Trab, idealerweise im Wechsel mit Schritt, lässt die grossen Muskeln arbeiten. M. glutaeus, biceps femoris etc.
Galopp ist die Lüftung. Die Lungen werden komplett gefüllt und entleert, das Lymphsystem arbeitet auf Hochtouren, manche Gelenke werden erst jetzt richtig weit im range genutzt. Der Organismus wird durchgepustet. Glücksgefühle werden freigesetzt und wirken nachweislich heilsam.
Eine starke, gesunde Muskulatur ist nicht zwingend die, die gross und rund wie gemeisselt am Körper sichtbar ist.
Das ist auch extrem individuell, je nachdem wie straff das Bindegewebe ist, wie viel Unterhautfett vorhanden ist (rassebedingt!), wie die Zusammensetzung der Muskelfasern ist.
Ein Greyhound hat andere Muskelfasertypen als ein Airedale Terrier!
Was das jetzt für das "Training" für den normalen GESUNDEN Hund bedeutet?
Ganz einfach: Abwechslung macht das Leben süss. Mal gemeinsam langsam über Stock und Stein, mal einen steilen weg hochklettern, mal ein längeres Stück traben, mal im Galopp über eine Wiese fetzen. Mal über unebenen Grund balancieren im Schritt, mal auf Baumstämme klettern. Je nach Hund mal schwimmen. Da werden alle Sinne und Rezeptoren angesprochen.
Immer nur auf flachen Teerstrassen ist weder für den Hund, noch für den Mensch auf Dauer gesund.
(Das Ansprechen der Sinne ist einer der besten Vorsorgen gegen den Abbau im Alter)
Was heisst das für den Hund in der Reha?
Kontrollierte Schrittarbeit auf unterschiedlichen Untergründen ist die Basis. Man erinnere sich: ohne Sensomotorik/Propriozeption kein sinnvolles Training. Darauf baut man individuell auf.