Ja, und wie das Miteinander dann aussieht, sieht man beispielsweise hier:
Ich würde das eher so formulieren: Wie das Miteinander AUCH aussehen kann.
Ich bestreite doch gar nicht, dass es AUCH problematische Wölfe geben kann. Die sind aber deutlich seltener, als getan wird.
Das ist wie beim Herdenschutz auch - die schwierigen Rudel/Wölfe sind ständig in der Presse, all die anderen, die leidlich unauffällig durch guten Herdenschutz von den Tieren abzuhalten sind, von denen hört man nix, weil das ja keine sensationelle Meldung ist.
Da sind wir uns ja einig, nur wirst du diesen Zustand nur dann erhalten, wenn sinnvolles Management betrieben wird. Die Vermehrungsrate der Wölfe sorgt ansonsten ganz von alleine dafür, dass ein einigermaßen „friedliches“ Miteinander so in Zukunft nicht möglich sein wird. Davon bin ich überzeugt.
Wenn da Wölfe unterhalb von unserer Hofeinzäunung rumlaufen würden, wäre das nichts, was ich für unnormal halten würde. Was nicht gleichbedeutend damit ist, dass ich dann nichts unternehmen würde, bzw. würden die Mc`das erledigen.
Es wohnen aber nicht nur Tierhalter mit wehrhaften HSH auf dem Land. Von daher ist es eher nicht wünschenswert, dass Wölfe direkt außerhalb der Hofeinzäunungen patroullieren.
Und das ist hier im Grunde bei jedem Haus im Dorf so, dass es unmittelbar an "da draussen" angrenzt, weil die Häuser entlang der einzigen Strasse liegen. Ich fänds normal, wenn da drumrum Wölfe rumlaufen.
Ist bei uns genauso.
Wenn ich aus meinem Bürofenster blicke, blicke ich auf Pampa, die direkt hinter meinem Gartenzaun anfängt. Und auch hier: Nein, ich fände und finde es nicht "normal" dass direkt hinter meinem Gartenzaun (und dem meiner Nachbarn) Wölfe patrouillieren.
Es wird ja nicht beim gelegentlichen patrouillieren bleiben. Wen man das glaubt, unterschätzt man die Intelligenz und die Anpassungsgabe von Wölfen...
Wäre es denn ein riesiges Problem gewesen, auf diese Runde zu verzichten in Wolfsanwesenheit?
Also, wenn ich noch einen Hund hätte, wäre das ein Problem, weil: wo willst du denn überhaupt noch mit Hund spazieren gehen? Wie gesagt, mein Haus - und das meiner direkt angrenzenden Nachbarn - liegt direkt mit Blick auf die Pampa. Wäre das normal, dass hier Wölfe so dicht rumstreichen - wo und wie sollte man sich mit Hund dann überhaupt noch draussen bewegen?
Abgesehen davon sind Wölfe ja nicht nur nachts aktiv.
Ja, klar ists nicht jedem gegeben, in der dunklen Winterzeit tagsüber spazieren gehen zu können. Aber wäre das ein Argument gegen den Wolf? Oder könnte/würde sich der größte Teil der betroffenen HH irgendwie arrangieren können?
Ernsthaft gemeinte Frage: woran soll ein Wildtier es festmachen, wo es hindarf und wo nicht?
(Und warum gilt das nur für den - unbequemen - Wolf, aber nicht für die Amsel als Beispiel?)
Ein Wildtier macht seinen Bewegungsradius anhand seiner Erfahrungen fest. Das ist doch ganz normales Prozedere und Lernen. Katzen lernen Gärten zu meiden, in denen Hunde leben. Vögel nisten nicht in Nistkästen, die leicht von Katzen o.ä. zu erreichen sind. Wölfe, die sich ins Revier des benachbarten Rudels vorwagen, werden von den Wölfen des entsprechenden Revieres verjagt oder gekillt (bei uns im LK jetzt ja schon 2 x passiert).
Aber Mensch darf seinen direkten Lebensraum nicht "verteidigen"?
Wenn Nachbars Kater anfangen würde, an meiner Terrassentür zu markieren, würde ich mir etwas dazu einfallen lassen, dass das nicht mehr passiert.
Wenn Marder mir wiederholt diverse Schläuche meines Autos kaputtbeissen, lasse ich mir auch dazu was einfallen.
Wenn Ratten sich in meinem Garten einnisten, sorge ich ebenso dafür, dass das kein Dauerzustand bleibt.
Durch das Wolfsmonitoring wird festgestellt, in welchem Umfang der genetische Austausch zwischen den verschiedenen Wolfspopulationen bzw. Subpopulationen wieder stattfindet.[23] So sind heute bei den Wölfen in Deutschland Zuwanderungen aus Polen aber auch Rückwanderungen in Richtung Osten häufig. Wölfe aus den Karpaten wandern in die Deutsch-Westpolnische Population ein.[24][25] In Bayern gab es im Zeitraum 2009 bis 2020 acht Nachweise von aus dem Alpenraum eingewanderten Wölfen. In Baden-Württemberg gab es im Zeitraum 2015 bis 2020 fünf Nachweise von Wölfen aus der alpinen und italienischen Population.[26][27] Im September 2020 gelangte ein aus den Alpen stammender Wolfsrüde GW 1832 m in den Neckar-Odenwald-Kreis.[28] Wenig später erfolgte ein Nachweis eines Wolfs aus den Alpen im Landkreis Darmstadt-Dieburg.[29] Auch aus der Dinariden-Balkan-Population sind einzelne Wölfe bis in den deutschen Alpenraum gewandert.[30][31][32] Im Frühsommer 2020 wurde ein aus der Dinarischen Population stammender Rüde GW 1706 m bei Traunstein nachgewiesen[33] (siehe auch Metapopulation).
Im Gegensatz zur Definition der EU-Kommission in den „Guidelines“ und zum Inhalt der BfN-Skripten 413 und 201 wird auf der Webseite des BMU behauptet (ohne Bezugnahme auf den Begriff der Population), der Wolf sei eine „gefährdete Tierart“ und der günstige Erhaltungszustand müsse erst noch erreicht werden, wofür die Bundesländer verantwortlich seien.[34] Trotz der starken Vermehrung würde aufgrund der noch zu geringen Anzahl und Verbreitung – in Deutschland 128 registrierte Wolfsrudel und 95 Rudel in Westpolen – der Erhaltungszustand mit „ungünstig-schlecht“ bewertet. Erst wenn es in allen Gebieten, in denen Wölfe leben können, Wölfe gäbe und ihre Anzahl so groß sei, dass der Wolf ohne Inzuchterscheinungen überleben könne, könne der Erhaltungszustand mit „günstig“ bewertet werden. Die Bewertung erfolge nach Vorgaben der FFH-Richtlinie in einem Turnus von sechs Jahren. Grundlage der Bewertung ist der Bericht des BfN für den Zeitraum 2013–2018, der allerdings mit „Stand 2019“ beschriftet ist, denn es handelt sich um das Berichtsjahr 2019. Der Bestand in Polen bleibt darin unberücksichtigt.[35][36][37]
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Die EU-Mitgliedsstaaten überwachen den Erhaltungszustand natürlicher Lebensräume mit ihren prioritären Arten und richten ein Monitoringsystem ein, um die Erfassung von im Anhang II, IV und V gelisteten Tierarten sowie illegale und ausnahmsweise legale Tötungen zu registrieren.[38] Die Aufzeichnungen des Wolfsmonitorings dienen als Feedback an die IUCN, bei der die Einträge in der Roten Liste in entsprechende Kategorien erfolgen,[39] und an die Europäische Kommission (Natura 2000).[40] Die EU-Mitgliedsstaaten sind zur Weitergabe der aktuellen Daten an die EU-Kommission verpflichtet, damit diese den Schutzstatus in der FFH-Richtlinie entsprechend anpassen kann.[41][42]
Die Aufnahme ins Jagdrecht hat auf den gegebenen Schutzstatus keine Auswirkung. Wenn der Wolf in Deutschland ins Jagdrecht aufgenommen wird, aber noch im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet ist, genießt er ganzjährige Schonung. Eine Übertragung von der Liste der streng geschützten Arten im Anhang IV in die Liste der geschützten Arten im Anhang V erfordert in Deutschland eine Abstimmung auf Bundesebene mit den Nachbarländern und bedarf der Zustimmung der EU-Kommission. Ansprechpartner in Polen sind Henryk Okarma und Sabina Nowak, wobei Okarma ein unabhängiger Wissenschaftler und hochrangiger Fachexperte ist.
Die FFH-Richtlinie schreibt keine Schutzmaßnahmen für die einzelnen Lebensräume vor, also keine Listung in Anhang II als Prioritäre Art von gemeinschaftlichem Interesse, sondern sie verlangt die Gewährleistung des günstigen Erhaltungszustands.[43][44]
Die Verpflichtung zur Weitergabe der aktuellen Daten (über den bei Tierarten, die nicht zu den Großraubtieren gehören, üblichen Sechsjahresturnus hinaus)
ergibt sich aus Artikel 16 c der FFH-Richtlinie „im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit oder aus anderen zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art …“ und in Deutschland aus mehreren Artikeln des Grundgesetzes.[45][46] Hierbei ist neben der Schädigung der Weidewirtschaft auch der wirtschaftliche Schaden durch die aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu beachten, bei der die Wölfe durch ihre Streifgebiete, die sich auch in Sperrzonen erstecken und durch das weiträumige Wanderverhalten einer beschleunigten Ausbreitung des Virus Vorschub leisten.[47][48][49][50][51][52]"
Kopiere aber sicherheitshalber den Text nochmal hier rein:
"Der günstige Erhaltungszustand einer Wolfspopulation entspricht der Definition einer Population mit einer effektiven Populationsgröße, die aufgrund einer ausreichenden Individuenzahl und des Vorhandenseins eines Lebensraumes mit für die Art geeigneten Lebensbedingungen, welcher für ihr langfristiges Überleben ausreichende Ressourcen bietet, so dass die Art im Lebensraum der betreffenden Population auch langfristig nicht (mehr) vom Aussterben bedroht ist. In Artikel 1 e der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) wird der Erhaltungszustand ihrer natürlichen Lebensräume als günstig erachtet, wenn ihr natürliches Verbreitungsgebiet sowie die Flächen, die sie in diesem Gebiet einnimmt, beständig sind oder sich ausdehnen und die für ihren langfristigen Fortbestand notwendige Struktur und spezifischen Funktionen bestehen und in absehbarer Zukunft wahrscheinlich weiterbestehen werden.[3]
Europa
Für Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wird der günstige Erhaltungszustand einer Wolfspopulation im maßgeblichen Dokument der Europäischen KommissionGuidelines for Population Level Management Plans for Large Carnivores (Leitlinien für Managementpläne für große Fleischfresser auf Populationsniveau) von der Large Carnivore Initiative for Europe (Initiative für Großraubtiere in Europa LCIE) definiert. Für Staaten außerhalb der EU, die Unterzeichnerstaaten der Berner Konvention sind, gilt Entsprechendes. Der Präsident der LCIE Luigi Boitani, Hauptautor des maßgeblichen EU-Dokuments, versteht darunter in Entsprechung zu den Vorgaben der IUCN eine Mindestanzahl an Individuen in einem Areal, das den Tieren ausreichende Ressourcen bietet, so dass für die Population als solche kein Aussterberisiko besteht.[4]
Nach Artikel 1 i der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) ist der günstige Erhaltungszustand gegeben, wenn aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Tierart anzunehmen ist, dass sie ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes bildet und langfristig bilden wird, dass das natürliche Verbreitungsgebiet nicht abnimmt und ein ausreichend großer Lebensraum vorhanden ist, um langfristig ein Überleben der Population zu sichern.[5]
Wolfspopulationen nehmen sehr ausgedehnte Lebensräume ein. Wie auch bei anderen Tierarten kann die effektive Populationsgröße aus unterschiedlichen Zahlen von Individuen bestehen, je nach dem Grad ihrer genetischen Vernetzung mit den benachbarten Populationen. Sowohl die Individuenzahl als auch der Genfluss zwischen den Wolfspopulationen in Eurasien ist für den Erhaltungszustand bedeutsam.
In der Biogeographie unterteilt man Europa in mehrere Regionen. Mitteleuropa hat Anteil an der kontinentalen, an der atlantischen und an der alpinen Region. Diese Räume sollen bei der Berichterstattung vom Monitoring für die Arten im Anhang II, IV und V der FFH-RL einzeln betrachtet werden. Das gibt Aufschluss über die von der jeweiligen Art bevorzugten bzw. bereits besiedelten Lebensräume. Das bedeutet nicht, dass jede Art sich in jede dieser Regionen ausbreiten und dort vermehren muss. Die räumliche Ebene für die Einschätzung des günstigen Erhaltungszustands sind nach der FFH-RL diese biogeographischen Regionen. Für jede der Regionen werden Monitoringberichte erstellt.
„Da der Gegenstand jeder Schutzplanung die gesamte biologische Einheit, also die Population sein sollte, empfehlen die Leitlinien eine Einschätzung auf Populationsebene“ (BfN Skript 413).[6]
Entwicklung
Vor Inkrafttreten der Berner Konvention von 1979 im Jahr 1982[7] waren die Wölfe in manchen ihrer ehemals ausgedehnten Verbreitungsgebiete zu isolierten Reliktpopulationen dezimiert worden, um die Schäden durch Prädation an Haustieren zu beenden. Die Populationen in Europa haben sich in den vier Jahrzehnten des strengen Schutzes erholt und befinden sich weitgehend im günstigen Erhaltungszustand. Das angeborene Instinktverhalten des Wolfs mit seinem enormen Potenzial Fernwanderungen durchzuführen begünstigt sowohl seine schnelle Ausbreitung als auch die Vernetzung der verschiedenen Populationen.[8] Mit Satellitentelemetrie wurde gemessen, dass manche Wölfe innerhalb weniger Monate über 1000 Kilometer zurücklegen. Sie können neue Gebiete relativ schnell besiedeln.[9][10] Populationsgenetische Analysen von Maris Hindrikson et al. ergaben bei der räumlichen Autokorrelation auf der Grundlage von drei Merkmalen der genetischen Vielfalt eine Reichweite von 650 bis 850 km. Die genetische Vielfalt einer Wolfspopulation kann von bis zu 850 km entfernten Populationen beeinflusst werden, was nicht nur anhand von DNA-Analysen,[11] sondern auch durch Telemetriestudien nachgewiesen wurde. In echten Wildnisgebieten des Wolfareals beträgt die Territoriumsgröße eines Wolfsrudels bis zu 1000 km² und der Genaustausch funktioniert.[12] Da sich die Wolfspopulationen innerhalb Eurasiens seit der Erholung der Bestände in Mitteleuropa durch ihr Wanderverhalten in einem regelmäßigen Austausch befinden, kann von einer europäischen Metapopulation gesprochen werden.[13] Das bedeutet, dass auch bei Auslöschung einer Teils der Population immer wieder Tiere aus anderen Subpopulationen einwandern, die verschwundenen ersetzen und sich wieder erfolgreich fortpflanzen.
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Definition des günstigen Erhaltungszustands bei Wölfen (LCIE)
Nach einer Vorgabe der IUCN für nicht näher definierte Tierarten sind bei einer isolierten Population mindestens 1000 geschlechtsreife Individuen erforderlich, um deren Fortbestand zu sichern also auch eine mögliche Inzuchtdepression zu vermeiden. Eine Vernetzung mit benachbarten Populationen hat jedoch den Effekt, dass zur Vermeidung von Inzuchtdepression weit weniger Individuen erforderlich sind. Nach den Leitlinien für Managementpläne für Großraubtiere auf Populationsebene von der Initiative für Großraubtiere in Europa (LCIE), einer Abteilung der IUCN, kann bei einer Wolfspopulation ein Bestand von mehr als 250 erwachsenen Tieren ausreichen, um in die Kategorie „nicht gefährdet“ (Least concern) eingestuft zu werden, wenn die betreffende Wolfspopulation mit anderen so vernetzt ist, dass die Zuwanderer genetische und demographische Wirkung haben.[14][15][16][17][18][19]
Ilka Reinhardt und Gesa Kluth schreiben im BfN Skript 201 für eine eigenständige Population ohne Einwanderungsquellen:
„Setzt man den Erhalt von 95 % der genetischen Variation … als Zielwert an, entsprechen demnach mindestens 100 reproduzierende Wolfsrudel einem günstigen Erhaltungszustand.“[20]
Beispielsweise die Deutsch-Westpolnische Population als Subpopulation der Baltischen befindet sich mit ihrem derzeitigen Bestand in Polen westlich der Weichsel von mindestens 95 Rudeln schon zusammen mit fünf Rudeln in Deutschland im günstigen Erhaltungszustand, auch ohne den bestehenden Austausch mit der Baltischen und anderen benachbarten Populationen.[21] Die offizielle Zahl der Rudel liegt bei den Wölfen in Deutschland allerdings schon bei 128 (Monitoringjahr 2019/2020), so dass der günstige Erhaltungszustand zusammen mit den dazu gehörenden Wölfen in Polen schon um ein Vielfaches überschritten ist.[22]
Ein weiteres Kriterium für den günstigen Erhaltungszustand ist die Prognose für das Überleben der Population anhand der gegenwärtigen Bestandsentwicklung. Beim Artenschutz geht es bei im günstigen Erhaltungszustand befindlichen Populationen vor allem darum, sie stabil zu halten, falls erforderlich durch ein geeignetes Wildtiermanagement. Weiteres Populationswachstum kann bei manchen Arten erwünscht sein, ist aber nicht erforderlich. Ein exponentielles Wachstum, wie es auch bei Neozoen beobachtet wird, ist keinesfalls erforderlich, aber Anlass zu einer besonders günstigen Prognose für die betreffende Population.