@Vakuole reizoffenheit ist nicht gleich Außenorientiert.
Ein Hund kann sehr wohl nach innen orientiert sein, aber auf Reize anspringen.
Allerdings ist da das Anleiten, mit den Reizen umzugehen, in meinen Augen deutlich leichter, als bei einem Hund, dessen Fokus und Interesse generell nach außen gelagert sind.
So mal allgemein zum Threadtitel:
Ich hatte es, glaub ich, in nem anderen Thread schon mal geschrieben, dass gerade das schnelle Anspringen und Reagieren auf Reize bei einigen Rassen ja genetisch veranlagt und überdies auch gewünscht ist. Ein BC oder nen Jagdterrier, die wie Rantanplan reagieren und agieren, mit denen ist die Arbeit so umzusetzen, wie es sollten, nicht wirklich möglich.
Diese genetisch veranlagte Reizoffenheit war aber früher tatsächlich nicht das Problem, wenn man sich erinnert, wie genau diese Spezialisten früher gehalten wurde (Farm im Nirgendwo, Forsthaus am Waldrand .... also mal ganz weit zurückgegangen)... erst nach und nach wurde ja im Rahmen der Urbanisierung erst bis ans Forsthaus rangebaut (inzwischen liegen die ja zT mitten im Ort), die Schäfer, die wirklich eine Farm mit ausreichend Weideland drum herum haben, sind auch in der Minderheit.
In der heutigen Zeit, mit der heutigen Gesellschaft und den Anforderungen an die Hundehaltung prasseln also ungleich mehr Reize auf diese Gehirne ein.
Abschalten kaum noch möglich.
Hohe Reizschwelle und niedrige Reizschwelle findet man ja durchaus als Schlagworte bei Rassebeschreibungen und das kommt auch nicht von ungefähr.
Würde ein HSH auf jeden Reiz anspringen, kann er seinen Job einfach ned machen, da die Arbeitsweise/Arbeitszeit eines HSH sich zb deutlich von der eines Hütehundes unterscheidet.
Und dann kommen wir zum zweiten Punkt: Nervenstärke.
Ganz, ganz knapp formuliert/überspitzt: der Nervenstarke kann abschalten, dem nicht ganz so nervenstarken Hund muss man es beibringen.
Das gibts dann in Ausprägung von -100 bis +100.
Wie bei uns Menschen auch. Es gibt Menschen, die auch unter Stress über eine mentale, stabile Stärke verfügen und Menschen, die sehr, sehr schnell hektisch werden.

Dann hätten wir noch die Außenorientierten Hunde und die eher nach innenorientierten Hunde, auch da in verschiedenen Kombinationen.
Es gibt Hunde, die zwar nach außen orientiert sind, aber eben dabei auch cool bleiben und dann gibts Hunde, die schon mit ihrer eigenen kleinen Welt überfordert sind.

Außen/innenorientierung würde ich es eher Richtung Charakter zuordnen. So nen bissl wie Introvertiert und Extrovertiert. Wobei auch da Gene eine Rolle spielen. Allerdings wohl weniger wichtig als zb bei dem superfeinen Gehör eines BCs.
Dann gibts noch das Thema Temperament. Auch eine Deutsche Dogge kann Temperament haben, allerdings ist sie natürlich aufgrund Körpergröße und Gewicht weniger spritzig und agil als ein kleiner Terrier.
Was sich natürlich auch in der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung des Temperaments niederschlägt.
Ein aufgeregter Elefant wirkt ja irgendwie weniger aufgeregt, als ne aufgeregte Maus, auch wenn sich für beide die Aufregung gleich anfühlt. 
Dann haben wir noch den Punkt Züchter...
- möglichst schnell für Agi/flyball weiß der Geier was
- Rasse xy muss so
- die persönliche Vorliebe wie ein Hund zu sein hat steht über der Frage, ob dieser Hund der Zucht wirklich gut tut
- optische Vorlieben
- bedient die Nachfrage, nach aktiven Hunden
Und da haben wir dann den Punkt Käufer.
Schlaftabletten will ja keiner. Der Welpe, der als Erstes auf einen zu kommt, der aufgeschlossen, aufgeweckt, aktiv, blaundblubb ist - der soll es sein.
Der aktive Familienhund/Durchschnittshund soll 3 Stunden am Tag Gassi gehen, am Wochenende 6 Stunden wandern, 30km Radtour, mit in die Stadt und am Besten mit dem anderen Familienhund noch durch den Garten toben, 2x die Woche Agi, Obi, Treibball, Mantrailen, Dogdancing, Dummytraining und weiß der Geier was.... Dafür muss der Hund also aktiv sein, da kann dann interessanterweise der Hund, der einfach so schlafen kann, der selbst zur Ruhe kommen und im größten Trubel abschalten kann - sowieso schon mal nicht in Frage kommen. Nicht aktiv genug.
Dementsprechend sucht Käufer sich also 1. ne als aktiv beschriebene Rasse
2. den aktivsten, nach außen orientiertesten Hund
Alles in einen Topf schmeißen, funktioniert nicht, weil Rassepräposition, subjektive menschliche Wahrnehmung und Bewertung von Aufregung und nicht zuletzt das Individuum Hund, lassen den gleichen Hund in unterschiedlichen Umgebungen und bei unterschiedlichen Menschen
1. sich unterschiedlich entwickeln
2. unterschiedlich auf andere wirken
Mein Fazit wäre: Zucht und Nachfrage entwickeln sich in Richtungen, die keiner Rasse gut tun.
Natürlich gibt es Ausnahmen, nicht jeder Züchter schmeißt jeden Hund in die Zucht, nicht jeder Käufer informiert sich nicht und sucht sich den falschen Hund....