Ohne, daß ich jetzt alles geselen habe - aber ich glaube, Ihr habt da ein grundsätzliches Problem, weil dem Hund völlig egal zu sein scheint, was Du von ihm willst.
Solche ein hund hätte daher bei mir erstmal volles Programm - der würde keinen Schritt ohne vorherige Freigabe durch mich machen, und hätte feste Regeln, nach denen er daheim atmen darf *gg
Sprich: der sitzt daheim auf dem Platz, bis ich Freigabe erteile. Vorher verläßt er den net. Der kriegt Futter erst nach Freigabe, oder wenn er vorher ne Übung zu meiner Zufridenheit erledigt hat, damit er lernt, er hat Erfolg, indem er rauch mich hört - nur dann gäbe es Futter, würde also zeitweise den größten Teil des Futters als Bestätigung füttern, für gut befolgte Kommandos. --> "es lohnt sich, zu gehorchen".
Außerdem muß der lernen, daß er auch draußen ein Ohr bei Dir zu haben hat. Alles, was ihn ablenkt, würde ich umgehend unterbinden, d.h. kein Schnüffeln mehr ohne Freigabe durch mich. Kurze Leine, wie Du das ja schon machst, und wenn er meint, rumspinnen zu müssen, weils irgendwo interessant ist, würde ich ihm was zu tun geben - ein SITZ, ein FUß, was auch immer (nebenbei gesagt: FUß ist was Anderes als das, was Du beschreibst; solltest Du je eine BH laufen wollen, würde ich das Kommando nicht fürs Nebenherlaufen verwenden, weil für die Prüfung vorgeschrieben ist, welches Kommando Du verwenden darfst). Sodaß er keine Zeit hat, sich in Gerüche reinzusteigern, weil ihn das nur hochpusht und für Dich unerreichbar macht. volle Konzentration auf Ablenkungsgerüche ist tabu. Erstmal zumindest, bis er gelernt hat, ein Ohr bei Dir zu haben.
Schnüffelt er sich wo fest, entweder wegziehen mit einem NEIN-WEITER-Kommando (sodaß er gleich eine Alternative genannt bekommt für sein Verhalten - mit einfach NEIN weiß er ja nicht, was er stattdessen tun darf/soll), oder einfach durch ihn "durchgehen", sprich so weitergehen, daß Du dabei am besten frontal auf ihn zugehst, und er ausweichen muß, damit er net über den Haufen gerannt wird, und sobald er sich bewegt, loben und in die gewünschte Richtung "mitnehmen" (also auch körpersprachlich!).
Außerdem würde ich ihm ein Hobby suchen, damit er arbeitstechnisch vom Kopf her ausgelastet ist. Was ihm halt Spaß macht, aber wenn er so gerne schnüffelt, würd ich glaub ich Nasenarbeit wählen. Geruchsunterscheidungsspielchen, Fährten, was auch immer. Damit er lernt, sich auch bei Ablenkung zu konzentrieren, und weil man ihm damit andere Gerüche wichtiger macht als den Duft läufiger Hündinnen. Wer nicht ausgelastet ist vom Kopf her, sucht sich eigene Hobbies (sich aufpushen an Hündinnengeruch zB), und diese eigenen Hobbies mißfallen dem Halter meist eher *gg
Bei Hundebegegnungen, wo Du merkst, er möchte sich aufspielen, umgehend abbrechen. Am bestenmit einem Kommando, das er sehr gut kennt, und so rechtzeitig, daß Du ihn noch erreichst, bevor er nicht mehr ansprechbar ist. Also auf großen Abstand schon. Irgendwas verlangen, das mit "Prügeln" nicht vereinbar ist. Zum Beispiel Sitzen, Liegen, korrektes Fußgehen (also links neben Dir mit Blick auf Dich). Du kannst ihm ein SCHAU-Kommando beibringen - wer Dich anguckt, ist auch mit dem Kopf bei Dir und ansprechbar.
Daheim würde ich weniger mit ihm arbeiten, daß muß er lernen, Ruhe zu halten (wer im Streß ist, frißt nicht oder nur wenig, klar), und er muß auch mal ab können, wenn ne läufige Hündin unterwegs ist, ohne hochzudrehen. Klar ist das schwierig in diesem (noch) pubertierenden Alter, aber Du weißt ja: "was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" *gg Lieber jetzt daran arbeiten, als den Kerle dann kastrieren zu müssen. DAs ist nämlcih alles Erziehugnssache. klar, anfangs ist es schwer, sich zu beherrschen. Aber wenn mans nie vom Hund verlangt und mit ihm übt, dann lernt ers auch net.
Dafür würde ich dann unterwegs mehr mit ihm machen. Wenn er daheim wenig mit Dir macht, und die Action MIT DIR dafür unterwegs bekommt, bist Du unterwegs interessanter, als wenn Du den ganzen Tag (also auch daheim) zum Spielen/Beschäftigen verfügbar bist. Will heißen: er lernt, daß draußen DU spannend sein kannst! Kleine Aufgaben, wie Leckerli in Mauslöchern erschnuppern, kleine Fährten, verlorene Gegenstände (Handschuh, Schlüssel) suchen, Zerrseil bringen und damit kurz (damits net hochpusht) ziehen (wenn er das mag), ganz kurze Unterordnungsübungen, dafür diese aber bei Gelingen hochwertigst bestätigen, damit er super Spaß dabei hat. So lernt er, draußen passiert BEI DIR immer wieder was Tolles, das macht die Umwelt schon wieder nur halb so interessant. Und er wird besser ansprechbar, denn ein hund, der weiß, daß ab und an Actin bei Dir passiert, wartet schon regelrecht darauf, daß von Dir ein Kommando kommt, und damit ist er "empfangsbereit" für Deine Wünsche.
Zum Üben von Grundgehorsam evtl. immer mal irgendwo rausfahren, wo er keine interessanten Hündinnen in der Nase hat - da kann er sich besser konzentrieren, und auch erholen vom dauernden Duftgeschwader *gg. Übungen würde ich immer kurz und einfach halten - wenn Du auf 180 bist (und das ist er ja scheinbar 24 Stunden am Tag derzeit), löst Du auch keine Infinitesimalrechnungen mehr im Kopf..... Und einfache Übungen erfolgreich absolviert, geben Dir Vertrauen dahingehend, daß es besser wird, daß Ihr was schaffen könnt - alles Andere wäre frustrierend. Ist der Hund unkonzentriert, dann lieber einfachere Übungen, aber trotzdem konsequent darauf bestehen, daß diese korrekt ausgeführt werden.
Jedenfalls grundsätzlich alles, was ihn von Dir ablenkt, abbrechen. Selbst wenn er selbst Zeugs am Boden findet, kannst Du das nutzen, um seine Aufmerksamkeit auf Dich zu lenken: zeig ihm jedes Mal unterwegs, was er machen soll, wenn er was findet, z.B. PLATZ machen. So hast Du gleich eine Anzeige für gefundenens Futter, kannst ihn irgendwann gezielt sowas suchen lassen - und anschließend mit EIGENEN Leckerlis bestätigen, damit er nicht lernt, daß er was vom Boden aufheben darf.
Genauso kannst Du es mit fremdem Hunden machen. Er sieht Fremdhund - Sitzkommando, Bestätigung. Oder: er sieht Fremdhund - Fußkommando, Passieren des Hundes, bestätigen. bis er weiß: wenn ich Fremdhund sehe, gehe ich von alleine ins Fuß, Fraule regelt das. Find ich fast besser, weil im SITZEN sich die hunde fixieren und hochpushen können, während, wenn er Hund im korrekten Fuß neben Dir hergeht, er ja Dich anschauen muß, und Ihr vorbei seid, bevor er auf die Idee kommt, zu pöbeln.
Ich würde auch bei so nem Hund, der sich sowas von gar nicht für mich interessiert, bös werden, wenn der meint, sein Ding durchsetzen zu wollen, und abbrechen, wenn er sich aufspielt. Wenn man schnell genug ist, kann man ihm vorher schon ein Alternativverhalten aufzeigen und durchführen lassen und bestätigen. Paßt man aber mal net auf, und der pöbelt rum, würde ich schon ein böses "NEIN" loslassen und ihn dann ins Fuß nehmen. Einfach, damit er lernt, dieses Verhalten ist nicht mehr gewünscht, und Du läßt es nicht durchgehen.
Ich habe aus dem von Dir Geschriebenen nämlich das Gefühl, daß der Kerle bei Dir tun und lassen zu können meint, was er möchte.
Mit viiiiel Konsequenz und Geduld bekommt Ihr das schon hin.
Wenige, aber feste und unbedingt einzuhaltende Regeln festlegen, die JEDER in der Familie IMMER durchsetzt. Z.B. daheim im Körbchen und fertig. Aufstehen und Futter vorerst nur nach Freigabe. Wenn er zB ne halbe Stunde im Körbchen war, kannst Du gerne Freigabe erteilen, und dann ne kleine Runde spielen zur Belohnung. Damit er lernt, wenn er tut, was Du willst, lohnt sich das für ihn. Freilauf erstmal gestrichen, solange er nicht hört. Erstmal an kurzer Leine, das dann verlängern, wenns klappt.
Körperlich auslasten und bewegen kannst ihn in umzäunten Grundstücken, und dort würde ich dann auch nichts verlangen, das er wahrscheinlich eh net macht (zB Abruf, wenns nach läufiger Hündin riecht - das KANN nur schiefgehen...), oder am Rad, wenn Du ihn da halten kannst. Vorteil vom Radeln: wer mittrabt, hat keine Zeit, sich an Schnupperstellen festzusaugen. Aber das muß er natürlich langsam lernen, daß am Rad net einfach stehengeblieben wird, am besten erstmal beim Schieben Hund mitnehmen, und dann kurze Strecken fahren (nachdem er sich schon gelöst hat), und das dann ausbauen.
Bindung entsteht durch gemeinsam bewältigte Schwierigkeiten, zB wenn man zusammen was sucht und findet, oder wenn man es geschafft hat, ein Kommando beizubringen und das funktioniert, oder wenn Du Deinen Hund vor anderen in "komischen" Situationen beschützt hast (dann kann er Dir vertrauen, daß Du Dinge für ihn regelst), oder durch gemeinsame Beschäftigung (Suchspiele, bei denen Ihr zusammenarbeitet) u.v.a. mehr.... Das passiert automatisch im Laufe der Zeit.
Ob ich da jetzt nen Chip gesetzt hätte, laß ich mal dahingestellt, denn ich denke, das ist einfach Erziehugnssache, daß der Kerle bisher nicht gelernt hat, daß Du wichtiger bist als er. Andererseits kann er, nachdem das Kind nunmal schon in den Brunnen gefallen ist, evtl. wirklich bewirken, daß der Hund erstmal überhaupt für Dich "erreichbar" wird, denn im gegenwärtigen Zustand wäre das sicherlich schwierig. Aber gut - beim ersten Hund passiert einem sowas noch, ich denke, aus solchen Fehlern lernt man *gg