Beiträge von BieBoss

    ...
    Frage: Gibt es Bauchgurte, bei denen der Hund auch die Seite welchseln kann? Oder kann das der Hund automatisch an einem Bauchgurt?

    Notfalls die normale Leine mit der Handschlaufe um Bauchgurt befestigen, sodaß sie am Bauchgurt entlanggleiten kann in alle Richtungen.

    Auch lustig: Flexi an Bauchgurt befestigen, dann hat Hund Spielraum, die Seite zu wechseln, ohne daß Du über die Leine stolpern kannst. Bei mir geht´s, weil ich am Bauchgurt nochmal so ein 20-cm-Stück Nylonleine habe mit nem Karabiner, das ich durch den Flexi-Griff ziehen und dann oben wieder einhaken kann, sodaß die am Bauchgurt hängt.

    Zum Hund: hier würde ich nicht NUR darauf achten, welche Rasse am besten für diese Arbeit geeignet ist, sondern dabei auch nicht vergessen, daß Du mit ihm im Alltag leben können mußt. Das ist bedeutend mehr Zeit als die Staffelarbeit.

    Der beste Arbeitshund hilft Dir nix, wenn Du daheim mit dem einfach net kannst, oder er Dir vom Wesen nicht liegen würde. Oder Du dann zwar nen Arbeitshund hast, mit dem aber der Rest der Familie net kann....

    Will heißen, Du hast eigentlich ne ziemlich große Auswahl an Rassen, die meisten können die Arbeit gut machen, daher kannst Du Dir locker den Luxus gönnen, auch darauf zu gucken, was zu Euch allen paßt :-)

    Wir sind auch seit 2008 in der Rettungshundearbeit dabei.

    Geeignet ist jeder Hund, der nicht übermäßig ängstlich ist, oder
    aggressiv, der körperlich gesund ist und nicht zu schwer ist oder
    Proportionen hat, die ihn ungeeignet machen (dackelige Figur,
    Bernhardiner mit 100 Kilo o.ä. *gg). Jagdtrieb läßt sich in den Griff
    kriegen, aber man kann sich die Arbeit auch einfacher machen *gg


    Ob der Hundeführer geeignet ist, wäre die nächste Frage - wer kein Blut sehen kann und in Ohnmacht fällt, weil er jemanden findet, der sich grad die Pulsadern aufgeschnitten hat, ist nicht wirklich ne Hilfe für die gefundene Person *gg Oder jemand, der nachtblind ist, und dann im Finstern durch den Wald geschickt wird, is auch ne doofe Kombination.
    Wer im Schichtdienst nicht für Einsätze freibekommt, für den ist das vielleicht als Hobby wenig zielführend.
    Und wer kleine Kinder hat und daher nachts nicht aus dem Haus kann (meist sind die Einsätze nachts), und auch keinen Partner hat, der dann daheim wäre, der brauchts zu dem Zeitpunkt nicht zu versuchen, macht ja keinen
    Sinn... Außerdem sollte man körperlich schon halbwegs fit sein, nachts im Wald durchs Gelände bergauf bergab, das ist nicht ganz ohne....

    Bei uns fangen wir sobald wie möglich an, gern auch schon mit dem Welpen, wenn der HH da schon anfragt. Natürlich altersgemäß, also erstmal spielen mit allen Leuten, damit er verknüft, daß Menschen toll sind und so. Erste Anzeigeübungen, um zu testen, ob er bellen würde etc.. Max. Alter ist ca. 4 Jahre (je nach Vorwissen des Halter-Hund-Teams), weil die Ausbildung in der Fläche 2-3 Jahre dauert. Und mit dem vollendeten 7. Lebensjahr muß man die Prüfung erstmals bestanden haben.

    Du schriebst:
    "Ist das so bei jedem Verein üblich? Das man da eine richtige Ausbildung zum Rettungssanitäter macht ist mir völlig neu. :???:"
    Zumindest bei allen Staffeln in Hilfsorganisationen: Funken, Orientierung, Karte/Kompaß, Einsatztaktik, Suchtaktik, Kynologie, Lernverhalten Hund, Erste Hilfe Hund, etc. etc. Das erste Jahr ist ziemlich theoriehaltig, nebenbei zum Training, wohlgemerkt.
    Unterordnung muß währenddessen privat trainiert werden, dafür bleibt in der Staffel keine Zeit. Also entweder (je nach Alter) BH mitbringen oder in ner BH-Gruppe trainieren, denn in der Rettungshunde-Prüfung später wird die Unterordnung (und mehr!) abgefragt (Steh aus der Bewegung gibts in der BH nicht, genauso das Voraus und Maulkorbtragen, Getragenwerden des Hundes wird auch geprüft).
    Bei privaten Staffeln reicht oft auch ein einfacher Erste Hilfe Lehrgang, aber wenn jemand mit der Dienstkleidung einer Hilfsorganisation unterwegs ist, erwarten die Leute halt auch, daß man echt helfen kann, daher dort der SAN-Schein. Bei uns ist es allerdings so, daß gesehen wird, wie viel Zeit wir mit Training verbringen, sodaß wir keine SAN-Dienste auf Veranstaltungen übernehmen müssen. Wir dürfen, aber müssen nicht. Dafür machen wir gern mal ne Vorführung auf Veranstaltungen, um Werbung zu machen für die Organisation und die Staffel.

    Du fragst:
    "Da hätte ich doch gleich noch ein paar. ;) Was wurde bei dem sog.
    Eignungstest mit deinem Hund genau gemacht, was haben die getestet? Wurdest du dann gleich aufgenommen oder folgen da noch weitere Tests? Die Ausbildung an sich ist kostenfrei oder?"

    Beim Eignungstest wird einfach nur probiert, wie der Hund auf unbekannte komische Geräusche und Dinge reagiert, wie er mit Dir zusammen agiert, und auf fremde Hunde reagiert, auf die er ja bei nem späteren Einsatz stoßen kann in der Suche. es wird da halt versucht, übermäßige Ängstlichkeit oder Aggressivität herauszufinden und auszuschließen. Ein guter Trainer stellt das Meiste davon aber normalerweise schon im Lauf des Trainings fest, dafür braucht der keinen gesonderten Test..... Trotzdem gibt es immer wieder mal Überraschungen....

    Manche üben das, ist aber kontraproduktiv, denn dann kennt der Hund zwar die Übung xy an sich, aber zeigt dank der Gewöhnung eine evtl. vorhandene Schreckhaftigkeit/Ängstlichkeit nicht, und wird dann weiter ausgebildet, ohne daß man zB daran arbeiten kann.

    Das erste Halbjahr eines Interessenten ist bei uns Probezeit, in der die Leute checken können, wie es bei uns abläuft, ob sie Lust haben, dazuzugehören, und in der auch wir abchecken, ob die Person zur Staffel paßt und die richtige Einstellung mitbringt. Wenn einer zB in der Zeit keine Neigung zeigt, als Helfer auf Einsätze mitzukommen, und sich dafür nicht interessiert, geschweige denn in den Theoriestunden auftaucht, oder dauernd fehlt, dann wird halt schonmal gefragt, was das Ziel der Anwesenheit ist..... Daher gibt´s auch Anwesenheitsquoten fürs Training. Nicht zu hoch, ist für jeden machbar, auch wenn mal der Job, Familie oder Krankheit dazwischenkommen - aber doch so, daß man regelmäßig teilnehmen muß an der Ausbildung.

    Die Ausbildung selbst ist kostenlos, aber es ergeben sich z.T. recht deftige Anfahrtszeiten und Spritkosten fürs Training, da nicht überall Staffeln sind. Ich fahre immer einfach so 80-100 km in unsere Trainingsgebiete.

    ...... Wenn er ein Reh sieht, würde er am liebsten umdrehn und Hals über Kopf nach Hause rennen. .......

    Hach, wenn ich das doch EINMAL von meinem Terrier behaupten könnte.... *seufz...... :lachtot: :lachtot: Er dürfte auch gern Schutz suchen bei mir.... Ich würd ihn notfalls sogar 10 km bis nach Hause tragen und ihm dort ein ganzes Steak reinstopfen - ich schwörs..... :ugly:

    Tut mir leid, wollte mich net über Dich lustig machen, aber das fand ich grad einfach zu süß...

    Für Deinen Hund ist es das aber bestimmt nicht, da hast Du schon recht, und es ist wichtig, etwas dafür zu unternehmen, daß er sich da draußen wohl fühlt. :bindafür:

    Ich finde, Dein Ansatz, immer nur kleine Routen (am besten dieselbe!) zu gehen, ist schon mal ein guter Anfang. Das wird natürlich ein bisserl dauern, wenn der Hund natürliche Umgebungen bisher nicht kennenlernen konnte. Warst Du bisher nie mal rausgefahren aufs Land mit dem Hund oder so?

    Vielleicht kannst Du auch einfach ein Spielzeug mitnehmen oder Leckerli, Dich immer an derselben Stelle hinsetzen und dann dort irgendwann Futter suchen lassen (wenn er das denn macht) oder mit ihm spielen - einfach, damit er die Umgebung positiv verknüpft und merkt, es passiert ihm nichts. Aber das geht auch nur, wenn er dazu überhaupt in der Lage ist. Wenn er noch zu viel Streß hat da draußen, wird das net klappen, weil er dann sicher nix frißt und auch nicht zum Spielen aufgelegt sein wird. Daher einfach erstmal ein paar Tage nur an dieser Stelle rumsitzen, und ihn gucken lassen. Vielleicht geht er irgendwann von selbst los und erkundet die Umgebung um Euch rum, dann bleib einfach sitzen und gib ihm die Zeit.

    Evtl. gibts in der Nähe ne Hundeschule, über die man Leute mit umweltsicheren Hunden kennenlernen könnte, sodaß Du mit einem souveränen Hund begleitet unterwegs sein könntest. Vielleicht schaut er sich da bissel was ab.

    Du darfst dabei auch nicht vergessen: so für Dich kniehohes Gras ist halt für nen Chi, der das nie kennengelernt hat, wie für unsereinen ein Wald..... Und auch ein Reh ist ja -zigmal größer als so ein kleiner Hund, und wenn er sowas noch nie gesehen hat, ist klar, daß das erstmal Angst macht.

    Man darf auch eines nicht vergessen: alles, was man mit dem früheren Hund vielleicht gehabt hat, das war das Ergebnis manchmal jahrelanger Arbeit. Der war auch nicht so perfekt auf die Welt gekommen!

    Und jetzt steht man da mit dem Jungspund, und hat im Laufe der Jahre einfach vergessen, was das damals für eine Arbeit gewesen ist, bis der erste Hund so weit war, wie man ihn dann am Ende kannte, als er ging.

    Vergiß diese Lernzeit nicht - und genieße sie mit dem zweiten Hund, und erfreut Euch an jedem kleinen Schritt, den Ihr zusammen erreicht habt. Vielleicht wird es nie genauo sein wie mit dem ersten Hund - wahrscheinlich sogar, weil es einfach ein anderer Hund ist. Aber auch der wird sich noch entwickeln - sei gespannt, in welche Richtung es diesmal geht, zusammen mit Dir! :-)

    Jeder Hund ist eine neue Herausforderung, und ich finde gerade das Herausfinden so spannend, wie man auf einen gemeinsamen Nenner im Leben kommt. Was dem Anderen gefällt. Wie ich den Hund knacke, wenn ich etwas Bestimmtes erreichen will. Und da gibt´s kein Patentrezept, weil es einfach Lebewesen sind, das muß man sich für jeden Hund gesondert austesten, auf was er anspricht.

    Ihr schafft das schon - aber laß Euch Zeit, alles Andere setzt Euch unter Druck - und genau den spürt auch der Hund. Zu hohe Erwartungen führen nur zu Frust und Unlust, sich mit dem Hund zu beschäftigen. Lieber kleine Ziele setzen, die Ihr schnell erreichen könnt, denn das motiviert, weiterzumachen :-)

    Daß der Hund bei geworfenen Leckerlis in der scheinbar falschen Richtung sucht, kann auch am Durchzug liegen. Man glaubt gar nicht, wie die Witterung von nem Leckerli in einer Wohnung ziehen kann. Durch Türspalte, Kamine, Fensterritzen etc. gibt´s oft ganz komische Zugrichtungen in einem Gebäude - wir haben das mit der Rettungshundestaffel immer wieder mal im Training, und es ist faszinierend, wenn ein recht erfahrener Hund voller Überzeugung eine leere Wand anzeigt, während die gesuchte Person eigentlich zB gegenüber in nem Schrank sitzt oder so. Einfach, weil der Geruch zur anderen Wand hinzieht.

    Das würde mich jetzt also nicht zu sehr irritieren, wenn der da (anfangs) nicht gleich hinfindet...

    Abgesehen davon glaub ich auch manchmal, meine Hündin hat keine Nase, wenn sie zu deppert ist, Leckerli zu finden. Menschen auf 100 Meter Entfernng im Wald zu finden, ist kein Problem für sie - und das Leckerli am Boden neben ihr beißt sie schon fast, und sie sucht es immer noch ganz verzweifelt *gggg

    Naja - wenn ein Trainer nicht weiß, daß eine Bestätigung das ist, was der HUND (nicht der Halter, geschweige denn der ganz außenstehende Trainer) als Solche empfindet -und das ist ja schon recht elementar-, dann frag ich mich, wie die Kompetenz sonst so ist.... :-)

    Aber wenn Du selbst auch ne Alternative probieren willst, spricht ja nix dagegen. Solange Du nicht gleich in Verzweiflung fällst, falls es nicht klappen sollte :-) Könnte mir aber vorstellen, wenn Du den Hund von klein auf hast, und ihn bislang nicht zum Spielen gebracht hast, daß es dann halt einfach net seins ist.

    Aber solange der Trainer Dir nicht gleich sagt, er arbeitet den Hund nicht, wenn er mit Futter bestätigt wird, ist ja alles ok.