Ich würde erstmal Hundeschule komplett streichen. Erstmal ankommen lassen. Regeln daheim kennenlernen. Euch kennenlernen. Futterzeiten, Liegeplätze kennenlernen. Wer gehört zur Familie, erfahren lassen. Autofahren mit Euch zusammen zu schönen ruhigen Gegenden, wo ihr zusammen Spaß habt. Bissel Leinenführigkeit bei Bedarf. Was man halt zwingend im Alltag braucht. Alles Weitere hat Zeit - bis der Hund angekommen und etwas entspannter ist. Notfalls ein halbes Jahr.
Und dann daheim schon mal ein Alternativkommando (Ihr müßt ihm sagen, was er tun soll, anstatt zu pöbeln oder Autos zu jagen. Nachdem er aber in der direkten Begegnung derzeit voll im Streß ist, kann er die Alternative nur zeigen, wenn die daheim und ohne Ablenkgung schon echt mega-gut sitzt.) trainieren, wo es ohne Ablenkung möglich ist. SCHAU oder SITZ oder WEITER oder FUß, was auch immer. Und wenn das dann daheim sitzt, mal draußen erst ohne und dann bei gaaanz leichter Ablenkung testen, ob das funktioniert. Dann ganz viel üben und nach und nach die Entfernung zur Ablenkung steigern, bzw. die Ablenkung an sich steigern. Quasi von "ein Mensch läuft etwas entfernt von Euch gesittet vorbei" über "ein Mensch läuft etwas näher bei Euch gesittet vorbei" über "ein Jogger läuft auf Entfernung von Euch zügig vorbei" über "ein Jogger rennt dicht an Euch vorbei" über "ein Kind spielt in der Nähe" hin zu: "auf dem Marktplatz Samstag vormittag" - ok, ich übertreibe, aber nur, damit Ihr seht, wie viele Abstufungen an Ablenkung es gibt, Ihr müßt da echt ganz kleinschrittig arbeiten.
Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich gerade in der ersten Zeit diese Stressoren wie fahrende Autos oder Hundebegegnungen meiden. Erst, wenn der Hund Euch näher kennt und weiß, daß er sich auf Euch verlassen kann (kommt durch Erfahrung in verschiedensten Situationen, das geht net von jetzt auf gleich), wird er auch in der Stadt oder auf engen Wegen in der Lage sein, Hundebegegnungen so zu meistern, daß er sich dabei auf Euch verläßt und nicht anfängt, selbst Dinge zu regeln, indem er lospöbelt, oder angreift.
Was gut helfen kann auch für unterwegs: eine Decke. Daheim als Ruhezone etabliert, dann langsam auch draußen einsetzen. Hund liegt darauf und kann entspannen, während er für ihn "komische" Situationen aus sicherer Entfernung (später dann immer näher, Stückchen für Stückchen) betrachten kann. Er lernt quasi daheim diese Decke als geschützten Rückzugsraum kennen, auf dem ihm nie etwas passiert (er darf dort nie bedrängt werden oder als Strafe hingeschickt werden!), sodaß er darauf total entspannen kann. Wenn das der Fall ist, mal draußen im Park weitab von jeder Ablenkung testen. Setz Dich aud ne Bank, die Decke daneben, da soll er drauf liegen. und dann halt ganz besonders aufpsasen, daß keiner an den Hund rangeht, kein Hund herkommt etc. - so sieht der Hund, daß er auch draußen auf der Decke entspannen kann. Dann wird er auch irgendwann (!) im Biergarten, wo andere Leute und Hunde sind, entspannt darauf liegenbleiben können, während ihr eßt. Aber das ist ja derzeit Zukunftsmusik :-)
Oder man kann dafür auch ein Halstuch (zB auch mit nem bestimmten immer gleichen Duft!) benutzen, das ebenso daheim mit Entspannung verknüpft und dann später mit rausgenommen wird, sodaß er die entspannte Haltung mit rausnimmt quasi.