Ganz ehrlich? Lieber die Prüfungsmeldung zurückziehen als so zu starten. Hab den Mut, mach das! ;-)
Und dann neu üben. Platz machen lassen kurz, Du stehst daneben. Wenn das klappt, etwas länger. Wenn das klappt, Platz machen lassen und mal nen Schritt weggehen dabei. Wenn das klappt, dabei neben ihm ein wenig bewegen (Schritt zur Seite), Hund darf sich net rühren. Tut er´s doch: hingehen und wieder auf den Platz legen, solange, bis er bei Deiner Bewegung liegenbleibt.
Zeitdauer immer wieder mal etwas (! vorsichtig) verlängern. Aber am meisten würde ich an der Ablenkung arbeiten. Mal auf der Stelle hupfen, wenn sie liegt. Mal zwei Schritte weggehen und wieder zurück auf Deinen Punkt. Mal nen Ball nen Meter von Dir wegkullern, während Hund im Platz zuguckt. Oder Ball kurz hochwerfen und wieder auffangen.
Hund muß liegenbleiben, ansonsten wieder zurückbringen und ins Platz legen, bis sie´s kapiert. Bei uns klappt´s inzwischen, wenn ich vom liegenden Hund aus plötzlich losstarte und wegrenne.
Rennt er zu Dir - niemals belohnen oder so, indem Du Dich freust, was auch immer. "Nein" sagen, Hund am Halsband zurückführen und wieder ablegen. Dann nur ganz kurz, sodaß Du ihn dann loben kannst und er ne leichte Aufgabe hat, die er bewältigen kann.
Ich würde auch beim Üben nicht (zumindest nicht allzu oft) aus dem Platz abrufen. Damit der Hund lernt, es wird grundsätzlich net zu Frauchen gelaufen aus dem Platz heraus. Wenn Du in der Freifolge abrufst, ok - aber wenn Du den Hund irgendwo hinlegst, und weggehst, würde ich niemals abrufen. Dabei auch darauf achten, was ich im Alltag tue. Wenn ich den Hund vorm Bäcker ins Platz lege und ihn dann alleine lasse, kann er aufstehen, ohne daß das Konsequenzen hätte. So lernt er, daß Aufstehen aus dem Platz ok ist!
Grundsätzlich mußt Du Ablenkungen laaaangsam und klein aufbauen. Also bitte nicht gleich schreiend vom Hund aus wegstürmen, sondern z.B. Ball vor Dich legen, kurz warten, wieder aufheben und Hund wieder abholen, loben. Nächster Step: Ball ein paar cm wegrollen von da aus, aufheben und fertig, Hund abholen. Dann Ball einfach im Stehen runterfallen lassen, kurz warten, aufheben, fertig, Hund abholen. Dann mal etwas kräftiger schubsen, sodaß er vielleicht nen Meter rollt. Hingehen, Ball holen, zurückgehen auf Deinen Platz, Ball einstecken und Hund abholen. Mit Ball zu arbeiten (alternativ Leckerli) hat zudem noch den Vorteil, den Hund auf Dich zu fokussieren, sodaß er für externe Ablenkungen (Hase in der Wiese hinter Dir) weniger anfällig ist. Aber vorsicht: wenn der Hund eh dann immer zu Dir läuft, wenn er aufsteht, mußt Du dann beim Üben natürlich noch konsequenter sein, weil Du Dich natürlich mit Ball auch spannender machst.... Kann also ein 2schneidiges Schwert sein.... ;-)
Wenn Ball also ein zu großer Reiz ist, mach´s anders: beweg Dich erstmal nen Schritt vor und zurück, Hund abholen. Dann mal 2 Schritte. Mal zur Seite, mal nach hinten, mal gradeaus. Dreh Dich einmal um Dich auf der Stelle. Damit arbeitest Du mit Dir selbst, aber animierst nicht zusätzlich mit Balli & Co., herzukommen. Wenn das klappt, geh mal nen kleinen Kreis um Deinen Standort herum, bevor Du den Hund wieder abholst. Egal, was - Hund lernt, es ist vollkommen wurscht, was "die Alte" da vorn aufführt - ich LIEGE.
Oder üb mit Freunden. Laß den Hund abliegen, stell Dich daneben, der Andere geht eine erstmal kurze (!) Übung an der Leine (damit dessen Hund nicht zu Deinem kann!), dann nimmst ihn wieder weg dort. Das kann man in der Länge der Übung ausbauen, und Du kannst variieren: wird die Übung länger, bist Du neben dem Hund. Ist es eine kurze Übung, kannst mal 2 Meter vom Hund weggehen und z.B. als Sicherung auf der Leine stehen. Klappt das mehrfach problemlos, kannst mal 3 Meter weggehen. Je weiter Du weg bist, desto kürzer sollte die Übung des Anderen wieder sein. Wenn das klappt, kannst die Zeitdauer wieder etwas verlängern.
Du hast im Prinzip mehrere Elemente, die Du trainieren mußt:
- Das Liegenbleiben über länger werdende Zeitdauern
- Die Ablenkung in unterschiedlichen Graden und Stärken
- Die Kombination aus beidem, wobei natürlich immer nur jeweils eines gesteigert wird, während das Andere Element dann weniger schwierig gestaltet wird, sodaß Du immer nur an einem der bei den Punkte konkret übst und der andere einfach mit einfließt.
Wichtig: den Hund genau beobachten. Normalerweise sieht man ziemlich deutlich, wenn der sich erheben möchte, noch bevor der Poppers den Boden verläßt. Er wird unruhig, guckt hoch, die Vorderbeine werden aufgestellt, er setzt sich hin. Schon in dem Moment eingreifen, zurückgehen und wieder Platz-Kommando geben! Gar nicht erst aufstehen lassen.
In der Prüfung gilt (wenn das noch so ist, meine ist schon ne Weile her): wenn der Hund aufsteht, kannst noch mit ner 4 bestehen. Bewegt er sich mehr als ein paar Schritte vom Platz weg, biste bei der Übung durchgefallen, hast also 0 Punkte.
Ich würde deswegen nicht gleich starten, weil ich davon ausgehe, daß bei ner Prüfung nie alles so toll läuft wie man das eigentlich kann. Du bist nervös, dadurch bist Du evtl. in der Körpersprache anders als sonst, die Kommandos evtl. zu leise oder in der Körpersprache undeutlich. Daher macht der Hund Fehler. Dann merkt der Hund auch noch, daß Du nervös bist, was die Geschichte nicht verbessert. *gg Du wirst Dir bewußt, daß da Leute zugucken, die Dich bewerten, und stolperst fast über die eigenen Füße *gg Du vergißt bedingt durch die Nerven eine Übung. In ner Prüfung rechne ich immer mit solchen aufregungsbedingten Fehlerchen. Nicht schlimm - aber wenn man dann noch nur zur Prüfung erscheint gemäß dem Motto "Mut zur Lücke", weil dies und das noch net klappt, dann ist das Durchfallen vorprogrammiert. Lieber etwas perfekter einüben als es letztlich dann gebraucht wird, dann hat man für so kleine nervositätsbedingte Fehlerchen Spielraum, ohne gleich durchzufallen.... ;-)
Ich find´s doof, daß es Trainer gibt, die Dich so zur Prüfung zulassen bzw. anmelden. Bei uns in der Rettungshundestaffel geht z.B. keiner auf die Prüfung, bevor nicht die Ausbilderin der Meinung ist, Du bist zumindest einsatzfähig (und das ist ein höherer Anspruch als "Prüfung bestehen können"!). Man ist auf Prüfungen nervös genug, da muß man nicht noch Angst haben, weil man eigentlich noch net so weit ist.
Immerhin: eine durch den Hundeführer "peinlich" gelaufene Prüfung spricht ja auch nicht für den Ausbilder und dessen Training - wenn Du das Deinem Trainer so klarmachst, versteht der das bestimmt. Letztlich ist es nur Deine Entscheidung, ob Du so antreten möchtest oder nicht, laß Dich da von ihm nicht drängen.
PS: wenn Du das schon seit letztem Herbst (buzw. ja vorher, weil Du ja im Herbst schon Prüfung laufen wolltest und auch da schon abgemeldet hast) übst, und immer noch net so weit bist, dann solltest Du Dein Training echt mal überdenken - dann machst nämlich definitiv was falsch, sodaß der Hund Dich nicht versteht....