Björn, wenn ich mal von deinen Schilderungen ausgehe, dann eröffnen sich damit einige Fragen für mich:
- Was machst du, wenn du mal umziehst und deinen Hunden nicht mehr den regelmäßigen Kontakt mit ihren bekannten und "gemochten" Sozialpartnern ermöglichen kannst?
- Wie sollen denn "Bekanntschaften", mit denen die Hunde gerne Kontakt pflegen entstehen, wenn man ihnen das Treffen mit fremden Hunden "erspart"? Ist es nicht so, dass aus Begegnungen mit Hunden, die man nicht kennt erst die "Freundschaften" unter den Hunden entstehen?
- Wie soll der 08/15-Hundehalter bewerkstelligen, dass der Hund genügend Kontakte zu Artgenossen hat, ihm aber dabei ersparen, auch mit ihm bislang unbekannten Hunden in Kontakt treten zu "müssen"?
- Ist es nicht sogar sinnvoll, dass auch Hunde, die nicht unbedingt "Wert" darauf legen, Kontakt mit ihnen unbekannten Hunden zu haben, dennoch lernen, dass sowas vorkommen kann (für beispielsweise den Fall eines Umzugs oder eines Notfalls, bei dem auf einmal ein weiterer Hund da ist)
- Wie ist das, wenn man einen Hund hat, der mal mit seinen Kumpels spielt, mal absolut kein Interesse hat, dafür aber auch bei fremden Hunden Lust auf Spielen zeigt? Sollte ich den trotzdem nur zu uns bekannten Hunden hinlassen?
Ich meine diese Fragen wirklich ernst, denn es interessiert mich sehr, wie du das siehst.
Kleines Beispiel von Maja, die lange lange Zeit gar nicht mit anderen Hunden gespielt hat und erst im Sommer diesen Jahres das Spielen wieder für sich entdeckt hat: Maja hat letzte Woche völlig ausgelassen mit einem Labradorrüden gespielt. Besagter Rüde war eine ganze Zeitlang ziemlich anstrengend in Bezug auf das Aufreiten bei Hündinnen, bei Maja hat ers auch mal versucht. Beim ersten Mal ist das konsequent von der Halterin und mir unterbunden worden, beim zweiten Mal hat Maja ihm eine deutliche Ansage gemacht, dass sie davon nichts hält. JEtzt haben die beiden sich eine ganze Zeitlang nicht gesehen und anhand der bisherigen Erfahrungen habe ich mit absolutem Desinteresse von Seiten Majas gerechnet und wollte eigentlich grad weitergehen, weil ich Maja auch ganz gern diese Aufreiterei erspare. Da fängt mein Hund an, mit diesem Buben durch die Gegend zu flitzen, als wären sie die besten Kumpel. Die beiden haben unglaublich schön und vor allem ausgeglichen gespielt - trotz bislang nciht sooo erfreulicher Begegnungen.
Was sagt mir das nun? Dass aus neutralen oder sogar negativ besetzten Begegnungen sogar Freundschaften werden können? Oder sollte ich doch in Zukunft den Kontakt zu allen anderen Hunden meiden, mit denen Maja nicht standardmäßig durch die Gegend flitzt (das würden dann nämlich ziemlich viele)?
MAja war immer ein vorsichtiger Hund, immer friedfertig, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig auf den Rücken legen. Dass es aber auch ohne Hinschmeißen geht, dass man Hunde ignorieren kann, mit ihnen spielen kann, sie sogar zurechtweisen kann, das lernt sie seit etwas mehr als einem Jahr. Und ich erkenne noch immer große Fortschritte in ihrem Selbstbewusstsein. Klar kann ich bei fremden Hunden nicht die Hand ins Feuer legen dafür, dass die sie jetzt nicht doch mal verrollen. Aber prinzipiell hat mein Hund gelernt, dass nciht alle Hunde böse sind, nur weil einer dezent einen an der Murmel hat. Und sie hat gelernt, dass es sch*** Situationen gibt, die Frauchen dann für sie regelt und dass es noch viel häufiger neutrale oder gute Situationen gibt, in denen sie selbst entscheiden kann, was sie nun will. Ich glaube wirklich nicht, dass es Maja geschadet hat, dass sie auch mal an den ein oder anderen Mobber geraten ist, hat sie dort doch auch erfahren, dass auch das sie nicht umbringt.
LG, Henrike (die es allerdings durchaus auch akzeptieren kann, wenn ein Halter keinen Kontakt der Hunde wünscht und teilweise selbst den Kontakt verweigert)