In regelmäßigen Abständen wird hier immer mal wieder ein Thread aufgemacht, der scheinbar an die anderen Foris appelliert, das mit der Erziehung doch nicht immer alles so bierernst zu nehmen und auch mal fünfe gerade sein lassen zu können. Erst recht, wenn es um andere Hundehalter geht.
Nun ist es also wieder soweit...
Prinzipiell stimmts ja: Was kümmerts mich, ob Waldi sich nicht so gern anfassen lässt? Und was hab ich damit zu tun, ob Lunas Frauchen einen gut sitzenden Rückruf für wichtig hält? Wenn Purzel an der Leine pöbelt - ist das etwa mein Problem? Und was geht es eigentlich mich an, ob Nachbars Fifi auf den akkurat geschnittenen Englischen Rasen sch****?
Solange mich das alles nicht betrifft, könnts mir ja egal sein. Ist es aber nicht. Denn es wird leider Gottes ganz schnell zu meinem Problem, wenn Waldi, der leider auch nicht immer sofort zurückkommt, um mich rumspringt und die Besitzerin schreit "Halten Sie ihn fest! Halten Sie ihn fest!" - dann kann ich entweder den Hund, der sich nicht gern anfassen lässt, festhalten und mich ggf. attackieren lassen oder mich auf die Diskussion mit dem Frauchen einlassen, warum ich denn nun den Waldi nicht festgehalten habe. Ich hab auf beides herzlich wenig Lust.
Ebenso ist es dann auf einmal MEIN Problem, wenn Luna unbedingt mit meinem Hund toben möchte, obwohl der grad keinen Kontakt haben soll, weil krank/verletzt/was auch immer. Luna hört ja nicht auf Frauchens Rufen, also bin ich die mit dem Problem.
Oh und wenn Purzel pöbelt, hab ich damit wirklich nichts zu schaffen, wenn ich im Gegenzug sehen muss, dass ich meinen Hund ruhig und gelassen dran vorbei gelotst bekomme, obwohl Purzel in einer Tour provoziert?
Selbst Fifis Haufen auf Nachbars Rasen kann mir zum Verhängnis werden, wenn der darin einen Angriff auf die Ehre seines Gärtchens sieht und schwuppdiwupp zum Hundehasser mutiert.
Es ist nunmal so, dass die breite Masse nicht prinzipiell bei jedem Hund einzeln schaut, wie gut der sich benimmt und wie der erzogen ist, sondern durchaus die schlechten Erfahrungen mit Waldi, Luna, Purzel oder Fifi auf die Gesamtheit der Hunde überträgt und ich darf mich dann damit auseinandersetzen, dass meinem Hund unterstellt wird, dass das ein Drecksköter ist, weil der immer in andererleuts Vorgarten sch**** oder fremde Menschen anspringt oder immer so aggressiv bellt, wenn der an der Leine ist - weil: es sind ja alle Hunde so.
Und ja, dann ist das sehr wohl mein Bier und stört mich gewaltig, dass ich die Erziehungsversäumnisse anderer (auch wenn denen das vielleicht nicht so wichtig war) ausbaden darf.
Es geht mir nicht darum, dass ich von anderen perfekte Hunde erwarte. Und ich habe vollstes Verständnis dafür, dass nicht jeder Hund von heute auf morgen einen perfekten Grundgehorsam zeigt, mir ist bewusst, dass da Training hintersteht. Aber zu sagen "Ach, das ist mir nicht so wichtig, geht doch die anderen nix an" - nein, dafür habe ich, um ehrlich zu sein, kein Verständnis.
Ich kann über lustige Aktionen meines Hundes lachen und ich kann auch mal fünfe gerade sein lassen, wenn mein Hund mir statt des Balls das Kuscheltier bringt. Aber wenn es um so Dinge wie Anspringen/Rückruf/Geschäfte verrichten usw. geht, da kann ich eben nicht fünfe gerade sein lassen. Kann ich nicht und will ich nicht. Weder bei meinem Hund (und auch den Gassi-Hunden) noch bei fremden Hunden. Da stört es mich und das massiv.
Pedantische Grüße, Henrike