Hallo,
ich finde es auch nicht gut jetzt auch noch Milana und ihrer Familie "Schuld" zuzusprechen.
Ich selbst hatte schon einige Hunde, arbeite mit Hunden und konnte vielen Menschen/Hunden helfen. Jedoch gibt es immer mal wieder einen Hund, der nicht auf die gängigen Methoden anspringt, sei es durch schlechte Erfahrungen, falsche Prägung in der Welpenzeit usw.
Hier sind viele Menschen mit "normalen" Hunden und auch "normalen" Problemen. Diese haben solche Probleme nicht und können sich auch nicht vorstellen, dass es so etwas in diesem Ausmaß gibt. Es gibt sie!
Ich selbst habe einen Hund aus Spanien, der ähnlich reagierte wie Kyra von Milana. Dieser Hund ist mein Lehrmeister schlechthin.
Er brachte mich an meine Grenzen und ich war mit meinem Latein am Ende.
Ich kam selbst nicht mehr weiter, nichts fruchtete und ich war verzweifelt.
Zudem war ich auch persönlich involviert, was ich bei Kundenhunden nicht bin.
Drei Hundetrainer (darunter auch zwei namhafte) bescheinigten mir, dass mein Hund ein Angsthund sei. Ich glaubte daran nicht ganz, draußen ja, aber nicht innerhalb der vier Wände.
Zwei Tierärzte wollten ihn unabhängig voneinander einschläfern.
Ich bekam aber das Gefühl nicht weg, dass ich selbst auch irgendwie Schuld hatte. Es konnte nicht sein, dass ich diesen Hund, der nun gerade mal 2 Jahre alt ist, einschläfern lasse.
An eine Abgabe war nicht zu denken, denn alle waren der Meinung, dass er keine Chance hätte woanders. Auch wollte ich dies nicht.
Wir fuhren an den Bodensee zu einem Tiertpsychologen, der unter anderem auch andere Methoden anwendet wie hier in den Hundeschulen. Er bescheinigte mir, dass ich nichts falsch gemacht habe, aber eben die angewandten Methoden bei meinem spanischen Freund nicht fruchten würden. Bei 99% der Hunde ja, aber nicht bei ihm.
Er bestätigte mein Bauchgefühl und sagte mir, dass Filou kein reiner Angsthund sei. Wir bastelten gemeinsam einen Trainingsplan (ich hatte ihn schon immer im Kopf, aber mir wurde abgeraten von den Trainern) und danach trainierte ich.
Was soll ich sagen? Es fruchtet und mein Hund ist ausgeglichener und wird so langsam zum richtigen Musterhund
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Ich werde nun am 19.10.2009 nochmals an den Bodensee fahren und dort einige Tage verbringen, zum Einen um zu zeigen was aus Filou geworden ist und zum anderen um gezielt an dem letzten noch bestehenden, aber ausschlaggebenden Problem zu arbeiten.
Da dies nicht ganz ungefährlich werden kann (Futteraggression) ist es mir lieber wenn jemand da ist, der eingreifen kann und weiss was er tut.
Ich wollte dies nur mal schreiben um zu zeigen, dass es auch noch andere Menschen mit solchen Problemen gibt. Auch Hundetrainer (wenn auch nicht kommerziell, sondern noch ehrenamtlich) können an ihre Grenzen kommen. Dies ist menschlich, aber man (in dem Fall ich) muss es sich eingestehen können und Hilfe suchen. Schließlich bilde ich mich damit auch weiter.
Liebe Grüße
Steffi