Hallo,
ich habe einen Hund der Futter bis aufs Blut verteidigt hätte/hat. Allerdings hatte er ein Trauma, welches wohl auf seine Welpenzeit in Spanien zurückzuführen ist.
Dieser Hund zeigte ein völlig abnormes Verhalten wenn es um das Thema Futter ging.
Hat man ihm den Napf hingestellt, ist er neben einem auf dem Bauch aus dem Raum gekrochen.
War man zu schnell und der Abstand zum Napf und Hund zu groß, konnte man sich dem Hund, beziehungsweise dem Stockwerk in dem der Hund fraß nicht mehr nähern.
Er attackierte mit Beschädigungsabsicht.
Sperrte man ihn in ein Zimmer um ihn dort in Ruhe fressen zu lassen, kam er mit eingezogenem Schwanz heraus, urinierte und warf sich auf den Boden.
Gefressen hat er nichts!
Ich stand mehr wie einmal an der Wand weil ich nur an dem Zimmer vorbeilaufen wollte wo er fraß. Zwar konnte ich ihn aus der Aggression herausrufen und er schien mich dann wieder zu erkennen, aber schön war das nicht!
Ich konsultierte zwei Trainer (darunter auch wirklich bekannte), die aufgaben und mir mitteilen, dass ich ihn einschläfern sollte. Ich befragte zwei Tierärzte, da er auch sehr nervös war und ein Leckekzem entwickelte, diese rieten mir auch zum Einschläfern. Damals war der Hund 11 Monate alt.
Wir entschieden uns dagegen und suchten weiter nach Hilfe.
Hier aus dem Forum bekam ich sie von Cazcarra, die meinen Bub kennenlernte und mir Hoffnung machte.
Zu der Futteraggression konnte sie nichts sagen, denn sie sah ihn nicht in seinem Umfeld, sondern ich fuhr zu ihr.
Ich bin ihr heute noch dankbar für das Mutzusprechen und das offene Ohr welches sie immer für mich hatte.
Ein Jahr später fiel er meine Freundin bei der Handfütterung an und lies nicht von ihr ab. Ich musste ihn von ihr runtertreten (wir wohnen zusammen, sie war nicht fremd). Das war alles andere als schön, aber er setzte ständig nach, obwohl sie schon nach hinten auf die Couch gefallen war.
Sie hatte außer einem kleinen Kratzer an der Nase nichts, was anders ausgesehen hätte wenn er gewollt hätte.
Dannach, als jeder wieder einschläfern schrie, kam ich an einen Trainer am Bodensee, bei dem ich einige Tage verbrachte und der mich und meinen spanischen Freund unter die Lupe nahm was die Futteraggression anging. Er attestierte ihm zwar eine Unsicherheit was den Umgang mit anderen Hunden und der Öffentlichkeit anging, aber was die Futteraggression anging, war er ratlos. Auf der einen Seite war es Unsicherheit und auf der anderen Seite war es das auch nicht!
Er konnte mir nicht helfen, sagte mir aber ich solle auf mein Bauchgefühl hören, denn ich hätte eine gutes Gespür für Hunde und vor allem für meinen spanischen Freund.
Ich entwickelte ein Trainingsprogramm für ihn was auf der einen Seite ein Tauschen war aber auch ein deutliches Grenzenaufzeigen! Wenn mir keiner helfen konnte und der Hund kurz vor dem Einschläfern stand, konnte ich ja auch nicht mehr viel ruinieren, so sagte ich zu mir. Aufgeben wollte ich nicht, abgeben wollten wir auch nicht. Ich wusste, dass er durch Menschenhand so gemacht wurde und im Grunde seines Herzens ein guter und senibler Hund war/ist!
Zum einen ging ich von der geltenden Erziehungsmeinung vieler Trainer bei Ressourcenverteidigung weg in denen es hieß: der Hund hat nichts zur freien Verfügung sondern bekommt es von seinem HH. Dies führt bei so einem Hund nur noch mehr dazu Sachen zu verteidigen, da sie ja knapp sind!
Ich fing mit Spielzeugen an:
es wurde alles verteilt was ich hatte und Filou hortete es in seinem Korb. Allerdings kam er nicht soweit alles zu horten, da ich es wieder verteilte.
Irgendwann merkte er, dass es genug davon gab und wurde ruhiger. (das ging nicht in Tagen, sondern Wochen)
Dann fing ich an, ihn abzurufen wenn er ein Spielzeug hatte. Es stand ihm frei mit oder ohne Spielzeug zu kommen. Kam er mit, dann lobte ich ihn für das Kommen und warf das Spielzeug erneut weg damit er es holen konnte.
Kam er ohne, dann bekam er ein Bleib-Kommando und ich holte das Spielzeug und gab es ihm.
Wichtig war nur, niemals zu dem Hund gehen, sondern immer den Hund zu einem kommen lassen! Alles andere wäre fahrlässig und gefährlich gewesen!
Als das mit Spielzeug klappte (wiederrum nach Wochen), traute ich mich an die Kaustangen heran.
Er hatte eine an der er nagte und ich hatte eine mit der ich spielte (Abstand gut 10 Meter, kein Augenkontakt).
Klar wollte er die haben die ich hatte. Also lies er seine liegen und kam zu mir um sich meine zu holen. So ging mein Spiel aber nicht!
Ich forderte ihn auf seine zu bringen was er knurrend und murrend tat. Er stand vor mir und hatte die Stange im Maul, war aber nicht bereit sie mir zu geben.
Gut, dann eben nicht!
Ich lies ihn einfach stehen und beschäftigte mich weiter mit meiner Kaustange. Ich versuchte alles ohne Stress, Druck und Angst zu gestalten, was nicht ganz so einfach war, denn ich wusste ja zu was er fähig war und vor allem wie schnell er umschwenken konnte.
Als er dann wieder kam, natürlich wieder ohne seine Stange, forderte ich ihn wieder auf mir seine zu holen. Irgendwann tat er es und bekam dafür meine.
Es gab aber auch immer wieder diese Momente wo ich das Zimmer nur durchqueren wollte, er noch gut 10 Meter von mir weg lag mit seiner Stange und mich angriff, obwohl ich ihn nicht mal angesehen hatte oder in seine Richtung ging.
Hier kam er dann auch mit Beschädigungsabsicht.
Das duldete ich nicht und warf ihm eine Wurfkette vor die Füsse um mich zu schützen. Die eine reichte nicht und es folgte eine zweite. Er blieb verdutzt stehen und ich lies ihn genauso verdutzt stehen und ging meinen Weg weiter ohne auch nur auf die blöde Stange zu schielen, oder ihn verbal anzumotzen!
Diese Situation gab es dann auch nur zwei oder drei Mal und danach nie wieder.
Wenn ich ihn aufforderte mir etwas zu bringen, dann brachte er es mir, zwar widerwillig aber er kam.
Egal was es war von einer Socke bis zu einem Kronkorken, er brachte es mir. Wenn ich merkte, dass er misstrauisch war, machte ich ein Spiel mit ihm.
Er brachte mir den Kronkorken und gab ihn mir grummelnd, ich lobte ihn und warf den Kronkorken erneut in den Garten und schickte ihn mit BRINGS los um ihn zu bringen.
Mit der Zeit wurde er immer lockerer.
Sein Futter bekommt er heute noch aus der Hand und das wird sich auch nicht ändern, denn er ist sehr entspannt und das ist unsere Lösung für das Problem NAPF.
Ansonsten hab ich hier auch mal Leute zu Besuch und Spielzeug ist kein Problem mehr, aber was zu knabbern bekommt er nicht und sein Futter erst recht nicht!
Spazieren geh nur ich mit ihm, oder mein Exmann der weiss wie er zu handeln ist.
Er ist heute vier Jahre alt und ein Traumhund für MICH...
Klar ist es einfacher einen Hund von Welpenbeinen an zu haben, denn diese Art der Aggression kannte ich nicht von meinen früheren Hunden und ganz ehrlich: ich brauch sie auch nicht nochmal kennenlernen.
Es war früher wirklich gefährlich mit ihm, denn egal was er als seine Beute auserkoren hatte sie gehörte ihm. Das kann ein Kronkorken oder auch ein Miniästchen gewesen sein. Völlig schnurz!
Nun ja, ich habe durch ihn so viel gelernt, dass mein Tierarzt mir Menschen schickt, deren Hunde Futteraggressionen zeigen und diese nicht mehr weiter wissen.
Ich muss ehrlich gestehen:
so einer wie Filou war noch nicht dabei!
Das ist der Unterschied zwischen Grenzen aufzeigen (mich angreifen wollen) und Tauschen (Lob für etwas bringen). Wobei ich heute nicht mehr tauschen muss und ich auch keine Angst mehr haben muss wenn ich mich bücke um etwas Essbares vom Boden aufzunehmen.
Es war ein langer weg und er bringt die Sachen auch nur mir, aber das reicht ja auch...
Klar ist er gestört, aber er ist handelbar geworden!
Kommen Kleinkinder zu Besuch liegt er entweder auf seinem Platz oder wenn es zu turbulent wird, dann geht er hoch ins Obergeschoss.
Im Auge habe ich ihn immer, alles andere wäre fahrlässig.
Im Restaurant liegt er so, dass garantiert keiner an ihn rankommt ohne an mir vorbei zu müssen und daher verstehe ich die Argumentation mancher HHs nicht:
wenn es dann aber doch mal soweit kommt und er dann beisst!...
Nein, bei mir kommt es nicht so weit und wenn ich nicht ständig schauen kann, dann muss er zuhause bleiben PUNKT.
Wenn man einen solchen Hund hat, dann hat man eine größere Verantworung seinen Mitmenschen gegenüber und etweder man ist bereit sie zu tragen, oder man muss sich von dem Hund trennen und ihn in Hände geben, die wissen wie man mit so einem Hund umgehen muss.
So einfach ist das für mich!
Liebe Grüße
Steffi
PS: die Tauschen in manchen Situationen super findet, aber dies nicht zwangsläufig als einzige Methode ansieht.
Mit meinen Welpen musste ich das nie machen, da ging das automatisch im Spiel.
Spielzeug weggenommen, geworfen und so weiter. Spielzeug weggenommen, angeschaut und wieder gegeben.
Bei Filou hätte mir die Hand gefehlt!