Man dreht sich hier im Kreis. Einig sind wir uns darin, dass Hunde Grenzen und Konsequenz brauchen. Wir sind und auch einig, dass man Hunde im 21. Jahrhundert nicht wie niedere Fußabtreter behandelt, denen man Verhaltensweisen mit aller Gewalt ausdreschen muss. Wir sind mittlerweile soweit zu erkennen, dass Hunde durchaus in der Lage sind über Vertrauen und mit Bestätigung mehr zu Lernen und zu verstehen, als mit roher Gewalt.
Wir sind uns auch einig, dass Hunde nicht so dumm sind wie die Krone der Schöpfung es immer gern hätte. Meiner Meinung nach können Hunde durchaus unterscheiden, das was sie gerade im Maul haben etwas ist, das vom Besitzer frei gegeben wurde und nun in ihrem Verständnis ihnen gehört, oder ob sie draußen etwas finden was der Besitzer von ihnen haben will. 2 Paar Schuhe, Hunde sind schlau genug es zu verstehen. Meine Hunde können es und ich denke ALLE Hunde im Forum können (bzw könnten) es. Ich lasse meine Hunde in Ruhe fressen, habe ihnen nie auch nur einmal einen Futternapf wieder weggenommen (und ja mir ist schon mal was rein gefallen während sie fraßen, etwas was ich normalerweise tunlichst vermeide. Aber ein "Warte" hilft da meistens und ich konnte vor deren Augen das Objekt entfernen und dann konnten sie weiter futtern.) und auch an Kauknochen gehe ich für gewöhnlich nicht mehr dran.
Ressourcenverteidigung bei einem so existentiellem wie Nahrung IST normal. Da kann sich der Mensch mit all seiner Übermacht auf den Kopf stellen. Wie man damit umgeht ist entscheident. Man kann dem Hund beibringen, dass es keinen Grund gibt zu Knurren, weil man an seinem Futter nicht interessiert ist (das ist der Weg des souveränen Führers) oder man kann ihm beibringen, dass er allen Grund zum Knurren hat, weil man ihm das Futter eh weg nimmt, egal wieviel Hund kommuniziert (das ist der Weg des unberechenbaren Führers). Was der Hund daraus macht, ist je nach Hund unterschiedlich. Der eine wird kleine Brötchen backen und sich denken "Nur schnell runter mit dem Zeug, hauptsache es wird mir nicht wieder weg genommen!", der nächste wird sich augenscheinlich nicht viel drauß machen und der nächste wird sich denken: "Pass mal auf du Schnösel! Beim nächsten Mal zeig ich dir deutlicher das ich das Futter für mich beanspruche!" und der Halter hat ihn in der Hand hängen.
Was genau ist davon erstrebenswert? Ein Hund der Stress hat bei der Futteraufnahme, weil er ja befürchten muss, dass ihm selbes wieder weg genommen wir? (ja, selbst wenn er es sofort wieder bekommt, es ist stressig andauernd beim Futtern gestört zu werden) Einen Hund der abstumpft und sich irgendwann sagt "Macht doch was ihr wollt!" (Warum gibt es zB Hunde die wenig fressen?). Oder einen Hund, der letztendlich gar nicht mehr warnt und gleich nach vorn geht und die Hand tackert die seinem Napf am nächsten ist?
Für mich sind alle 3 Wege nicht erstrebenswert. Ich möchte, das meine Hunde entspannt und in Ruhe fressen können. Ich erwarte von meinen Hunden einen Individualabstand wenn ich esse, also gestehe ich ihnen diesen auch zu. Was ich meinen Hunden gebe, gehört ihnen und ich gehe nicht mehr dran. Muss ich mal dran, weil irgendwas unvorhergesehenes passiert, gibt es bei uns ein Stopp-Signal und auch dann nehme ich das Futter nicht weg, sondern lasse es stehen und beseitige das Unvorhergesehene. Wenn meine Hunde fressen hat an ihrem Futterplatz niemand rumzulaufen. Eigene Kinder habe ich nicht, aber wenn Kinder da sind, bekommen meine Hunde ihr Futter trotzdem in Ruhe. Wenn dies nicht möglich ist, warten sie eben bis der Besuch weg ist. Ja, ich gehe Kompromisse ein, aber das tu ich für meine Freunde gerne. Immerhin haben sich beide Hunde das Leben bei mir nicht ausgesucht, sondern sind von mir in dieses Leben gesteckt worden und wie hätte ich da das Recht sie beim wichtigsten im Leben auch noch zu stören? Meine Rosie hat so gelernt, dass es vollkommen okay ist und sie keine Angst haben muss das ihr das Futter weggenommen wird. Sie war anfangs sehr nervös, hat sich sich versteift und ist in allen Bewegungen eingefroren. Hätte ich ihre Individualdistanz zu der Zeit nicht akzeptiert, wäre daraus sicher auch ein knurrendes Problem entstanden. Jetzt allerdings könnte ich in ihren Napf greifen, ohne das sie sich versteift oder gar einfriert. Schonmal einen Hund gesehen der drohend einfriert? Und Rosie war kein 10 Wochen alter Welpe sondern ein erwachsener Hund mit eingefahrenen Verhaltensweisen und hat trotzdem schnell dazu gelernt. 