Beiträge von Rowan

    Dornenrose

    Vielleicht wäre das ein Weg, dass ich mit meiner Freundin mal darüber rede, wie es ihr geht, wenn ihr Hund aufdreht, ob es ihr peinlich ist oder ob es sie riesig nervt, was auch immer, und dann zu überlegen, wie sie bei mir zuhause und wenn wir beide miteinander unterwegs sind, darauf reagieren könnte.

    Ich habe nämlich das Gefühl, meine Freundin geniert sich riesig für ihren Hund, wenn der wieder seinen Zirkus aufführt, weil sie glaubt, dass sie dann eine schlechte Hundehalterin und Hundeerzieherin ist und sich blamiert. Was Blödsinn ist, denn jeder macht Fehler mit seinem Hund und ein bißchen lautes Hundegebell bringt niemanden um. Sie scheint das aber sehr persönlich zu nehmen und reagiert deswegen so hart. Was bloß leider überhaupt nichts hilft. Ihr nicht und dem Hund nicht.

    Über Belohnung ein anderes Verhalten auftrainieren. Da Hunde personenbezogen lernen, geht das.

    Das habe ich bei mir zuhause gemacht. Wenn wir vom Spazierengehen zu mir nachhause gekommen sind, hat sie auch zu toben und zu bellen angefangen. Warum genau, habe ich noch nicht recht verstanden, denn es kommt ja da weder Herrchen noch sonstwer Fremder, und trotzdem wurde sie laut und sprang herum und rannte in die Küche "Gib mir mein Leckerlie". Ich habe es dann so gemacht, dass ich sie vom ersten Schritt durch die Tür an sofort gelobt habe, wenn sie kurz ruhig war, "ruhig" gesagt und gleichzeitig ein Leckerlie gegeben habe.

    Ich verstehe den Auslöser für das Getobe und Gebelle noch nicht ganz, denn es scheint nicht nur zu sein, dass Herrchen kommt oder ein Gast und sie mit Leckerlies belohnt. Beides war bei mir zuhause ja nicht der Fall.

    Dass Hunde personenbezogen lernen, finde ich faszinierend und sehe es immer wieder. Das Schwierige ist, dass ich manches ganz anders angehe als meine Freundin. Ich mag einen Hund weder mit Wasser ins Gesicht spritzen noch ihm die Schnauze zuhalten und schon gar nicht anschreien. Weil ich es selber hasse, angeschrieen zu werden. Ich bin beim Hund eigentlich immer leise. Klar, ich flüstere nicht, aber ich brülle ihm nicht nach oder schreie ihn an. Bringt ja nullkommanichts. Und ich merke, wie gut der Hund darauf reagiert. Wenn meine Freundin dann kommt und ihren Hund wieder anschreit, fühle ich mich irgendwie unwohl. Ich kann nichts dagegen machen, es ist ihr Hund, ich kann auch den Hund nicht auf meine Weise ansprechen, stehe nur daneben und wünschte, ich wäre woanders.

    Einstein51

    Da hast du wohl leider recht.

    Noch eine Ergänzung: wenn die Hündin bei sich zuhause ist und es kommen andere Leute zu Besuch, tobt sie genauso lautstark bellend herum. Also nicht nur, wenn ihr Herrchen nachhause kommt. Es ist keine Aggression, sie ist absolut friedlich, sondern sie hat einfach gelernt: wenn jemand kommt, werde ich laut und wild, dann kriege ich Leckerlies. Meistens. Oder Gebrüll vom Frauchen, wenn Gäste kommen. Wenn der Mann nachhause kommt, lässt meine Freundin es laufen und tut nichts.

    Meine fast sechsjährige "Tageshündin", die ich zwei Tage pro Woche bei mir zuhause betreue, ist von ihrem Herrchen darauf konditioniert worden, lautstark Krawall zu machen, herumzutoben und zu bellen, wenn er nachhause kommt. Er interpretiert dieses laute Bellen und Herumtoben als Freude, dass er kommt, und belohnt sie seit Jahren jedesmal mit Leckerlies dafür. Sie hat also gelernt: laut und wild sein, wenn jemand kommt, ist erwünscht.

    Meine Freundin versucht seit Jahren, dem Hund beizubringen, dass er das nicht machen soll, wenn sie kommt oder ihn z.B. bei mir in der Wohnung abholt. Normalerweise bringe ich ihr den Hund raus zum Auto, da freut er sich zwar, dass er sein Frauchen wiedersieht, aber weitaus gemäßigter als üblich. Wenn der Hund herumtobt und bellt, was er kann, wie neulich beim Abholen in der Wohnung, wird sie auch laut und schreit ihren Hund heftig und barsch an. Was natürlich nichts nützt. Dann schreien halt beide statt nur der Hund. Und sie reagiert darauf, dass sie dem Hund dann einfach die Schnauze zuhält. Dann kann er nicht mehr bellen und toben, weil er fixiert wird.

    Ich stehe immer ratlos daneben und weiß nicht, wie ich reagieren soll. Bei mir hat die Hündin schnell gelernt, dass sie fürs Nicht-Herumtoben und Nicht-Bellen Leckerlies bekommt, sie macht das bei mir nicht mehr. Aber ich habe halt auch keine Leute im Hintergrund, die das wieder zunichte machen wie zuhause das Herrchen. Meine Freundin hatte ihr ganzes Leben lang Hunde und geht normalerweise wirklich gut mit Hunden um. Aber dieses wilde Herumtoben und lautstarke Bellen kriegt sie nicht in den Griff (Stichwort Herrchen zuhause), das nervt sie, und sie wird laut, schreit den Hund an. Es ist einfach ein Stück Verzweiflung und endlose Genervtheit bei ihr - weniger über ihren Hund, sondern über ihren Mann, der nicht zuhört, wenn sie was sagt, und dem es egal ist, wie laut der Hund tobt und bellt. Es ist ja "Freude" über ihn.

    Ich verstehe einerseits die Überforderung meiner Freundin in dem Punkt, andererseits finde ich es aber ganz und gar nicht gut, wenn sie den Hund barsch anschreit (das hört sich sogar für mich als Mensch hart und barsch an, um wieviel mehr dann für den Hund) und ihm anschließend die Schnauze zuhält. Aber ich bin nur die 2-Tage-Betreuerin, es ist nicht mein Hund, und meine Freundin darauf anzusprechen führt nur dazu, dass sie sich angegriffen fühlt und nur noch frustrierter wird.

    Habt ihr einen Ratschlag für mich, wie man die Situation de-eskalieren könnte? Ich kann ja nichts an den häuslichen Gegebenheiten ändern. Und wie gesagt: der Hund kann ruhig sein, wenn wir (zu mir) heimkommen, er begreift es, dass es Leckerliles gibt, wenn er nicht herumtobt. Am Hund liegt es nicht.

    Vrania

    Du hast gar nicht richtig gelesen, was ich geschrieben habe, nicht wahr? Sondern willst nur deinen Standpunkt mit einem Junghund hier erörtern. Ist ok.

    Deshalb versuche ich jetzt nicht, nochmal klarzustellen, was ich geschrieben habe. Ist ohnehin egal. Du machst bei deinem Hund, was und wie du meinst, und ich mache es, so wie ich es sinnvoll und verantwortlich finde.

    flying-paws

    Ich mache auch gerade eine Frusterfahrung, kriege nämlich das Zitieren nicht hin. :woozy_face:

    Wie meinst du das, dass du beim Verbot nicht über Frust, sondern Strafe arbeitest, weil du das effektiver und stressfreier findest? Das kapiere ich nicht wirklich. Warum ist Strafe beim Verbot stressfreier? Ich bin nicht prinzipiell gegen Strafe, verstehe aber den Unterschied gerade nicht.

    Ich würde übrigens keineswegs alles beim Hund über Frusterfahrung üben und trainieren. Das hängt m.E. vom Hund, seinem Vertrauen, der jeweiligen Situation und dem Trainingsziel ab, und nicht zuletzt auch davon, was ich als Hundehalter glaubwürdig vermitteln kann und ausstrahle. Nicht alles ist für jeden sinnvoll und gut.

    Es hat z. B. keinen Sinn, weder bei der Leinenführigkeit noch bei sonstwas, die Trainings- und Erziehungsmethode von jemandem anderen zu kopieren, wenn es nicht das Meine ist. Der Hund schlägt ja nicht im grossen Handbuch für Hundeerziehung nach, welcher Experte dies und das empfiehlt, dem ist das schnurzpurzegal. Der schaut auf seinen Halter,dessen Körpersprache, Ausstrahlung, und hört dessen Tonfall, und wenn das nicht stimmig und authentisch ist, kann die Methode heissen, wie sie will. Es wird nicht funktionieren.

    Billieshep

    Danke!

    Billieshep

    Wenn der Hund dich interessieren würde, kann ich nur sagen, die Hundehilfe Mariechen ist grossartig, so tüddelig der Name aufs Erste auch klingt. :rolling_on_the_floor_laughing:

    Ich habe seit einigen Wochen Kontakt mit ihnen, wegen eines Hundes, und jedes Gespräch war bisher freundlich, unkompliziert, sehr ehrlich und transparent. Sie schauen sich die Leute, die einen ihrer Hunde nehmen möchten, sehr genau an, und zwar primär nicht mit Hilfe endlos langer Selbstauskünfte auf Papier, sondern in Form von Gesprächen, in denen sie den Leuten auf den Zahn fühlen. Ein paar schriftliche Selbstauskünfte dann noch, ja, aber eben nicht nur.

    Und sie kümmern sich um ihre Hunde. Schleusen sie nicht nur durch und weiter. Sind auch sehr offen und ehrlich bei der Hundebeschreibung, sie verschweigen da nichts.

    Ich kann die Hundehilfe Mariechen uneingeschränkt empfehlen!

    Und wie teilt man dem Hund nett mit, was man an der Leine von ihm haben möchte?

    Ich habe ihr freundlich mitgeteilt " Lockerlassen", und sie in dem Moment gelobt, in dem sie an der lockeren Leine stand oder ging. Was ist daran unfreundlich oder Rätselraten für drn Hund?

    Ich glaube nicht, dass es reiner Frust war. Beziehungsweise wenn, dann die Art von Frust, die ein Hund z. B. hat, wenn er etwas nicht gleich kriegt oder nicht das, was er gerade im Moment will. Ich habe ihr weder verbal noch nonverbal oder emotional vermittelt, dass ich unzufrieden mit ihr bin o.ä., sondern lediglich: wenn du das machst (Ziehen und in die Leine werfen), dann passiert das darauf: stehen bleiben. Die ersten Tage bekam sie auch ein Lob, wenn sie die Leine dann locker liess, "braves Mädchen" oder " fein gemacht!", aber nicht so halligallimässig, als hätte sie was Wunderbares gemacht, sondern einfach ein kurzes,erfreutes Lob.

    Ich wüsste nicht so recht, wie man einen Hund ganz ohne Frust erziehen soll. Wenn er meint, den Pudel von der anderen Wegseite beissen zu müssen, oder sich in Kacke zu wälzen, oder etwas Unaussprechliches fressen zu wollen, usw., dann verbietet nan ihmdas, was für ihn Frust ist, weil er nicht kriegt und nicht darf, was er will.

    Also ich glaube, ohne Frust funktioniert Hundeerziehung nicht. Aber ich lasse mich gern überzeugen und eines Besseren belehren. Du bist Hundetrainerin und hast sehr viel mehr Erfahrung als ich, insofern lerne ich gern von dir was dazu.

    Meine "Tageshündin" zog jahrelang wild an der Leine. Meine Freundin ist längere Zeit deswegen selber eskaliert, hat die Hündin angebrüllt, hart an der Leine geruckelt und gezogen, es war Stress pur für Hund und Halter. Der Trainer in ihrer Hundeschule hat ihr geraten, der Hündin Wasser ins Gesicht zu spritzen, wenn sie zieht. Wurde dann auch so gehandhabt. Mit keinem nachhaltigen Erfolg.

    Als ich zusagte, den Hund 2-3 Tage pro Woche tagsüber "from nine to five" zu nehmen, habe ich ehrlich gesagt, dass ich nicht mit der Wasserspritze Gassi gehe, weil das einfach nicht mein Ding ist. War für meine Freundin in Ordnung.

    Da ich aber absolut nicht bereit bin, mich von der Hündin (Retrievermischling) durch die Gegend ziehen zu lassen,habe ich was anderes gemacht, ruhig, unemotional, hartnäckig. Wenn die Hündin sich in die Leine schmiss und zog, was sie konnte, bin ich stehengeblieben und habe nur gesagt "Lockerlassen". Botschaft: wenn du weiter schnüffeln, weiter gehen und deine Hundedinge machen willst, muss die Leine locker bleiben. Kein Tadeln, kein Reden sonst, kein Ärgern. Nur stehenbleiben. Zwei, drei Tage lang war jedes Gassigehen Stop and Go. Ich dachte schon, wir kommen nie weiter als eine halbe kurze Parkrunde.

    Dann machte es klick im Kopf der Hündin. Sie begriff es. Wenn sie zieht, passiert gar nichts mehr. Wenn sie locker geht, darf sie in aller Ruhe Hundezeitung überall lesen, schnüffeln, alles begutachten, was immer. In der zweiten Woche waren wir nur noch ab und zu im Standby Modus. Inzwischen geht sie tadellos an der 3m Leine und zieht zu 95 % gar nicht mehr. Manchmal setzen ein paar Gehirnzellen noch aus und sie sprintet los, dann reicht es aber, wenn ich stehenbleibe, lockerlassen sage, und schon geht sie zwei Schritte zurück, die Leine ist wieder locker, und es geht weiter.

    Der Knackpunkt ist, man muss es ganz ruhig und emotionslos sagen, nicht schimpfen, nicht quasseln, nicht überschwänglich loben, sondern den Hund selber herausfinden lassen, wie das zusammenhängt. Und man muss hartnäckiger und konsequenter als der Hund sein. Ich wusste, dass ich zur Not bis ans Ende meiner Tage mit diesem Hund im stop-and-go Gassi gehe - und der Hund hat das offensichtlich gemerkt und entschieden, dass er der Klügere ist. :rolling_on_the_floor_laughing:

    (Sie muss an der Leine bleiben, weil sie einen sehr starken Jagdtrieb hat)