Wie seht ihr das, wenn dem Hund alles geboten wird, war er benötigt?
Wenn dem individuellen Hund alles geboten wird, was er benötigt, sehe ich da kein Problem. Aber wenn man im Tierschutz arbeitet, lernt man sehr schnell, dass die Vorstellungen von "allem, was der Hund benötigt" von Pflegern und Interessenten oft sehr weit auseinander klaffen. Nicht, weil die Interessenten per se schlechte Voraussetzungen für einen Hund hätten, sondern weil dieser Hund einfach was anderes braucht.
Deshalb meine ersten Fragen: Hast du dich auf konkrete Hunde beworben oder ganz allgemein bei Vereinen und Organisationen angefragt? Und für einen Hund, der vor Ort ist, oder für einen Hund aus dem Ausland?
Ich würde grundsätzlich empfehlen, allgemein zu fragen. Dann kann der Verein bzw. die Organisation einen Hund aussuchen, von dem sie meinen, dass er gut in dein Leben passt und mit deinen Voraussetzungen glücklich wird.
Denn ich bin ehrlich: Ich würde dir als Vermittlerin auch nur einen der (im Tierschutz leider eher rar gesähten) wirklich freundlichen, umweltsicheren und entspannten erwachsenen Hund ohne nennenswerte Baustellen vermitteln.
Mag sein, dass du auch andere Kaliber händeln könntest und z.B. mit nem leinepöbelnden 40-Kilo-Geschoss, das bei jeder Menschensichtung steil geht, oder mit einem super unsicheren Hund oder mit einer absoluten Jagdsau oder mit einem Hochleistungssportler wunderbar zurecht kommen würdest, ja. Das kann und will ich nicht beurteilen, weil mir da einfach die Erfahrung fehlt.
Aber eben weil ich es nicht beurteilen kann, würde ich da als Vermittlerin auch kein Risiko eingehen wollen. Die Vermittlung eines mir anvertrauten Hundes ist für mich nicht der richtige Moment für Experimente und "mal gucken, ob's klappt". Da muss ich mir möglichst sicher sein, dass es klappt, sonst vermittele ich nicht.
Ich vermute deshalb, dass vor allem das Nicht-Wissen und das damit einhergehende Nicht-einschätzen-können der Vermittler das Problem ist. Klar, du kannst ihnen erzählen, was Sache ist, aber im Tierschutz wirst du so regelmäßig von Interessenten belogen, dass sich die Balken biegen, dass ich nur noch das glaube, was ich auch mit eigenen Augen sehe. Die Erfahrung zeigt da einfach, dass blindes Vertrauen zu oft zulasten des Hundes geht.
Deshalb:
Falls du dich im Tierheim vor Ort umsehen möchtest, rufe doch mal an, frage nach einem passenden Hund und bitte um einen Termin zum Gassigehen, bei dem ein Pfleger dich begleitet. Dann sehen die Zuständigen vor Ort mit eigenen Augen, was du leisten kannst und welcher Hund zu dir passen könnte. Das baut sicher einige Hemmungen seitens der Vermittler ab.
Und falls du dich mehr für Auslandshunde interessierst:
Wenn du für einen Direktimport anfragst, wird ein seriöser Verein vermutlich per se sehr kritisch eingestellt sein. Einfach weil Direktimporte eine größtmögliche Flexibilität der zukünftigen Halter erfordern und ihnen das (eben wegen oben beschriebenem Nicht-Wissen und Nicht-einschätzen-können) zu unsicher sein wird.
Da wirst du dich wahrscheinlich mit wenig Erfolg dran abarbeiten.
Ich würde mich da an deiner Stelle mehr auf Pflegestellen konzentrieren. Da sind die Baustellen besser einzuschätzen, du kannst den Hund kennenlernen und die Pflegestelle lernt gleichzeitig dich kennen und sieht, ob das mit dem Hund klappt.
Natürlich wird es weiterhin Vereine oder Organisationen geben, die dich rundheraus ablehnen werden. Genauso wie sie z.B. Studenten, Menschen unter 25 und über 65, Vollzeitarbeitende, Menschen ohne Eigenheim und so weiter ablehnen. Einfach aus Prinzip.
Aber ich bin sicher, dass es da draußen auch genug Vereine oder Organisationen da gibt, die bereit sind, dir eine Chance zu geben und, wenn du das anbietest, sich die Zeit nehmen werden, um genauer hinzuschauen.