Als wir unser Mogeltier kennengelernt haben, wurde uns schon von der Pflegestelle gesagt, dass er sehr sensibel wäre und auf Verhaltensweisen des Halters direkt reagieren würde. Damit konnten wir erst einmal wenig anfangen. Nun wissen wir, was sie meinte.
Das Mogeltier orientiert sich - ausgerechnet - sehr stark an mir. Geht es mir nicht gut, habe ich Schmerzen oder fühle mich mies, ist mit ihm wenig anzufangen und er strahlt eine größere Unsicherheit aus (er ist ohnehin sehr ängstlich). Noch extremer ist es, wenn ich emotional aufgewühlt bin: Stress, Wut, Ärger. Regelmäßig auf Arbeit. Ich kann es auf dem Heimweg nicht einfach abstreifen wie eine Haut, so dass die Gassirunden mit dem Mogeltier direkt widerspiegeln, wie ich mich fühle. Bin ich entspannt, läuft er manierlich, schnüffelt, markiert. Bin ich aber gestresst und wütend, zieht er wie irre an der Leine und schaut nicht nach links und rechts und es stört ihn jedes Geräusch in der Umgebung. Wir als Halter reagieren aber wiederum direkt darauf, wie sich das Mogeltier gibt: Ist er entspannt, sind wir glücklich und strahlen das aus. Reagiert er ängstlich und verunsichert, können wir das nicht einfach ignorieren, was er wiederum übernimmt.
Dass sich das Mogeltier nun ausgerechnet mich als Hauptperson ausgesucht hat, war von ihm als Angsthund nicht gerade clever, ist aber sehr wahrscheinlich seiner Vorgeschichte (rumänischer Straßenhund, gut 1,5 Jahre im Shelter) geschuldet.
Kennt das jemand und kann uns Tipps geben, wie wir besser mit der Situation umgehen können? Ich bin eine saumäßig schlechte Schauspielerin und denke mir auch, dass kein Hund so blöd sein kann, vorgespielte Stimmungen für echt aufzufassen. Gibt es eine Möglichkeit, ihm zu "zeigen", dass Herrchen doch eigentlich viel besser für seine eigene Stabilität wäre?
