auch aus der Märkischen , allerdings von gestern:
Locktow
. Der Wolf zwingt Gerhard Kernchen in die Knie. Mehr als zehn tote Tiere hat der 68-Jährige in seinem Damwildgehege bei Locktow am Donnerstagmorgen vorgefunden – allesamt über die neun Hektar verteilt. „Die müssen hier richtig Bambule gemacht haben“, sagt Kernchen und zeigt auf die Spuren, die dort, wo noch Schnee liegt, zu sehen sind. „Ich höre definitiv auf“, sagt er resigniert. „Das ist eine Invasion, die kann man nicht mehr aufhalten.“
Schon bevor Gerhard Kernchen zu seinem alltäglichen Morgenrundgang aufbrechen will, hat ihn per Telefon ein Landwirt über die Situation vor Ort informiert, der mit seinem Traktor am Gehege vorbeigefahren ist. Kernchen habe dann umgehend den für die Region zuständigen Wolfsbeauftragten angerufen. Dieser ist am Nachmittag nach Locktow gekommen, um den Schaden zu begutachten.
Angriff am Donnerstag ist der zweite dieser Art
Er fährt das Gelände ab, notiert Größe und Gewicht der Tiere, macht Fotos. Außerdem dokumentiert er die Rissspuren. Seinen Namen will der Gutachter nicht nennen – er werde wegen seiner Tätigkeit von vielen Menschen angefeindet, erzählt er nur.
„Für mich ist das größte Unglück, dass alle weiblichen Tiere hochschwanger waren“, erzählt Gerhard Kernchen. Er besitzt das Gehege seit 1993. Der Angriff am Donnerstag ist der zweite dieser Art. Zuletzt hat ein Wolf im Februar 2016 fünf Tiere des Bestandes gerissen. Er hat sich damals durch ein flach gegrabenes Loch unter dem Zaun Zugang zum Gehege verschafft.