Beiträge von alsatian_00

    Ich schreibe meine Gedanken mal unabhängig von der Rasse:

    Was mir auffällt ist, dass der Hund eine extreme Freiheit geniesst.

    Es folgen keine Konsequenzen beim überschreiten der Grenzen, es wird sich nicht am Mensch orientiert und generell scheint es so, als hätte er im Welpenalter eine zu grosse Portion Freizügigkeit und Freiheit genossen dafür aber am Menschen eingebüsst. Drinnen bist du seine Attraktion wann immer er Lust hat, draussen bist du Luft.

    Das der Rückruf bei euch funktioniert, wenn der Hund gerade nichts spannendes um sich herum hat, ist klar. Es gibt ja auch keinen Interessenkonflikt.

    Beim nicht-beachten von Grenzen / Regeln braucht es aus meiner Sicht jemanden, der den längeren Atem / die längere Geduld hat. In diesem Fall scheint das für mich der Hund zu sein. Verboten ist verboten und wenn der Hund das nicht akzeptiert, folgen Konsequenzen bis er es kapiert hat. Damit ist keine Gewalt oder Brutalität gemeint, sondern souveräne Konsequenz und eine grosse Portion Geduld und Nerven deinerseits. Ich habe auch so einen Hund, der einen Sturkopf und einen Willen besitzt, das man da ohne VIEL Geduld und Nerven verzweifeln kann.

    Hat der Hund denn zu Hause einen festen Platz, ein Bett oder eine Matte, die er immer wieder aufsucht und als Ruheort nutzen kann? Auf den du ihn auch schicken kannst, wenn er dich nervt? Hast du den Verdacht der Hund hat unglaublich viel Stress?

    Ich würde mir einen Trainer suchen der mir zeigen kann, wie sich der Hund mehr an mir orientieren- und wie ich mich als Hundeführer für ihn attraktiver machen kann, damit all die Reize um uns herum eben nicht mehr diesen hohen Stellenwert haben wie es jetzt der Fall ist.

    War das bei euch auch so? Dass der Welpe einfach mal extrem aufdreht, durch die Wohnung flitzt, Beim Spielen auch mal doller zwickt?

    Ja.

    Ich weiss nicht wie ausgeprägt das bei Huskys ist, aber bei Schäferhunden sind es wahrlich keine biestige Raptoren. Die zwicken überall und ständig rein. Das der Welpe zwischendurch mal extrem aufdreht wie du oben beschreibst, ist auch normal. Hier spielt eher die Häufigkeit eine Rolle um die man sich dann Sorgen machen müsste. Auch überforderte oder übermüdete Welpen sind oft so.

    Sind Welpen da an sich sensibel oder kann es noch der Stress sein von der langen Fahrt und ohne Geschwister zu sein?

    Ich füttere kein BARF, kann mir aber vorstellen das es eher am Stress von der langen Fahrt liegt als an einer Unverträglichkeit. Wenn sie vorher mit TroFu gefüttert wurde kann es wirklich sein, dass die Umstellung auf BARF Durchfall auslösen kann. Ich würde das Tierärztlich abchecken lassen. Es könnten auch Parasiten sein, wenn sie immer wieder erbricht. Hast du schon TroFu des Züchters probiert?

    Sie reagiert weder auf Essen noch auf Spielis, wenn ich mit ihr einfache Kommandos üben will. Sitz kann sie, aber zB HIER ist irgendwie unmöglich, Weil sie null Bock hat, zu mir zu kommen. Wie kann ich sie da noch locken?

    Gar nicht. Der Hund braucht in den ersten Wochen keine Kommandos. Konzentriere dich lieber auf die Hausstandsregeln und die richtige Sozialisierung des Welpen.

    Und was wohl das ewige Thema bleiben könnte... sie genau geht ihr mit einem Welpen Gassi? Geschirr ist dran... achtet ihr schon darauf, dass die Welpen nicht ziehen oder halbwegs ordentlich laufen? Oder ist das dafür noch zu früh? Lasse ich sie einfach hin und her watscheln wie sie das mag?

    Ich nehme den Welpen hoch, trage ihn zu einer freien, sicheren Wiese und setze ihn da ab, dann darf er frei erkunden wie er mag. Falls der Welpe den Folgetrieb kennt, kannst du das auch gleich für den Rückruf nutzen. Kennt er den Folgetrieb nicht, würde ich sicherheitshalber eine Schleppleine am Geschirr befestigen.

    Nichts, was im späteren Leben auch nicht sein darf, ist mMn zu früh. Das hab ich aus den Fehlern bei meinem Welpen jedenfalls gelernt. :D

    Findest du, ich sehe das alles zu sehr aus der menschlichen Perspektive?

    Ja, ein klein wenig schon. Finde ich. Ich finde deine Gedanken sehr interessant, andererseits auch ein wenig leidend. Und ich finde das der Wunsch nach der höheren Stellung des Hundes durchaus die menschliche Perspektive ist. Die Hunde machen sich darum gar keine Gedanken. Die leben einfach.

    Sachlicher wäre es eher anzuerkennen, dass der Hund ein opportunistisches Tier ist, das man mit Menschen nicht gleichstellen kann und das viele Familienhunde unter dieser Philosophie der unermüdlichen Liebe leiden.

    Was Kaya sehr deutluch kommuniniziert, ist, wenn sie ein dringendes Lösebedürfnis hat.

    Dann fiepst sie, läuft zur Tür und die Rute geht recht schnell und erregt. Dabei schaut sie bewusst vom Türgriff zu mir und wieder zum Türgriff. Wie dringend es ist, lösst sich an der Heftigkeit der Rutenbewegung ablesen. Ich lass sie dann immer schnell raus. So kommunierzt sie es wirklich nur, wenn es darum geht, dass sie sich erleichtern muss.

    Echt?

    Hier wird einfach nix gemacht. Der wartet bis irgendeine höhere Macht mir eine gedankliche Botschaft schickt.

    Bei Durchfall sieht das aber anders aus, da kommt er wirklich sehr unruhig an und nimmt auch den Arm in den Fang. Ich merke es daran, das er wirklich anfängt Druck mit den Zähnen aufzubauen. Das ist seine Art von mich an die Hand nehmen und DRINGEND!!! raus müssen.

    Mein Hund ist da sehr direkt und sehr mitteilungsfreudig.

    Wenn er etwas möchte, schlurft er sich erstmal mit klackenden Pfotenkrallen wie ein alter Opa zu einem hin und bleibt mit gereckter Brust vor einem stehen. Meistens wedelt die Rute aufgeregt dabei und sein Blick ist weit aufgerissen nach dem Motto:"HALLO. HIER BIN ICH, WAS MACHST DU?" Völlig unabhängig davon was er überhaupt möchte.

    Das zieht er so lange durch bis man ihn ansieht. Bei dem fixierenden Schäferhund-Blick hält man das maximal eine Sekunde aus, denn ob du willst oder nicht, eure Blicke haben sich im nächsten Atemzug schon gekreuzt.

    Wird nicht darauf reagiert, fährt er das erste Geschütz auf und bellt in schrillem Ton, brummt vor sich her und wirft mit seiner peitschenden Rute fast das Glas vom Tisch. Das ist der erste Moment, wo man sich bewegen muss um das Glas in Sicherheit zu bringen. Nun hat er einen schon fast dazu gebracht aufzustehen.

    Nun packt er das gesamte Repertoire aus.

    Möchte er rausgehen, frei sein, die Welt erkunden, dann landen 40kg aus dem Stand auf einen drauf und die kalte Schnauze wird einem ins Gesicht gedrückt. Das wird mit grosszügigem Bellen und Brummen kommentiert. Alternativ öffnet er den Schuhschrank, fischt sich irgendeinen Schuh hervor und trägt ihn stolzen Trabes auf den Teppich, wo er sich hinsetzt und einen mit seinem fordernden Blick taxiert. In diesem kurzen Gedankenaustausch übermittelt der Schäferhund seinem Frauchen telepathisch, dass er JETZT den Schuh zerlegen wird wenn man JETZT nicht aufsteht und seinen Bedürfnissen nachkommt.

    Möchte er spielen, wendet er sich ungeschickt von einem ab, schmeisst dabei doch noch irgendetwas vom Tisch auf den Boden und schnappt sich seinen Zergelball, den er einem sehr penetrant solange ins Gesicht drückt bis man zumindest mit den Händen danach greifen muss um nicht zu ersticken oder Hundesabber im Gesicht zu bekommen.

    Doch so leicht lässt sich ein Schäferhund natürlich nicht abwimmeln. Denn wenn man nicht spielen möchte, wird der Zergelball wütend geschüttelt und fliegt dann in hohem Bogen direkt auf einen drauf. Das hat der Schäferhund mittlerweile perfekt im Griff. Nicht zu vergessen das herumliegende Kauholz welches nicht nur zum kauen da ist, sondern auch einen anderen Zweck erfüllt indem man das Kauholz demonstrativ in den Fang nimmt und es mit einer eleganten Kopfbewegung auf den Holzboden schleudert.

    So oder so ist spät. das der Moment, in dem man aufstehen muss, denn wenn die vorherigen Aktionen nicht reichen gibt es immer eine Aktion, die Frauchen dazu bringt ihren Arsch vom Sofa hochzukriegen: Man holt grosszügig Anlauf und donnert mit wütendem Gebrüll mit seinem gesamten Gewicht Richtung Sofa. Selbst Herrchen weicht diesem massiven Angriff der Kamikaze Ares, zum Teil ungeschickt, aus.

    Wenn er raus muss um zu pinkeln oder gross zu machen, dann liegt er da und wartet auf bessere Zeiten.