Beiträge von Vriff

    Ich bin ja auch in so einem, ich nenne es mal erweiterten Haushalt aufgewachsen, aber mit Straßenhunden hat das wenig gemein.

    Jeder kennt jeden Hund, die Hunde waren Standorttreu und erzogen. Läufige Hündinnen blieben drin. Kein Publikumsverkehr.

    Das ist cool, hätte ich auch gerne wieder. Wobei mein Großstadtfiffi hatte das auch in der Lightversion. Zu den Nachbarsgärten gab es Löcher und er war jederzeit überall willkommen. Aber weiter kam er dann aber nicht.

    Die Aktuelle genießt dieses Privileg nicht, weil Wachtrieb. Geht nicht, meine Nachbarn haben Besuch und mir ist das Risiko, dass sie das nicht geregelt kriegen zu groß.

    Aber dieses verklärte früher war das üblich angeht, nope. In meinem früher gab es bedeutend weniger Hunde. Begleithunde haben ein ähnliches Leben geführt wie heute, nur das sie häufiger zu Hause bleiben durften, wenn die Aktivität hundeuntauglich war. Dann gab es Hofhunde, wenn die nicht Hoftreu waren kamen sie an die Kette. Arbeitshunde lebten im Zwinger und kamen stundenweise unter Aufsicht raus oder eben zum arbeiten.

    Liebeskranke Rüden an der Haustür läufiger Hündinnen kamen vor, wurden eingesammelt und danach zeitweise gesichert :ka: mehr als zweimal pro Läufigkeit hatte man eigentlich nie den selben Hund im Garten streunen. Wenn überhaupt, ich kann mich da nicht an Riesenprobleme erinnern.

    UPS Würfe waren sehr selten und wirklich dumm gelaufen. Die üblichen Mischlinge, gewollt. Genauso wie heute, nur das sie damals noch billig waren und keinen exotischen Namen trugen.

    Erfahrungsgemäß geht Jäger am angefahrenen Reh schneller. Der darf aber eben kein Schaf.

    Dürfte im Krankheitsfall der Schlachter (bzw eine Person die schlachten darf, gibt es hier in der Gegend in der es noch viel Hausschlachtungen gibt wahrscheinlich häufiger wie einen Tierarzt) auch das Schaf töten, oder dürfen die nur ran, wenn das Tier noch gesund ist?

    Läuft dann unter Hausschlachtung und ist ein ganz großer Graubereich über den man nicht spricht.

    dem großteil der straßenhunde passiert dort nichts schlimmes

    Mal die Lebenserwartung betrachtet und die Optik. Wenn man Wildtier vs. Straßenhund oder auch gerne Straßenkatze in Deutschland vergleicht sieht man doch sehr schnell, dass dieses Leben nicht gesund und schön ist. Untergewichtig, verletzt, verfilzt, aber Dank Müll und Misstrauen vegetieren sie eben doch länger als es ihnen zu wünschen wäre.

    Sonst würden sie sich nicht so stark vermehren

    Hohe Reproduktionsrate, keine natürlichen Feinde. In diesem künstlichem Umfeld entsteht ein ganz schräges Milieu und hat überhaupt Nichts mit Natur und all ihren evolutionären Anpassungen zu tun.

    Außerdem sind viele Straßentiere ausgesetzt und direkte Nachkommen dieser Ausgesetzten. So richtig echte stabile Populationen an Straßentieren gibt es kaum. Da ist leider niemand so richtig auf dieses Leben angepasst.

    Okay möchtet ihr mir sagen, dass ich die ganze Junghundeausbildung knicken soll und alles wird automatisch gut!? :ugly:

    Anders fokussieren.

    Hier lebt ja nicht nur ein normaler Junghund, sondern extrem misstrauischer Kanntenix mit Tendenz zum Angsthund. Zwischendurch habe ich es geschafft, dass sie keine Kekse mehr von mir genommen hat, weil wenn ich belohne muss es schlimm sein. Ganz tolle Fehlverknüpfung. Genauso wie der Klassiker, ich mache Bohei, muss schlimm sein.

    Geholfen hat sich von sicherer Insel zu sicherer Insel bewegen und Dinge von denen ich wusste sie machen ihr Angst meiden. Hat sich tatsächlich größtenteils in Wohlgefallen aufgelöst, weil die sicheren Inseln größer wurden. Und inzwischen hat sie zwar noch situativ Angst, aber so im Alltag ganz normaler Hund. Achtung, da steht nicht niemals die Komfortzone verlassen. Nur Fokuswechsel zu Spaß und wir schaffen das. Mutiger werden gab es dann nebenbei geschenkt. Blöd nur das mit jeder Stufe Normalität auch die nächste Stufe ganz normaler Junghundewahnsinn kam. Gefühlt haben wir alles doppelt erarbeitet. Es gab Momente in denen ich verstanden habe, warum Menschen Hunde die ihnen unsicher am Rockzipfel kleben gut finden :mute:

    Natürlich werden auch Nutztiere eingeschläfert. Das Fiese an Blauzungenkrankheit ist, die Verläufe sind unberechenbar und dramatisch. Nur weil ein Tier akut Atemnot hat, heißt das nicht, dass es nicht wieder gesund wird. Genausowenig wie ein augenscheinlich fittes Tier am nächsten Morgen tot im Stall liegt.

    Was definitiv ein Problem ist, im Jetztnotfall gibt es keinen Tierarzt. Wir sind in der außergewöhnlich glücklichen Lage zwei Großtierärzte zu haben. Damit sind wir aber echt Exoten. Einer lebt sogar in der Nachbarschaft. Notdienst, außer eben der unter der Hand Nachbarschaftsbonus, gibt es nicht. Da überlegt man sehr genau, wann man den nutzen darf. Dauer bis ein Tierarzt im Stall ist für gewöhnlich, min. 1 Stunde. Dauer bis zur nächsten Tierklinik die Großtiere behandelt Brutto 2 Stunden. Dauer bis Ankunft Schlachter 1 1\2 Stunden, der kommt aber auch nicht Nachts. In der Zeit ist so ein Schaf erstickt. Das ist schlimm, und auch wenn sie zum Verzehr vorgesehen sind, niemand will das so irgendeinem Tier zumuten oder erleben.

    Erfahrungsgemäß geht Jäger am angefahrenen Reh schneller. Der darf aber eben kein Schaf.