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Halsband oder Geschirr...

  • ... Pro und Contra – eine Entscheidungshilfe für den Hundehalter:



    Zu Anfang einer jeden Mensch-Hund-Beziehung stellt sich dem (Neu-)Hundehalter eine wichtige Frage: Welche Halsung ist für meinen Hund die richtige? Hat der HH schließlich eine Wahl getroffen, sieht er sich auf Spaziergängen und auf dem Hundeplatz ob seiner Entscheidung immer wieder kritisiert. „Was soll den das Geschirr an dem Hund? Sieht ja furchtbar aus.“, „Auf unserem Platz wird der Hund nur am Halsband oder an der Kette geführt. Sonst lernt er nichts.“ oder „Mit dem Halsband erwürgt sich Ihr Hund ja.“, „Der kann Ihnen da aber ganz schnell rausrutschen.“ Dies sind gängige Sätze, die sich HH häufig anhören muss.


    Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Frage „Halsband oder Brustgeschirr“ in den letzten Jahren nachgerade zum Politikum mutiert ist.


    Ein objektiver Blick auf die (u. a. gesundheitlichen) Vor- und Nachteile der jeweiligen Halsung soll dazu beitragen, die Entscheidung leichter zu machen.



    Brustgeschirr



    Vorteile des Brustgeschirrs:


    - Durch das Tragen eines gut sitzenden Brustgeschirrs (BG) entfällt der Druck auf Kehlkopf und Luftröhre. Der Druckpunkt verteilt sich beim BG über den Brustkorb des Hundes. Des Weiteren wird die Halswirbelsäule (HWS) entlastet. Es liegen Ergebnisse klinischer Studien vor, die nachweisen, dass Verspannungen der HWS beim Hund zu denselben Symptomen führen können wie beim Menschen, also zu Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen sowie Schmerzen in der HWS etc. Hunde können uns über ihre Schmerzen keine Auskunft geben - zumindest nicht mit Worten. Nachgewiesen ist jedoch auch, dass Schmerz - und natürlich ganz besonders Dauerschmerz - u.a. zu aggressivem Verhalten führen kann.
    Speziell bei Hunden mit Gelenks- und/oder Wirbelsäulenproblemen (HD, Spondylose etc.) oder bei Hunden mit langer Wirbelsäule (Dackel, Bassett usw.) sollte die Wirbelsäule entlastet werden.


    - BGs wie z. B. die Geschirre von TOGETHER (Abb.1) oder die Julius K9-Geschirre (Abb.2) bieten durch den Rückensteg bzw. den Sattel mit Halteschlaufe eine erhöhte Verkehrssicherheit, wenn der Hund einmal rasch festgehalten werden muss. Dabei kann es weder zu Verletzungen an der Hand des Hundeführers kommen, wie es beim Halsband der Fall ist, wenn der Hund sich winden sollte. Zudem ist das Gehaltenwerden am Rückensteg bzw. Sattel deutlich angenehmer. Es wird kein Druck auf die empfindliche Halspartie ausgeübt.
    Sollte der Hund z. B. an einem Flussufer abrutschen, kann er sicher am Rückensteg aus der Gefahrenzone gehoben werden, ohne ihn dabei zu würgen und so noch zusätzlich zu ängstigen.



    Abb.1



    Abb.2


    - Angsthunde sind mit dem BG deutlich besser gesichert, da sie sich aus diesem nicht so schnell befreien können. Doch auch unter Hunden gibt es die berühmten „Houdinis“. In diesen Fällen ist es bis zur erfolgreichen Therapie angebracht, den Hund zusätzlich zum Brustgeschirr mit einem Halsband zu sichern und entsprechend an zwei Leinen zu führen.



    Nachteile des Brustgeschirrs:


    - Einige Halter von Hunden mit langem Fell berichten über das Abbrechen der Haare, wenn der Hund ein Geschirr trägt. Dem kann in den meisten Fällen schon dadurch begegnet werden, dass der Hund das Geschirr nicht über viele Stunden trägt, sondern lediglich zu den Spaziergängen. Auch auf das Material, aus dem das BG gefertigt ist, sollte geachtet werden.


    - Ein amputierter Vorderlauf kann einen Grund dafür darstellen, den Hund nicht am BG zu führen. Es gibt allerdings das Dreibein-Geschirr von Camiro (Abb.3), das über einen zweiten Bauchgurt verfügt und gut angepasst werden kann. In seltenen Fällen – je nach Körperbau des Hundes – kann es jedoch vorteilhafter sein, ihn am Halsband zu führen.



    Abb.3


    - Chronische Hauterkrankungen oder aktuelle Verletzungen im Bereich der Auflagestellen sind ebenfalls ein Ausschlusskriterium für die Verwendung eines Geschirrs.


    - Beim Spiel unter Hunden besteht eine geringfügig höhere Verletzungsgefahr dadurch, dass der Spielpartner während des Balgens z. B. mit einer Pfote unter eines der Bänder rutschen und sich verhaken kann.


    - Schließlich sollte man beachten, dass Hunde, die ständig unter Zug im Geschirr laufen, dazu neigen können, den Rücken aufzuwölben. Dies kann zu Schäden der Wirbelsäule führen.



    Die Auswahl des richtigen Geschirrs:


    - Es sollte ein leichtes, anschmiegsames Material gewählt werden, das auch der Waschmaschine standhält. Zudem ist auf die Nähte zu achten. Weder Material noch Nähte sollten am Körper des Hundes scheuern. Geschirre von schlechter Qualität werden nach mehreren Waschgängen hart, die Nähte scharf. Aus diesem Grund ist „Billigware“ meist abzulehnen.
    Gepolsterte Geschirre haben – je nach Material - den Nachteil, dass sie sich bei Regen vollsaugen.


    - Die Verschlüsse sollten gerundet sein, damit sich das BG der Körperform des Hundes optimal anpassen kann.


    - Vorteilhaft sind bei BG solche, die beidseitig zu öffnen sind. So genannte „Step-in“-Geschirre, in die der Hund mit einer oder beiden Pfoten einsteigen muss, sind für viele Hunde unangenehm beim Anlegen.


    - Bei einem wie oben dargestellt geschnittenen BG muss der Rückensteg fest vernäht sein, da er sonst während des Laufens hin und her rutscht.


    - Zudem sollte das Geschirr nach allen Richtungen verstellbar sein, um eine optimale Körperanpassung zu gewährleisten. Beim Welpen sollte zwischen Bauchgurt und Achselhöhle 2-3 Finger breit Platz sein, beim erwachsenen Hund eine Handbreite. Der Metallring am Brustkorb darf nicht auf dem Brustknochen aufliegen. Bei linearen Typen (z.B. Windhunde, Schnauzer etc.) sollte er über dem Brustknochen, allerdings nicht zu hoch am Hals liegen), bei lateralen Typen (Molosser etc.) unterhalb des Brustknochens.


    - Geschirre mit Quergurt über der Brust sollten durch Klettverschlüsse optimal anzupassen sein (siehe K9).



    Halsband



    Vorteile des Halsbands:


    - Ein Vorteil von Halsbändern (HB) liegt in der Handhabung für den Halter. Es ist leicht überzustreifen oder umzulegen und kann im Regelfall 24 Std. getragen werden. Nur wenige Hunde reagieren bei einem gut sitzenden, also nicht zu eng anliegenden, Halsband mit Haarbruch und dergleichen.


    - Gerade bei Hunden, die gerne schwimmen, ist ein Halsband eine gute Lösung, weil es sich deutlich schneller abnehmen und nach dem Bad wieder anlegen lässt.


    - Unter Umständen kann man auch die Optik als einen Vorteil des Halsbandes bezeichnen. Z.B. bei Windhunden, die gerne mit speziellen Windhundhalsbändern geführt werden. Der Vorteil dieser Halsbänder ergibt sich jedoch allein schon durch ihre Breite und den im Regelfall guten Tragekomfort.



    Abb.4



    Nachteile von Halsbändern:


    - Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass sich bei Hunden, die massiv am HB ziehen, kurzfristig stark der intraokuläre Druck (Augeninnendruck) erhöht. Besonders gefährlich ist dies für Hunde, die aufgrund ihrer Rasse oder Anatomie zum Glaukom neigen.


    Quelle: Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): Effects of the Application of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs. In: Journal of the American Animal Hospital Association 42:207-211 (2006)


    - Weitere Nachteile ergeben sich aus den o. g. Punkten die für das BG sprechen



    Die Auswahl des richtigen Halsbandes:


    Es spricht nichts dagegen, einen absolut leinenführigen Hund am HB zu führen – wenn man von Notsituationen, die immer eintreten können, einmal absieht.
    In diesem Fall ist jedoch zum Wohl des Hundes darauf zu achten, dass das Halsband aus einem weichen Material besteht (Stoff oder Leder) und breiter ist als die Breite eines Halswirbels des Hundes, um HWS-Schäden vorzubeugen.


    Ketten, rundgenähte Lederhalsbänder, Moxon-/Retriever-Leinen u.ä. bergen eine deutlich höhere Verletzungsgefahr.





    Zum Weiterlesen:
    Anders Hallgren: „Rückenprobleme beim Hund“, animal learn Verlag


    Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): “Effects of the Application of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs” In: Journal of the American Animal Hospital Association 42:207-211 (2006)



    Bildmaterial:
    Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung


    Abb.1: Brustgeschirr TOGETHER
    Abb.2: Brustgeschirr Julius K9
    Abb.3: Dreibeingeschirr Camiro
    Abb.4: Windhundhalsband aus der Kollektion Michaela Koch





    Vielen Dank an cazcarra für das Erstellen dieses Beitrags!

    ... sonst ist's kein Huhn.

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