Bellen bei Geräuschen, Klingeln, Stimmen ...

  • Hallo ihr Lieben,

    ich möchte keine großen Vorreden halten, da die Beschreibung des Problems allein viel Lesestoff bietet, deshalb steig ich direkt ein ;) . Kira ist 7 Jahre alt und lebt seit mittlerweile knapp 4 Jahren bei meinen Eltern nachdem wir sie aus dem Tierheim geholt haben. Über ihre Vorgeschichte und die Rasse ist leider nichts sicheres bekannt, vermutlich ist sie ein Hovawart-Mischling, sie sieht jedenfalls aus wie ein kleinerer, schlankerer Hovawart mit etwas längerem Fang. Wie auch immer, bei meinem letzten Besuch hörte ich den Ausruf "Sie wäre die allerbeste Hündin der Welt wenn das mit dem Bellen nicht wäre." mehrmals und habe beschlossen euch um Rat zu fragen.

    Zuerst sollte ich zu den Rahmenbedingen etwas sagen: Meine Eltern wohnen in einer Reihenhaussiedlung, die direkte Umgebung ist dementsprechend relativ belebt und zu allem Überfluss ist die Front des Hauses zu einem großen Teil aus Glastüren, sodass der Hund den Weg der zu den einzelnen Häusern bzw. direkt aufs Grundstück führt jederzeit voll im Blick hat. Kira bellt bei folgenden Gelegenheiten:
    - Türklingeln und Klopfen
    - Stimmen und Geräusche die sie nicht sehen kann
    - Autogeräusche, insbesondere zuschlagende Türen, je näher desto schlimmer
    - Personen die im Umkreis von ca. 50m um das Haus unterwegs sind, je näher desto schlimmer (hier sei zu sagen dass sie bei Leuten die einfach vorbeigehen offensichtlich bestimmte Vorlieben hat, bei manchen bellt sie und bei manchen nicht, eine nachvollziehbare Regel ist dabei nicht erkennbar, auch wenn es sich um ein und dieselbe Person handelt)
    - großer Aufregung im Haus, d.h. jemand ruft plötzlich irgendetwas laut aus oder rennt die Treppe schnell hoch oder runter
    - das Verhalten ist sowohl im Haus als auch im Garten zu beobachten, wobei sie im Garten teilweise entspannter ist und nur bei wirklich nahen "Bedrohungen" wirklich bellt, wobei die Autotüren wirklich immer ziehen

    Bemerkenswert ist, dass sie solange bellt, wie der unbekannte Mensch (vermeintlich) auf dem Weg ins Hausinnere ist. Sobald die Tür offen und die Person identifiziert ist (wobei hier ausnahmslos jeder euphorisch begrüßt wird, egal ob sie denjenigen schon einmal gesehen hat oder nicht) ist nach freudiger Begrüßung Ruhe. Einen schon einmal kurz beschnupperten Menschen hat sie innerhalb des Hauses oder Gartens soweit ich weiß noch nie angebellt. Die ortsansässige Hundetrainerin hat nach gefühlten 20 verschiedenen Methoden aufgegeben mit den Worten, dass manche Hunde "einfach zum bellen geboren" seien (hierzu lasse ich mich an dieser Stelle mal nicht aus). Die ganzen Verschiedenen Versuche haben meiner Einschätzung nach die Hündin eher weiter verunsichert und das Verhalten vor allem gefestigt. Meine Eltern haben dass auch mehr oder weniger akzeptiert und nun ist die einzige Maßnahme, dass der Hund des Raumes verwiesen wird, sich auf seiner Decke im Flur (von dem aus sie nach draußen nichts sieht) niederlässt und je nach "Bedrohungsgrad" dort noch eine Weile weiterbellt oder sich mürrig auf der Decke niederlässt und leise knurrend schmollt. Beim Türklingeln ist sie wie gesagt überhaupt nicht zu stoppen bis der Gast eingetreten ist.

    So, wer bis hierhin gelesen hat, hat schonmal meinen Dank, jetzt hoffe ich noch auf ein paar Einschätzungen :-)
    Ich will noch deutlich machen dass ich keine Pauschallösungen erwarte, vor allem hoffe ich auf Einschätzungen für die genauen Beweggründe des Hundes und Erklärungen für das Verhalten. Sollte natürlich jemand den heimlichen Seelenverwandten unserer Kira schon gezähmt haben bin ich über konkrete Tipps auch erfreut :P

  • Zitat

    dass manche Hunde "einfach zum bellen geboren" seien

    Wenn Kira tatsächlich vor alem ein Hovawart ist, hat die Trainerin nicht ganz unrecht. Diese Rasse ist als Hofhund gezüchtet und hat deshalb ein sehr ausgeprägte Territorialverhalten. Sie glaubt also die Aufgabe zu haben, Haus und Wohnung zu beschützen und Ihr könnt von Glück sagen, dass sie dabei so freundlich bleibt. Das heißt, es ist definitiv keine Unart, sondern nicht das ideale Zuhause für diesen Hund.

    Was also tun? Ich denke, Ihr werdet Kiras Arbeitseifer umlenken müssen. Zum einen, indem das Anschlagen bestätigt wird, weil es ja richtig ist. Hund wird belohnt dafür. Zum anderen indem sie gezeigt bekommt, dass Ihr Euch selber kümmert. Das Könnte sein, Hund wird in seine Schlafecke geschickt und Mensch geht an die Tür. Da reicht die Zimmertür. Vielleicht fällt es Kira leichter, wenn sie was hört, Euch ein Lieblingspielzeug zu bringen, statt sich ab zu legen.

    Das Verhalten ist tatsächlich genetisch verankert und deshalb sicher schwer zu ersetzen. Ich bin gespannt, was noch für Ansichten dazu kommen. Loki hat auch territoriales Verhalten, wenngleich weniger heftig. Bisher beschäftigen mich jedoch die wichtigeren Baustellen.

  • danke für eure Antworten!

    Der Vorschlag sie auf die Decke zu schicken und aus der Tür zu schauen wurde auch als erstes von der Hundetrainerin gebracht, nur leider führt das nur zu noch größerer Aufregung und es ist schwer sie überhaupt auf der Decke zu halten, sie hat einen unbändigen drang selbst nachzuschauen und glaubt auch keinem dass alles okay ist bevor sie es selbst gesehen hat. Als wir Kira aus dem Tierheim holten wussten wir leider nicht, dass sie wahrscheinlich ein hovawart-mix ist (das hat uns erst der Tierarzt später gesagt), dort wurde uns gesagt sie sei ein Labrador-Mischling. Uns ist durchaus bewusst, dass Hovawart zum Bewachen neigen aber wir haben es eben nicht übers Herz gebracht sie nach dieser Erkenntnis wieder abzugeben :( Ich denke auch nicht dass man verlangen kann, das Bellen vollständig abzustellen, aber zumindest eine Linderung wäre schön.

    Die Augen sind soweit ich das beurteilen kann okay, beim Spielen und anderen Aktivitäten mit anderen Hunden zeigt sie in dem Bereich absolut keine Anzeichen und sie erkennt einen auf offener Straße auch schnell. Ich denke dass sie auch uns spät erkennt, wenn wir zum Haus kommen und sie drinnen ist liegt eher an ihrer Aufregung bzw. sie erwartet eben nichts gutes.

    Dass sie nur bellt wenn sie etwas hört und nicht sieht kann man so nicht sagen, sie bellt ja auch wenn sie etwas sieht und nichtmal hört :P Ich würde sagen sie hat von Anfang an gebellt, es wurde aber schlimmer je mehr sie sich in ihrem neuen Zuhause eingelebt hat und es als ihr Revier betrachtet hat, am Anfang war sie sehr unsicher und hatte Angst vor allem und hat sich eher versteckt statt zu bellen. Wir vermuten nach ihrem anfänglichen Verhalten dass sie in ihren ersten Lebensjahren nur sehr wenig von der Welt gesehen hat und das meistens keine guten Erfahrungen waren :(

    Freue mich auf weitere Antworten :)

  • Zitat

    Uns ist durchaus bewusst, dass Hovawart zum Bewachen neigen aber wir haben es eben nicht übers Herz gebracht sie nach dieser Erkenntnis wieder abzugeben :(


    Kann ich gut verstehen,mir ging das ebenso. Ich hab Loki als Schnauzermix aus dem TH geholt und dann stellte sich raus, dass es ein Fast-Podengo, also Kaninchenjäger, ist...
    Und immer, wenn ich noch einen Hund hier habe, fängt der dann noch an, mit Loki im Chor zu kläffen! :o(

    Zitat

    es wurde aber schlimmer je mehr sie sich in ihrem neuen Zuhause eingelebt hat und es als ihr Revier betrachtet hat,

    Das ist scheinbar typisch TH-Hund.
    Ich glaub es gibt ein spezielles Hovawart-Forum. Vielleicht erfährst Du da mehr? Die müssen das ja alle irgendwie managen..

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