ANZEIGE

Wie viel Wolf steckt noch im Hund?

Die Instinkte von Wolf und Hund

Für Wölfe hat das Überleben Priorität. Das betrifft die Nahrungsaufnahme, die Sicherung des Lebensraumes, das Erzeugen von Nachwuchs und der Schutz des Rudels. Die ausgeprägtesten Instinkte betreffen folglich das Jagen, das Territorialverhalten, die Paarung, das soziale Gefüge des Rudels und die Anleitung des Nachwuchses.


Diese Urinstinkte sind auch in Ihrem Hund noch veranlagt. Durch Selektionszucht und das Leben in menschlicher Gesellschaft sind jedoch einige nur noch latent, andere dafür je nach Rasse verstärkt ausgeprägt. Das kann den Jagdtrieb betreffen, aber auch den Schutztrieb, die Verteidigung des Territoriums oder das Hüten. Bei anderen Hunden wird mehr Wert auf ein unkompliziertes Verhalten im häuslichen Zusammenleben gelegt.

Anpassung natürlicher Veranlagungen

Hunde in menschlicher Obhut müssen sich um die Nahrungsbeschaffung kaum Gedanken machen. Trotzdem sind viele Vierbeiner mit Begeisterung dabei, wenn es darum geht, etwas für ihr Futter zu tun, es spielerisch durch Nasenarbeit oder Apportieren zu erlangen. Daran ist ersichtlich, dass Hunde Ihr wölfisches Erbe nicht völlig abgelegt haben, sondern es zusammen mit ihren Menschen anders ausleben.


Änderungen zeigen sich auch organisch: Hunde sind in der Lage, andere Nahrungsmittel zu verdauen, als Wölfe dies können, darunter pflanzliche Stoffe und Stärke. Die Anforderungen an die Ernährung sind anders. Damit haben sich im Laufe der Zeit aber auch zahlreiche Probleme wie Allergien und Unverträglichkeiten eingeschlichen. Es ist daher sinnvoll, darauf zu achten, was der individuelle Hund benötigt und was er vielleicht schlechter verwerten kann. Einige Halter lösen dies durch Barfen, andere greifen auf ein Fertigfutter in optimaler Zusammensetzung zurück.

Kommunikation und Sozialverhalten

Die Anlagen der körperlichen, mimischen und sinnorientierten Kommunikation haben Hunde von Wölfen geerbt. Das betrifft ebenso ihre Anpassungsfähigkeit und ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Das Verständnis von Sozialverhalten ist allerdings menschlicherseits ein völlig anderes als das ursprünglich Wölfische: Bei Wölfen bezieht es sich auf den engen Zusammenhalt im Rudel, dem Familienverband. Wer nicht dazugehört und die eigene Sicherheit gefährdet, wird verjagt oder getötet.


Sie bevorzugen vermutlich ein harmonisches Zusammenleben mit Ihrem Hund. Ihr Schützling soll ein freundliches Wesen zeigen und nicht jeden fremden Menschen oder Hund verbellen oder verbeißen. Das dürfte zumindest für Familienhunde zutreffen - bei einigen Gebrauchshunden liegen die Prioritäten selbstverständlich anders.


Diese Art des Sozialverhaltens nach menschlicher Auffassung wird bereits jungen Hunden antrainiert. Darunter leidet bisweilen die natürliche Kommunikation, denn Ihr Hund soll sich so benehmen, wie Sie es von ihm erwarten. Es wird daher gerne unterbunden, wenn ein Hund die Lefzen hochzieht oder anderweitig Ablehnung zeigt. Die Leine ist ein weiteres einschränkendes Mittel und letztendlich erschweren hängende Ohren, langes Fell, kurze Schnauze und andere körperliche Merkmale die Kommunikationsmöglichkeiten.


Zu einem ausgeprägten Sozialverhalten unter Hunden im ursprünglichen Sinne zählt weiterhin die Wahrung einer persönlichen Distanz. Hunde wissen über Sinneswahrnehmungen wie Gerüche, mit wem sie es zu tun haben, auch ohne den Artgenossen zu sehen, und tauschen sogar Botschaften über Gerüche aus. Das erfolgt über das Markieren in verschiedenen Varianten wie Urinieren oder Scharren mit den Pfoten. Eine derartige geruchliche Vielfalt, wie sie Haushunde kennen und auf engem Raum verbreiten, wäre für Wölfe undenkbar. Sie markieren ihr Revier sowie dessen Grenzen und ein fremder Wolf meidet dieses Gebiet tunlichst - andernfalls würde er sein Leben riskieren.


Ebenso zeigen Wölfe eine natürliche Scheu gegenüber allem Fremden. Konfrontationen und Konfliktpotenzial werden gemieden, wann immer es geht. Von Hunden wird dagegen ein offenes Wesen erwartet. Sie sollen aufgeschlossen an der Seite ihres Menschen durchs Leben gehen und ihm in unsicheren Situationen vertrauen. Ein anderes Verhalten wird oft als problematisch angesehen.


Es gibt es also wesentliche Unterschiede zwischen Hunden und Wölfen, weshalb es nicht immer zweckerfüllend ist, wölfische Verhaltensweisen zum Verständnis sowie zu Ausbildung, Haltung und Erziehung von Hunden heranzuziehen. Insbesondere bei Wolfhunden, die in Wesen und Verhalten noch näher am Wolf sind als andere Haushunde, sind die unverfälschten Instinkte und Wesenszüge oft noch recht ausgeprägt.

Kooperationsbereitschaft und kognitive Fähigkeiten

Im Österreichischen Wolfsforschungszentrum WSC wurden bisher verschiedene vergleichende Untersuchungen an Hunden und Wölfen durchgeführt. Dabei hat sich klar gezeigt, dass Hunde sich eng an den Menschen als sozialen Partner anschließen und sich stärker an ihm orientieren. Wölfe hingegen erkennen sich bevorzugt untereinander als Sozialpartner an und verlassen sich eher auf ihre eigenen Fähigkeiten. Im Vergleich zu Hunden sind sie in der Lage, auch komplexere Aufgaben ohne menschliche Anleitung eigenständig zu lösen und arbeiten zu diesem Zweck bei Bedarf im Team. Hunde sind wiederum eher bereit als Wölfe, menschliche Anweisungen zu befolgen.


Somit steckt zwar in jedem Hund noch ein bisschen Wolf, aber Sie dürfen ihn als das ansehen, was er ist: Ihr treuer Begleiter, ein Familienmitglied sowie ein in menschlicher Gesellschaft kooperatives Wesen, das sich dem Sozialpartner Mensch bereitwillig anschließt.


Jede Vervielfältigung, Verbreitung, Sendung und Wieder- bzw. Weitergabe der Inhalte ist ohne schriftliche Genehmigung der InterDogs UG ausdrücklich untersagt.


Bild: Adobe Stock © ALEXANDRE

    ANZEIGE