Ich hab bisher fast alle meine Tierschutzhunde mindestens 1x zum Kennenlernen besucht.
Dino wurde von privat vermittelt, ohne Tierschutzverein im Hintergrund. Die damaligen Besitzer wollten, dass er in gute Hände kommt und waren schon bei der "Bewerber"-Auswahl sehr sorgfältig - am Ende fiel deren Wahl auf mich und einen anderen Interessenten. Ich bin zum Kennenlernen hin, wir sind eine Runde mit dem Hund spazieren gegangen, hab mich mit den Vorbesitzern über den Hund unterhalten und dann gings zum weiteren Kennenlernen noch mit in die Wohnung rein. Ich fand den Hund super, Hund fand mich ok, wir haben einen Termin zum zweiten Kennenlernen vereinbart ... und bei dem zweiten Termin hab ich Dino dann auch mitgenommen. Jetzt hockt der Spinner seit 4,5 Jahren hier 
Bonny kommt aus dem Tierheim. Auch da - einmal zum Kennenlernen hin, Hund angeguckt, mit der zuständigen Betreuerin über den Hund gesprochen. Bonny war damals noch seeeehr ängstlich, aber ich hatte ein gutes Gefühl und fand sie auch einfach süß. Trotzdem haben wir noch einen zweiten Kennenlern- und Gassitermin vereinbart, und auch da hieß es dann vom Tierheim, dass sie mir Bonny gerne mitgeben.
Lediglich Masha war der einzige Hund, den ich quasi ohne vorheriges Kennenlernen gekauft habe - sie kam direkt aus Italien, hat eine Woche lang auf einer Pflegestelle gewartet, weil ich sie vorher nicht abholen konnte, und ich bin dann eben 600 km einfache Strecke durch Deutschland gefahren, um sie dann bei der PS abzuholen. Allerdings gabs da einige entscheidende Faktoren:
- die vermittelnde Person (zufälligerweise auch der Vereinsvorstand) hatte Masha persönlich in Italien kennengelernt und konnte mir daher schon sehr viel über sie erzählen
- Masha hat in Italien schon auf einer Pflegestelle gelebt, daher konnte die PS auch viel über sie erzählen
- die deutsche Kurzzeitpflegestelle hat mir täglich von Masha berichtet und auch völlig unverblümt von Problemen erzählt, die sie bei Masha entdeckt haben
- es hieß klipp und klar "Masha kann auf der dt. PS bleiben, wenn es wider Erwarten doch absolut nicht passt", z. B. weil sich mein Rüde absolut nicht mit ihr verträgt - ich hab meine bereits vorhandenen Hunde zum Kennenlernen mitgenommen
Nur unter diesen Gesichtspunkten würde ich mich auf einen Hundekauf ohne vorheriges Kennenlernen einlassen. Und auch nur dann, wenn mir der Verein die absolute Garantie dafür gibt, dass sie den Hund auch wieder zurücknehmen oder sehr kurzfristig eine Pflegestelle auftun können.
Ich find das Vorgehen von "deinem" Verein ziemlich seltsam. Für Mashas Verein hab ich in meiner Region (östliches Brandenburg) schon drei Vorkontrollen gemacht, und die liefen immer nach dem gleichen Schema ab:
- Interessenten haben den Hund auf der Vereinsseite gesehen, eine Email geschrieben, und wurden vom zuständigen Vermittler als geeignete Interessenten eingestuft
- Wenn der Hund auf einer PS war, gabs einen Kennenlerntermin. Hat alles gepasst, wurde der Hund für die Interessenten reserviert und ein Termin für die Vorkontrolle vereinbart
- Die Vorkontrolle wurde gemacht. Haus angucken, Garten angucken - ist alles hundesicher? Seh ich so spontan irgendwelche Probleme? Zusätzlich hab ich den zukünftigen Besitzern auch oft noch gesagt, dass sie bei einem Auslandshund u. U. sehr geduldig sein müssen, dass evtl. nicht sofort alles klappt und so weiter.
- Wenn die Vorkontrolle positiv ausgefallen ist, hab ich meinem Ansprechpartner beim Verein Bescheid gegeben. Der wiederum hat das an die zuständige Stelle weitergegeben.
- Wenn der Hund schon in Deutschland war, durften die künftigen Besitzer zur Pflegestelle fahren und den Hund abholen - kennengelernt haben sie ihn ja schon. War der Hund noch in Italien, wurde er für den Transport nach Deutschland vorbereitet (sofern noch nicht geschehen) und den künftigen Besitzern wurde gesagt, wann der Transport in DE eintrifft und wo sie ihren Hund abholen können.
Damit war die Sache dann schon meistens gegessen. Und auch bei anderen Tierschutzvereinen liefs immer nach dem Schema ab, nie andersrum.
Dass du den Hund direkt beim Kennenlerntermin mitnehmen sollst (musst?), find ich persönlich sehr, sehr merkwürdig. Ist mir so bisher noch nie untergekommen. Wenn du direkten Kontakt zur Pflegestelle hast, würd ich mal nachfragen, was es damit auf sich hat - vor allem, wenn du den Hund in nächster Zeit ohnehin noch nicht übernehmen kannst. Ich find das Vorgehen vom Verein irgendwie reichlich seltsam ...