Lernen würde ich zu Hause beim Hund
Üblicherweise läuft das Lernen an Unis sehr viel über Lerngruppen. Man trifft sich (meistens an der Uni) und lernt gemeinsam.
Als wegen Corona die Lernräume geschlossen waren, hat sich die Lerngruppe meiner Tochter privat zuhause getroffen. Allerdings musste Tochter dazu immer zu ihren Kommilitonen fahren, weil eine Kommilitonin aus der Gruppe panische Angst vor Hunden hat und bei uns keinen Fuß über die Schwelle setzt.
Mir ging es übrigens so ähnlich wie dir. Seit ich denken kann, möchte ich einen Hund. Mein Vater fand den Gedanken sooo schlecht nicht. Meine Mutter war immer strikt dagegen und hat zudem Angst vor Hunden. Als Kind bekam ich zuerst einen Zwerghasen. Als der verstorben war, durfte ich mir einen Papagei kaufen.
Während des Studiums hätte ein Hund leider nicht in mein Leben gepasst. In den ersten Berufsjahren mit Vollzeitberufstätigkeit im Bereich Marketing / Öffentlichkeitsarbeit / Eventmanagement sowieso nicht. Vor Veranstaltungen hatten die Arbeitstage sehr sehr viele Stunden und waren oft, einschließlich der Wochenenden, von früh bis spät eng getaktet.
Schließlich wurde die Familienplanung aktuell und mein Mann und ich entschlossen uns dazu, zuerst die menschlichen Familienmitglieder in Ruhe ankommen zu lassen, bevor ein tierisches dazukommt. Als die familiäre und berufliche Situation sowie Wohnumfeld und Finanzen gepasst haben, zog endlich unser erster Hund ein. Das war einige Wochen nach meinem 40. Geburtstag.
Unserer Tochter wollten wir es ermöglichen, ihren Hundewunsch frühzeitiger umzusetzen. Sie durfte sich mit 19 Jahren ihren ersten Hund kaufen. Steuer und Versicherung bezahlt sie selbst, ab und zu auch Futter, Zubehör und den Tierarzt. Sie ist jedoch zuvor wieder zuhause eingezogen, weil es hier keine finanzierbare Wohnmöglichkeit mit Hund gab und das Studium (vor Corona) auch kaum alleine mit Hund vereinbar gewesen wäre.
Meinem Mann und mir ist von Anfang an absolut bewusst, dass es die Lebensumstände mit sich bringen können, dass der Hund eines Tages bei uns im Haushalt zurückbleibt. Das ist seitens meiner Tochter absolut nicht geplant, aber wenn es aufgrund von Wohnsituation, Beruf oder Familienplanung doch passiert, dann haben wir Eltern kein Problem damit.
Als Mutter wäre ich allerdings ziemlich unwillig, wenn ich meinem Kind eine hundetaugliche Studentenbude und Unterhalt für Kind + Hund finanzieren sollte und darüberhinaus noch als Sitter und Zahler für Unvorgesehenes (bspw. außerplanmäßige Tierarztkosten) in die Presche springen sollte. Das kann und darf nur auf absolut freiwilliger Basis geschehen und nicht unter der Überschrift „bin volljährig, entscheide selbst und ihr zahlt“.