Beiträge von Juli_82

    Ich hatte heute Morgen ein sehr unschönes Erlebnis mit meinem Hund und mache mir große Gedanken. Und ärgere mich über mich selbst…Kurz zum Hintergrund: Mein Hund hat nur noch ein Auge, er ist aus dem Tierschutz und seit ca. 10 Monaten bei mir. Er ist knapp zwei Jahre alt und teilweise noch unsicher, was er bei Hundebegegnungen bzw. gruseligen Begegnungen mit nach vorn gehen kompensiert. Seine Leinenpöbelei ist gerade unsere „Hauptbaustelle“ und wir arbeiten intensiv daran. Grundsätzlich ist er gegenüber Menschen freundlich und neugierig, mag aber nicht immer von Fremden angefasst werden (soweit so normal).


    Nun hat er gerade im Büro heftigst nach einer Kollegin geschnappt, die ihn streicheln wollte. Total blöde Situation, ich habe gerade meine Bürotür aufgeschlossen und war mit Körbchen und Tasche bepackt und Hund natürlich noch an der Leine. Die Kollegin hat ihn freundlich angesprochen, er ist neugierig auf sie zu und dann hat sie ihn recht überfallartig am Kopf getätschelt. Ich sah wie er plötzlich stocksteif wurde, und in dem Moment wo ich sie warnen will, dass er das nicht mag, geht er knurrend und schnappend auf sie zu, er war regelrecht außer sich. Ich habe ihn von ihr weggezogen und kann nun ehrlicherweise nicht sagen, ob er gebissen hätte.


    Meine Trainerin rufe ich heute dazu an. Allerdings würde ich gern dazu ein paar Einschätzungen hören. Schlicht mein Versagen weil ich meinen Hund nicht vor der „Streichelattacke“ schützen konnte? Wie ist es einzuschätzen, dass er weder warnt noch einfach ausweicht oder zurückweicht? Meine Einschätzung ist, dass er sich nicht nur unwohl, sondern bedroht fühlte, denn die Reaktion war wie gesagt ähnlich heftig wie ich das teilweise von Hundebegegnungen bei ihm kenne. Was sollte ich tun? Außer Streichelverbot aussprechen und in Zukunft viel besser aufpassen? Wie kritisch ist das Verhalten?

    Hallo in die Runde,


    ich wollte mich hier auch mal einreihen und berichten, wie ich Vollzeitjob und Hund vereinbare...Ach ja, und ich lebe auch dazu noch allein und mein Job ist nicht immer 9-to-5.
    Ich habe meinen Hund seit ca. 10 Monaten, und am Anfang hatte ich die Sorge, dass er nie wie erhofft ein Bürohund werden würde, da er total überdreht und unruhig war und alles verbellte, was sich bewegt.
    Inzwischen sind wir auf einem guten Weg und unser Alltag hat sich eingespielt. Ich darf meinen Hund ein bis zwei Tage die Woche mit ins Büro nehmen (wo er sich inzwischen vorbildlich benimmt), ich mache das allerdings davon abhängig, ob ich Meetings oder Außentermine habe, diese Tage fallen heraus. Mindestens einen Tag arbeite ich von zuhause aus und ansonsten ist er bei meinen Eltern.
    Dann habe ich noch eine professionelle HuTa, die ich flexibel und kurzfristig am gleichen Tag noch buchen kann (inkl. Wochenende) sowie Freunde, die im Notfall einspringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ein sehr flexibles Betreuungsmodell braucht und immer auch noch Plan B) und C) in der Hinterhand.
    Z. B. wenn es eben so wie bei mir läuft und dann doch (zumindest erst mal) alles ganz anders kommt, ich bin nämlich ganz naiv davon ausgegangen, dass jeder Hund bürogeeignet ist und in eine HuTa gehen kann (bzw. ihm der Trubel dort gut tut) ;-). Ohne Familie und Freunde würde das ehrlicherweise alles nicht funktionieren.

    Danke für deinen Ratschlag, die Sache mit der Ruhe versuche ich so gut es im (manchmal trubeligen) Alltag möglich ist, umzusetzen.
    Ich jogge ca. 1 - 2 Mal die Woche mit Hund, er wird nicht täglich zum joggen genötigt, das habe ich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Mein Eindruck ist einfach, dass diese Art der Bewegung meinem Hund gut tut und Spaß macht, und dass er danach genauso entspannt ist wie nach einem normalen Spaziergang.
    Stresssituationen bei einem reizempfänglichen Hund lassen sich meiner Meinung nach nicht vermeiden, in unserem Fall etwa weil wir Nachbars Katze über den Weg laufen oder uns im Wald ein Reiter begegnet etc. :ka: .
    Die Erkenntnis, dass ein Hund nicht mit Bewegung ausgelastet werden kann, kommt zum Glück nicht jetzt erst, dank meiner Hundetrainerin ist es gar nicht so weit gekommen, dass ich das versucht habe. Unser "Programm" ist entsprechend abwechslungsreich und das Ruhethema wird groß geschrieben. Einige erwähnten ja hier schon das Thema Nasenarbeit, das ist ganz eindeutig Emils Königsdisziplin und da steigen gerade wir langsam ein. :gut:
    Und ja, Erwartungen sind kontraproduktiv, ich arbeite stetig daran meinen "Sack" mit selbigen (noch weiter) zu leeren ;) . Dass diese übermäßig hoch sind kann ich meinen eigenen Zeilen allerdings nicht entnehmen.

    Vielen Dank für eure interessanten Rückmeldungen. Anscheinend haben die meisten doch eher positive Erfahrungen mit seriösen Tierschutzorganisationen gemacht, das ist super! Und den Tipp, den Hund erst mal ausgiebig kennenzulernen bevor man ihn übernimmt, kann ich nur unterschreiben.

    Faro auch. Nach einer Stresssituation muss er rennen und ich lasse das auch zu, denn so baut er den Stress schneller ab, als würde ich versuchen, ihn zur Ruhe zu bringen. Das Gerenne dauert nur ein paar Sekunden und dann lässt Faro sich auch zur Ruhe bringen.

    So ist es bei Emil auch. Nach einem Spaziergang mit neuen, für ihn aufregenden Situationen und vielen Außenreizen ist er anfangs in der Wohnung wie von Sinnen durch die Räume gerast. Das passiert inzwischen nur noch selten bzw. wirklich nur kurz. Ich glaube auch er baut durch Bewegung Stress ab. Bei einem Hund, wo absehbar kein Freilauf möglich ist, ist "rennen lassen" draußen natürlich ein schwieriges Thema. Ich ermögliche ihm regelmäßig Sozialspiel und Freilauf auf gesichertem Gelände, aber täglich kann ich ihm das nicht bieten. Gleichmäßiges, flottes Joggen mit mir tut ihm z. B. auch gut, aber er ist ein Hund, der definitiv auch Kopfarbeit braucht, ich versuche schon gar nicht mehr ihn durch Bewegung auszulasten, da ist er nicht kaputtzukriegen ;-).

    Ich glaube das hier ist das passende Thema für mich und klinke mich hier mal ein…mitgelesen habe ich in diesem Strang allerdings schon seit Monaten und es war tröstlich und auch eine Unterstützung, dass ich mit meinen Problemen nicht allein da stehe.



    Ich würde gern meine Erfahrungen mit meinem Hund aus dem Tierschutz teilen, denn ich bin zugegebenermaßen ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte bzw. wie es definitiv nicht ablaufen sollte. Vielleicht kann ich dazu beitragen, dass andere sich mehr Gedanken machen als ich es damals tat.



    Mein Hund Emil ist ein einäugiger kleiner Mischling aus Spanien, inzwischen vermutlich knapp zwei Jahre alt und ist seit 8 Monaten bei mir (ein paar Fotos von ihm findet ihr in meiner Galerie). Wir haben viele Höhen und Tiefen hinter uns und ich habe in dieser Zeit einiges an Schweiß, Tränen und Geld gelassen.



    Um ganz an den Anfang zu gehen: Ich bin absolute Hundeanfängerin, wenn man von dem Familienhund meiner Kindheit einmal absieht (eine lammfrohe Boxerhündin). Ich wollte immer einen Hund, und dieser Wunsch hat mich seither begleitet. Im letzten Jahr hat mich dieser Wunsch dann wieder verstärkt gepackt, und ich begann zu recherchieren und zu planen, wie ein Hund doch schon vor der Rente in mein Leben passen könnte (ich lebe allein und arbeite Vollzeit). Irgendwann nahm der Plan mehr und mehr Gestalt an, und in meinem Kopf formte sich eine rosarote Zukunft mit Hund.



    Ein älteres Exemplar, ruhig und genügsam, aus dem Tierschutz sollte es sein. Der Hund sollte mich teilweise ins Büro begleiten und teilweise professionell in einer HuTa betreut werden. Dann waren da noch meine hundebegeisterten Eltern und mein bester Freund, die als Hundesitter und Unterstützung da wären. Es sollte ein Hund sein, der ruhig und umgänglich ist und überall dabei sein kann. Ich malte mir alles in den schönsten Farben aus…



    Na ja, und dann…kam Emil. Gerade relativ frisch aus Spanien in seiner Pflegestelle angekommen, abgemagert, mit einer schweren Bronchitis und einer frischen Amputationswunde (Auge). Im Nachhinein schäme ich mich heute noch, wie ich so naiv sein konnte. Laut Tierschutzorga war er ca. drei Jahre alt, und ein ganz ruhiger, bürogeeigneter Anfängerhund…Klar ;-).


    Ich hatte mein Herz schon beim ersten Kennenlernen verloren, und als die Pflegestelle zwei Tage später mitteilte, Emil müsse sofort die Pflegestelle wechseln weil es Probleme mit den anderen Hunden gäbe, habe ich Hals über Kopf zugesagt, ihn kurzfristig zu übernehmen.



    Es gab keine Vorkontrolle durch die Organisation und bis heute keine Nachkontrolle. Aber sie waren den Hund losgeworden, und das war wohl das Ziel…



    Ja, und jetzt wir. Emil und ich. Total überforderte Ersthundehalterin und ein völlig überdrehtes, krankes Häufchen Elend von Hund. Die ersten Wochen waren die Hölle (für uns beide). Emil war nicht in der Lage zur Ruhe zu kommen, er ging über Tische und Bänke, Beißhemmung war ein Fremdwort, er akzeptierte keine Grenzen und machte bei jeder Aufregung erst einmal unter sich. Draußen pöbelte er an der Leine alles an, was sich bewegte, und bald zeigte sich der passionierte Jäger in ihm.


    Beim Tierarzt waren wir Dauergast, und bald musste ich ja auch wieder arbeiten. Es war nicht daran zu denken, ihn mit ins Büro zu nehmen, und ohne meine Eltern und meine Freunde wäre ich verloren gewesen. Eine Weile war er in einer HuTa, sind da aber wieder rausgeflogen weil Emil dermaßen rüpelig war und so viel Unruhe in die Gruppe brachte...


    Wäre die Tierschutzorganisation nicht so unseriös gewesen, ich hätte ihn schon nach den ersten Tagen zurückgegeben. Wer weiß wo er dann gelandet wäre?



    Unsere Hundetrainerin, die wir bis heute haben, fand ich zum Glück rasch, und sie hatte am Anfang mehr damit zu tun, mich vom Boden aufzukratzen als mit Emil und mir zu arbeiten ;-). Wir hatten sehr viel Glück mit ihr, denn ich muss wohl nicht sagen wie schnell von all den selbsternannten Hundeexperten Ratschläge kamen a la „der Hund ist dominant“ , „der Hund stellt deine Position infrage“ und so weiter…


    Sie hat zunächst mal erkannt, dass Emil höchstens ein Jahr alt war, und vor allem völlig überdreht und überfordert. Und dass er natürlich klare Grenzen braucht, aber vor allem Ruhe lernen muss. Und ich vor allem Geduld und Nachsicht brauche. Aber auch dass es alles andere als einfach werden würde...



    Ich würde euch jetzt gern sagen: Heute ist alles super. Das wäre aber gelogen ;-). Tatsache ist immer noch, dass Emil ein Hund ist, der viel Zeit, Ruhe, Struktur und Erfahrung braucht (gefühlt mehr als ich ihm bieten kann). Ich war häufig an dem Punkt, wo ich mich gefragt habe, ob es ihm woanders besser gehen würde. Ob ich das schaffen kann. Ist es egoistisch ihn zu behalten? Im Frühjahr dieses Jahres hatte ich noch einmal einen richtigen Tiefpunkt. Ich wusste, ich musste jetzt eine endgültige Entscheidung treffen.


    Und ich habe mich für ihn entschieden. Mit allen Konsequenzen. Mit dem Wissen, dass er wahrscheinlich nie der problemlose „Traumhund“, der mir einmal vorschwebte, werden wird. Und dass ich ihn nicht in mein Leben pressen kann, sondern mein Leben (zumindest bis zu einem gewissen Punkt) an ihn anpassen muss.



    Und ab da wurde vieles besser. Natürlich weiter mit viel Unterstützung, aber das war klar. Und natürlich sind wir weiterhin mit Schleppleine unterwegs. Natürlich ist Emil nicht tiefenentspannt, sondern kann weiterhin von null auf 100 aufdrehen. Natürlich pöbelt er gelegentlich (je nach Tagesform) alles an, was sich bewegt. Genauso wie er alles jagt, vom Pferd bis zur Wespe. Und ich bekomme es immer noch nicht hin, die optimale Balance zwischen Ruhe und insbesondere geistiger Auslastung zu finden weil wir einfach noch so viel an den Basics arbeiten müssen und meine Zeit eben begrenzt ist.



    Aber ich sehe eben auch unsere Fortschritte. Er kann sich besser auf mich konzentrieren, zumindest für kleine Zeitspannen. Wenn gerade die Außenreize gering sind, funktioniert der Rückruf, Stop und Umkehrsignal. Zuhause ist er entspannt; er schläft so viel wie ein Hund schlafen soll und er bleibt inzwischen entspannt bis zu vier Stunden allein, auch wenn er das nicht täglich muss…



    Ich muss viel organisieren und ihn immer mitdenken, aber er ist nicht mehr wegzudenken aus meinem Alltag. Und auch wenn immer mal Zweifel aufkommen, grundsätzlich bin ich inzwischen überzeugt: Emil geht es gut. Ich mache sicher jede Menge Fehler, aber er ist ein glücklicher Hund. Der nebenbei seit einigen Wochen freitags mit ins Büro geht und der absolute Star unter den Kollegen ist ;-).



    Nun ist es ein kleiner Roman geworden, aber ich hoffe mein Bericht ist eine kleine Entscheidungshilfe für alle, die ähnlich naiv wie ich einen Hund aus dem Tierschutz „retten“ möchten. Sucht euch vor allem eine seriöse Organisation, die euch den passenden Hund für eure Lebensumstände vermittelt.


    Und gerade, wenn ihr wie ich das alles allein stemmen wollt: Ohne Hilfe geht es nicht. Sowohl professionell als auch im privaten Umfeld.


    Ich würde mich freuen, mich hier weiter auszutauschen mit anderen Hundehaltern, die ähnliche Problematiken haben, und sicher werde ich auch in Zukunft mal den einen oder anderen Ratschlag einholen.

    Ich würde mich sehr über eine Einschätzung freuen, welche Rassen möglicherweise bei meinem Hund mitgemischt haben :-). Emil ist ein Tierschutzhund aus Spanien. Er ist ca. 40 cm groß und wiegt 12 Kilo. Er hat einen ausgeprägten Jagdtrieb und ist ein sehr aktiver, eher "hibbeliger" Hund mit einer niedrigen Reizschwelle und sehr aktivaktiv und spiel- und bewegungsfreudig. Der perfekte Anfängerhund also ;-).
    Ich bin noch nicht so fit was die Bedienung des Forums angeht, hoffe aber ich schaffe es weitere Bilder hochzuladen...