Darf ich mich mal ein wenig ausheulen bei euch? Bitte? Danke.
Butz ist nun fast 7 Monate alt. Und ich hab das Gefühl, ich hab alles falsch gemacht. Alles. 
Ich hab ihn von privat übernommen, er wurde wohl aus einer Tötung in Spanien geholt und nach Deutschland vermittelt, sein 'Ausweis' ist zumindest aus Spanien.
Welche Rasse er ist, das weiss ich nicht. Angegeben ist Boxer-Mischling. Den Boxer kann er eigentlich nicht leugnen, er ist ein durchgeknallter Verrückter, also für mich schon sehr Boxertypisch. Ich bin gespannt auf das Ergebnis des DNA-Tests, den der Gutachter - ich hab ihn kontaktiert, weil so viele Leute in Butz einen Amstaff sehen - gerne haben möchte. Das steht also noch aus.
Er ist ein lieber Hund, der im Freilauf eigentlich ganz gut hört, ich kann ihn aus einer Hundegruppe abrufen, wenn ich weitergehen will, er kuckt viel auf mich und versucht immer, den Anschluss nicht zu verlieren, er liebt alles und jeden und alle Menschen sind seine Freunde. Zu Hunden ist er im Freilauf super, er reagiert sehr schön auf Korrekturen von Älteren und benimmt sich zwar respektlos teilweise, aber ordnet sich unter, wenn er eine Ansage kriegt.
Warum also heulen, fragt ihr? Ich sags euch.
Er ist ein Zerstörer. Er macht alles kaputt, alles. Vorgestern - ich war über Nacht bei meinen Eltern - bin ich mit einem kaputten Schuh im Bett und einer kaputten Klobürste aufgewacht. Er will alles zerkauen, alles. Tonkugeln, Schuhregale, Fernbedienungen, Zigarettenschachteln, Gartendeko, das Telefon, die Griffe an den Regalen, er hat das TV-Kabel durchgekaut, er frisst den Bambus im Garten meiner Eltern an und auch sonst eben alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Nur das mit den Schuhen und meinen Büchern haben wir geklärt.
An der Leine ist er teilweise wirklich nervig. Teils geht es super, er läuft neben mir ohne dass ich gross was sagen muss, er hält brav an der Strasse - das 'Stopp' funktoniert ganz ok - er lernt langsam, dass er nicht zu jedem einzelnen Menschen, dem wir begegnen, hindarf. Darf er nicht zu einem Hund, wird er zum Berserker; er hört sich dann wirklich sehr gruselig an und führt sich auf wie Graf Rotz. Er geht dann auch auf die Hunde los und will die verkloppen, weil er sauer auf mich ist (meine Interpretation). Darf er nicht z.B. das eklige Taschentuch fressen, fängt er an in die Leine zu beissen. Mal beissen find ich ok, tragen ist für mich auch in Ordnung, zergeln und mich dabei bös anknurren find ich nicht so toll. Macht er aber leider, wir streiten viel dann, ich weiss nicht, wie ich das abstellen soll. Kekse haben dazu geführt, dass er ständig in die Leine beisst, damit er einen Keks abgreifen kann. Er ist immer hungrig. IMMER.
In der Welpenstunde bin ich kein gern gesehener Gast mehr, denn er ist echt ein kleiner Arsch. Alle Ladies gehören ihm und er verkloppt dann die anderen Rüden. Und wenn wir eine Übung machen, die er doof findet, weil er nicht darf, wie er soll, dann schnappt er sich irgendeinen Hund hinterher und lässt seinen Frust an ihm aus.
Frust aushalten ist ein echt schlimmes Thema, das kriegt er nicht hin. Das Ende vom Lied ist, dass wir ab kommenden Donnerstag in die Junghundgruppe gehen 'müssen' um zu sehen, wie er sich dort verhält.
Wenn ich ihn nicht beachte, weil ich vor dem PC sitze z.B., dann bellt er. Er bellt, er bellt so schrill, dass es in den Ohren weh tut. Ganz empört ist er. Nach zwei Ansagen, er soll ruhig sein (er weiss, was ich damit meine), die er ignoriert, muss er 'auf sein Zimmer' - sprich, er bekommt eine Auszeit in der Box (grosser Drahtkennel). Da ist er ruhig und schläft dann. In die Box geht er auch tagsüber zum chillen, er bekommt sein Futter dort und ich glaube, das ist ganz ok für ihn.
Allein bleiben ist leider auch ein Thema. Manchmal geht es nicht, dass er mitkommt, wenn ich einkaufen muss z.B. bei der Hitze, nehm ich ihn natürlich nicht mit, im Auto ist er ruhig. Ich kann kein Muster erkennen, mal geht das allein bleiben gut, mal nicht. Länger als max eine Stunde musste er noch nicht allein bleiben. Ich muss halt leider manchmal zum Arzt oder so, ich kann nicht immer einen Babysitter holen und ich lebe allein, das ist alles echt kacke.
Ich dachte, ich hätte herausgefunden, wie viel Bewegung und 'Arbeit' gut ist für ihn, aber ich fürchte, ich habs doch nicht raus. Mal denke ich, ich überfordere ihn pausenlos, dann denke ich wieder, ich mach zu wenig. Eigentlich (!!!) dachte ich, wenn er Stopp und den Rückruf kann plus das 'nein', wäre das genug. Ich bin mir da nicht mehr sicher, ob ich nicht mehr machen sollte. Gnah. Es ist zum Haare raufen.
Ich bin heute echt verzweifelt. Gestern Abend auf der letzten Runde sind wir einem jungen Rüden begegnet, der war ohne Leine. Er ist 1,5 Jahre alt. Und er ist direkt auf Butz los gegangen und was macht Butz, stürzt sich in den Kampf wie ein Elitesoldat. Und am Ende war ICH die, mit dem gefährlichen Hund. Ich bin echt verzweifelt.
Ist er vielleicht nicht der richtige Hund für mich? Bin ich vielleicht nicht der richtige Hundehalter für ihn? Bin ich vielleicht gar nicht geeignet einen Hund zu führen, der anders ist als Rita? Bin ich ein schrecklicher Hundehalter, wenn ich meine Rita vermisse und den Welpi vergleiche und ihn am liebsten manchmal aussetzen möchte?
Uffz. Das hat jetzt gut getan. Danke an alle, die den Text gelesen haben. 