Beiträge von Munchkin1

    Man muss nur aufpassen nicht in die Spirale zu kommen, seine Belohnung immer verbessern zu müssen, weil die ehemalige Superbelohnung seinen Wert verloren hat.
    Ich möchte eigentlich gar nicht mit der Umwelt ''in Konkurrenz'' treten um ehrlich zu sein. :tropf:

    Für mich wäre das auch kein Dauerzustand. Ich hoffe nur (vlt naiverweise) so durch die schlimmsten Höhen der Pubertät zu kommen.
    Mit dem Alter und der geistigen Reife verliert der Hund ja auch an Ablenkbarkeit und gewinnt Konzentrationsfähigkeit, dann denke/hoffe ich, reichen subtilere Elemente.

    Das ich-mach-mich-geiler-als-die-Umwelt nutze ich auch nur in Extrem-Situationen, im Alltag reicht ein leises Zunge schnalzen völlig aus

    Bei lockenden Personen kann ich nur über Steigerung der Motivation mithalten - Person lockt mit Stimme? Ich mit Futter oder besser noch Spielzeug.
    Gut, du machst dich natürlich zum Kasper und wenig beliebt, wenn du plötzlich ein Zergel aus der Tasche ziehst und lauthals fröhlich „HUUUUUUNNNNDIIIIII“ durch die Gegend flötest (Tonlage vorher in menschenleerem Raum einstudieren und dem Hund beibringen), aber es wirkt.


    Dazu eine Erklärung meines Trainers zum Thema Motivation und Intensität derselben (nicht jugendfrei, daher im Spoiler):

    Spoiler anzeigen


    Du willst, dass dein Mann Geschirr spült.
    Du kannst sagen: Schatz, spül das Geschirr,und als Dankeschön gibt es Sex
    Der Mann denkt: Nett. Mach ich. Wenn kein Fußball läuft
    Du kannst aber auch sagen: Schatz, spül das Geschirr und dann komm ins Bett und wir haben soviel Sex, dass ich dafür sorge, dass du das Bettlaken als Zäpfchen wiederfindest.
    Der Mann denkt gar nicht erst, sondern schrubbt

    Mit dem Hund ist es genauso:
    Holst du deine Belohnung und rufst HUND, denkt der Hund: Nett. Mach ich. Wenn ich nichts besseres zu tun finde.
    Zieh deine Belohnung aus der Tasche, lauf damit weg, quietsche, spiel damit, whatever Hauptsache du machst dich und die Belohnung spannend, dann denkt der Hund nicht

    Wenn nicht gelockt wird, ignoriert Mailo Menschen jeglicher Couleur komplett, vollkommen egal, wieviele, was die tun, wie die sich fortbewegen.
    Nach sehr sehr schweißtreibender Arbeit (die noch nicht beendet ist) können wir auch mit Diskussion an ballspielenden Menschen vorbei, ohne dass ich mit der Nase den Rasen umflüge. Jetzt arbeiten wir am Gehorsam in diesen Situationen.

    Perfektes Thema für mein Erlebnis von vorhin an der Haltestelle. Ich hatte so ein echtes moralisches Dilemma - wie erkläre ich einer geistig Behinderten Person, dass Streicheln ok ist, aber mehr nicht?

    Wir sitzen mit Mini auf der Bank, Mailo zwischen meinen Beinen im Sitz.
    Es kommt ein älterer Herr mit sichtbarer geistiger Behinderung heran und schleicht um uns herum. Ich biete meinen Platz an, er lehnt ab, bleibt aber dicht an uns. Ich dachte, er will zum Fahrplan und erkläre, dass er ruhig an Mailo vorbei gehen kann.
    ZACK hängt der meinem Hund um den Hals und krault sich durch den Bronto.
    GsD ist Bronto ja echt hypergut sozialisiert, so dass ich zwar nicht glücklich war, aber keine Angst um den Mann hatte. DA hätte ich schon was sagen sollen/können/müssen, aber ich wusste nicht, wie.
    Dann fing er an, Mailo zu locken, an ihm hoch zu springen. Ich habe dann gesagt, dass ich das nicht möchte. Hat nur nichts gebracht, also hab ich Mailo hinter das Häuschen genommen und mit ihm gearbeitet und dadurch das Hochspringen abgeblockt.
    Einmal hat Mailo dann gewufft, weil er UNBEDINGT das Lecker aus meiner Tasche wollte. Dann fing der Mann an, Mailo anzubellen, weil er das Geräusch so lustig fand. Da bin ich dann deutlicher geworden und habe „Bitte nicht den Hund ärgern“ gesagt. Zum Glück kam aber der Bus, so dass das Thema eh erledigt war.

    Das war so eine echte Kack-Situation:
    Ich will nicht als behindertenfeindlich oder Halterin eines Kampfhundes wirken (mit Schäfis hat man ja eh Vorurteile im Lieferumfang inbegriffen), aber das war echt too much. Und jetzt erklär mal vor den Augen vieler Zeugen, was ok ist und was nicht, ohne dass gleich jemand Diskriminierung brüllt und der Mann das auch versteht, ohne verletzt zu sein.

    Generell lasse ich Mailo nicht streicheln oder nur in seltenen Fällen mal.
    Das hat zwei Gründe:
    Zum einen ist er eben sehr überschwänglich und findet ohne Hilfe schwer selbst die Grenze zwischen akzeptabler Begrüßung und einem wedelnden, schlabbernden Hundegeschoss, dass jeden zur Begrüßung von Kopf bis Zeh abschlabbern muss.
    Er soll ebenfalls keine Verknüpfung zwischen Mensch=Streicheln aufbauen, dieser Hund ist nämlich der Typ, der sonst ohne Hemmung zu jedem hingehen würde, um gestreichelt zu werden, egal ob derjenige das grade möchte oder nicht.
    Zum anderen muss Mailo dringend lernen, seinen Fokus auf mich und die Arbeit mit mir und nicht auf die Suche nach „Liebesopfern“ zu legen. Wenn er auf der Suche nach Streicheleinheiten ist, kann er sich nicht konzentrieren, dafür klackert es noch zu laut im Bronto-Hirn.