Mir geht es übrigens genau so. Ich war als Jugendliche viel mehr beeindruckt von Büchern, habe da noch tagelang nachgedacht und -geträumt. Ich weiß noch, dass ich von Jane Eyre so beeindruckt war. Jetzt, als ich es vor wenigen Jahren nochmals las, war es o.k., aber mir war es dann schon eine Spur zu kitschig (wobei ich das bei einem Klassiker noch verzeihe). Ich glaube, ich habe als Jugendliche zu viele Liebesromane gelesen, das hat mich wohl fürs Leben geprägt
Und ich gestehe, das fällt mir echt schwer, eine zeitlang habe ich sogar diese Groschenromane von Bravo gelesen *schäm*
Mir geht es so, dass ich ganz, ganz oft auf der Suche nach einem schönen Schmöckerroman bin, der aber trotzdem etwas Tiefgang haben sollte und ohne Kitsch auskommen muss. Ich tu mir da echt schwer. Ich würde gerne mal wieder abtauchen, mich gut unterhalten lassen.
Früher gab es oft Bücher, da wollte ich gar nicht, dass das Buchende naht. Mittlerweile gucke ich oft, wie viel noch zu lesen ist. Eine ganz blöde Angewohnheit, die mich echt stört. Aber es zeigt vielleicht auch, dass ich nicht mehr so eintauchen kann in eine Geschichte.
Bücher, die mich nachhaltig berühren, gibt es nur noch wenige. Sicherlich habe ich eines davon im vergangenen Jahr gelesen. Das war "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro. Diese Tragik berührt mich immer noch sehr und ich denke immer noch ganz oft über das Buch nach, über die verpassten Gelegenheiten.
Ein anderes Buch, das mich in den letzten Jahren sehr berührt hat, war "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler. Ein Mann, der vom Schicksal nicht gut behandelt wurde, der aber nicht mit seinem Leben gehadert hat und zufrieden war. Zufriedenheit ist für mich ein Zustand, den ich als erstrebenswerter finde, als Glück - denn Glück kann man nicht selbst steuern. Jedenfalls hab ich lange überlegt, warum ein Mensch, der in ärmlichen Zuständen lebt, der die Liebe seines Lebens verloren hat, der eine schwere Kindheit hatte, dennoch so zufrieden war. Und ich glaube, der Schlüssel dazu lag darin, dass er sich nicht mit anderen verglichen hat.