Beiträge von Teetrinkerin

    Cassy hat anfangs (oder besser gesagt über Monate) gezogen wie ein Ochse am Pflug. Es war megaanstrengend und alles andere als ein schönes Gassi gehen.

    Sie zieht nach wie vor in unbekannten Gegenden, aber wir sind auf einem guten Weg. Wenn sie zieht, bleib ich stehen und lasse sie Sitz machen. Das hat den Nebeneffekt, dass sie dadurch mit der Zeit ruhiger wird. In dem Moment muss sie zur Ruhe kommen. Und dann geht es weiter. Mein Mann hat kürzlich 5 Minuten gebraucht, bis er überhaupt vom Hof gekommen ist.

    Wir haben echt viel ausprobiert, aber die Methode mit dem Sitz hat uns letzendlich weiter gebracht.

    Leinenführigkeit kann ein echt zähes Thema sein, an dem man lange, lange üben muss. Aber irgendwann wird es besser. Und mittlerweile nimmt Cassy immer öfter Kontakt zu mir auf. Schaut zu mir, achtet auf mich und das ist so schön!

    Und ganz wichtig: Immer viel, viel loben!

    Ich habe jetzt lange hin und her überlegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir eigentlich Wurscht ist, ob es nun hier für gut oder schlecht befunden wird, wenn wir in der Hundeschule sagen, dass wir einen Rudelspaziergang machen und ob ich Rudelführer im Team mit meinem Hund bin. Wichtig ist, was dabei raus kommt. Ich empfinde diese Worte als nicht schlimm und sie drücken eigentlich auch nix schlimmes aus. Es kommt immer drauf an, was der Mensch daraus macht - und das ist das wichtigste, hinter diese Worte zu blicken!

    Bei der ganze Diskussion habe ich das Gefühl, dass vergessen wird, hinter die Fassade zu schauen. Es macht es nicht besser, wenn jemand sagt, er sei ein Team mit seinem Hund, diesen aber mit fragwürdigen Methoden erzieht. Dagegen ist es nix schlimmes, wenn jemand von Rudel spricht, aber liebevoll und freundlich mit seinem Hund umgeht.

    Und noch was: Jedes Mensch-Hunde-Team ist anders. Was beim einen funktioniert, muss beim anderen lange noch nicht klappen. Wir hatten früher eine total liebe Familienhündin, bei der man 5 gerade sein lassen konnte. Jessie war einfach sowas von pflegeleicht und leichtführig. Wenn ich nun an Cassy denke, muss ich da schon eine deutlich andere Schiene fahren. Ich muss sie viel enger führen, als Cassy. Sie braucht klare Ansagen, klare Linien und Grenzen. Dennoch wird auch sie liebevoll und freundlich behandelt und ist ein nicht mehr wegzudenkendes Mitglied unserer Familie.

    Zum Thema Rudel habe ich mal Wikipedia bemüht:

    Rudel ist die umgangssprachliche[1]Bezeichnung für eine geschlossene und individualisierte Gruppe von Säugetieren. Ein Rudel ist eine geschlossene Gruppe, weil die Mitglieder eines Rudels nicht beliebig austauschbar sind, und es ist eine individualisierte Gruppe, weil die Mitglieder der Gruppe sich untereinander erkennen. Im Unterschied dazu beschreibt die Herde einen anonymen Zusammenschluss von Tieren. Es gibt in Rudeln oft eine Rangordnung[2] und eine gewisse Arbeitsteilung

    Quelle: Rudel_(Verhaltensbiologie)


    Demnach kann ein Mensch-Hunde-Team durchaus als Rudel bezeichnet werden.

    Mich hat das ehrlich gesagt, alles total verunsichert! Für mich hörte und hört sich das ganz oft danach an, dass man auf Augenhöhe ist, der Hund ist ein gleichberechtigter Partner etc. Das hat dazu geführt, dass Cassy völlig verunsichert war als sie zu uns kam und meinte, sie muss nun die Führung übernehmen, weil wir so handelten, als ob sie ein gleichberechtiger Partner wäre. Das sah dann so aus, dass sie uns maßregelte, wenn wir uns aufs Sofa setzen wollten oder was vom Couchtisch holen wollten oder uns einfach nur frei im Raum bewegen wollten. Ganz ehrlich, das ist kein schönes Erlebnis!

    Unsere Hundetrainerin musste uns erst mal wieder klar machen, dass wir die Führung übernehmen müssen. Und ja, sie nutzte auch den Begriff Rudelführer. Da ich hier gelesen habe, wie schlimm das ist und ein Trainer, der dieses Wort ausspricht, nur ein schlechter Trainer sein kann, wollte ich das ganze fast schon wieder hinschmeißen. Nur eine liebe Userin hat mich darin bestärkt, weiter zu machen und ihr zu vertrauen und dass es schon passt, was sie macht. Und darum bin ich froh!

    Ganz ehrlich, wir führen den Hund - und das allein ist schon Dominaz. Und in dem Wort führen steckt einfach auch -führer drin. Ob ich das nun Rudelführer, Hundeführer oder sonstwie nenne, ist doch völlig wurscht!

    Ich bin ganz sicher, dass viele Probleme mit unseren Hunden daraus resultieren, dass wir sie nicht richtig führen. Dazu gehört es, dass man den Weg vorgibt, aber auch vertrauensvoll und respektvoll mit dem Hund umgeht. Trotzdem bin ich diejenige, die den Ton angibt. Man kann es umschreiben wie man will, aber es ist und bleibt einfach Dominanz und Unterordnung. Und genau so ist es bei meinen Kindern auch - ich gebe vor, wohin der Weg führt.

    Gestern hatte ich Vorstandssitzung in der Schule und wir haben darüber beratschlagt, welchen Vortrag wir organisieren sollen. Da war dann auch Thema, dass wir die Leitfiguren für unsere Kinder sind. Lange Jahre war das total verpöhnt - es galt als schick, das Kind als gleichberechtigten Partner zu sehen. Es wurde diskutiert, dem Kind jeden Wunsch von den Augen abgelesen und die Eltern waren auch Chauffeur, damit das Kind zu allen Freizeitaktivitäten bequem hinkommt. Mittlerweile hat man erkannt, dass das zu ganz vielen Problemen führt(e) und glücklicherweise ist diese Einstellung nun auf dem Rückzug. Aber genau diese Entwicklung sehe ich (und auch meine Trainerin) gerade bei der Hundeerziehung. Dabei ist es so wichtig für den Hund, dass wir die Führung übernehmen. Es gibt ihm Grenzen und Sicherheit. Und das hat nichts mit erniedrigen, demütigen oder körperlich maßregeln zu tun. Und ja, ich schimpfe schon auch mal mit meinem Hund, wenn sie sich daneben benimmt.

    Und jetzt könnt ihr mich steinigen :lol:

    Dabei könnte die Situation eben durchaus entschärft und der Hund vor weiterem Missbrauch bewahrt werden, wenn alle zusammenarbeiten würden.

    Das finde ich einen sehr guten Satz! Wenn alle zusammenarbeiten würden. Aber leider sehen viel zu viele einfach weg.

    Vielen Dank für die Übersetzung und Zusammenfassung! Wie gut, dass hier doch noch zum Wohle des Tieres gehandelt wurde und er nun in Sicherheit ist. Ich kann Gewalt nur schwer ertragen (egal ob gegen Mensch oder Tier).

    Unsere Hündin wurde übrigens auch durch die Polizei beim Vorbesitzer beschlagnahmt. Der Vorbesitzer ist alkohol- und drogenabhängig (ich weiß aber nicht, welche Drogen) und hat Cassy misshandelt. Auch wenn uns Cassy oftmals sehr fordert und auch manchmal überfordert, bin ich sehr froh, dass sie bei uns ist. Dennoch haben wir tagtäglich mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Sie ist alles andere als ein pflegeleichter Hund, dabei könnte sie eine Traumhündin sein, hätte man sie nicht "vermurkst".

    @LostRealist
    ah, ok. Ich hatte das - trotz Absatz - auf mich bezogen.

    Stimmt, da habe ich mich vermutlich falsch ausgedrückt. Wir sind eine Wegseh-Gesellschaft (schon immer gewesen).

    Ich habe den Text nicht gelesen (zumal mein Englisch auch recht bescheiden ist). Aber wenn das Ergebnis des Filmens ist, dass der Hund in Sicherheit gebracht wurde, dann ist das gut. In Deutschland werden aber solche Filme nicht als Beweismaterial herangezogen, oder?

    Habt ihr die eine Frau gesehen, die im Aussteigen noch den Kopf geschüttelt hat? Sowas nervt mich - sehen, Missgunst ausdrücken, aber nicht einschreiten...

    Erschreckender finde ich übrigens, dass - bis auf eine Person - keiner die Zivilcourage zeigte und eingeschritten ist. Finde ich schlimm....

    Ich muss gestehen, ich fackel da nicht lange rum. Vor einigen Wochen beim Stadttraining wurde eine junge Frau von zwei Männern angepöbelt. Ich bin schon fast dazwischen, bis ich merkte, dass nicht nur die Männer, sondern auch die Frau unter Alkohol-/ Drogeneinfluss stand und mit den zwei Männern zusammengehörte. Sie lief dann auch mit den beiden davon.

    Das Problem mit der mangelnden Zivilcourage ist ja nicht nur bei Tieren zu sehen, sondern auch unter Menschen - und sei es nur verbal. Da werden andere erniedrigt, gedemütigt, verletzt und keiner schreitet ein. Wir sind zu einer Wegseh-Geschellschaft geworden :verzweifelt:

    Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

    Entweder man ruft gleich die Polizei oder man schließt sich mit einem Mitfahrer zusammen. Der eine nimmt ihr den Hund ab und der andere "sichert" die Frau und ruft anschließend die Polizei. Andere Möglichkeiten sehe ich hier nicht.

    Gewalt mit Gegengewalt zu lösen finde ich nicht gut.