Wenn ich dann lese, daß deutsche Arbeitnehmer im Schnitt 10 und mehr Tage im Jahr wegen Krankheit nicht arbeiten, dann frage ich mich, ob ich überdurchschnittlich gesund oder überdurchschnittlich leidensfähig bin.
"Im Schnitt" bedeutet, es gibt nahezu keinen, der genau so viel hat, aber ganz viele, die weniger oder mehr haben.
Und weil bei manchen Krankheiten schnell mal 2-8 Monate Krankheitsdauer zusammenkommen, muss es natürlich auch Menschen geben, die (fast) gar nicht krank sind um einen solchen Durchschnitt zu erreichen.
Und selbst wenn man nicht gleich an die ganz fiesen Sachen denkt: Manche Menschen sind infektanfällig und liegen jedes Jahr ein bis zwei mal mit fiebrigen Infekten flach. Da sind 10 Krankentage ganz schnell zusammen.
Chronisch Kranke jetzt mal ausgenommen.
Die sind aber bei der Krankentage-Statistik nicht ausgenommen, da sind alle krankheitsbedingten Fehltage aller Arbeitnehmer erfasst. 
Ergo: du bist überdurchschnittlich gesund. Sei froh drum. 
Das sollte jetzt keine Leistungsdebatte sein, eher frage ich mich, ob ich vielleicht oft fälschlicherweise denke ich müßte mich zur Arbeit schleppen, obwohl das niemand von mir erwartet.
Das ist eine Frage, die absolut nichts mit den durchschnittlichen Fehltagen zu tun hat. 
Wenn du dich so krank fühlst, dass du nicht arbeiten kannst, dann solltest du zum Arzt gehen. Wenn nicht, dann nicht.
Also vielleicht anders gefragt: Bleibt die Mehrheit hier erst dann zu Hause, wenn tatsächlich nichts mehr geht, oder bleiben auch einige mal zu Hause, weil sie nicht "nicht ganz so gut" fühlen?
Siehe oben: das hängt davon ab, ob die Krankheit die Arbeit beeinträchtigt. Als ich noch Arbeitnehmer war, habe ich mich genau einmal krank gemeldet. Ich hatte einen fiebrigen Infekt (den einzigen in meinem erwachsenen Leben). Ein weiterer Grund für "arbeitsunfähig" wären Magen-Darm-Geschichten, die es mir für mehrere Stunden nicht erlauben, mich weiter als 10m von der Toilette zu entfernen, die treten bei mir aber bevorzugt an Tagen auf, an denen ich sowieso nicht arbeite
. Das sind Dinge, die mich kurzfristig (1-5 Tage) von der Arbeit fernhalten könnten.
Und dann war da vor 4 Jahren meine Schultersteife. Ich hatte schon eine Zeitlang gemerkt, dass da irgendwas komisch ist, aber ich habe es nicht ernst genommen. Dann wurde es recht schnell so blöd, dass ich doch mal zum Arzt ging.
3 Monate lang konnte ich meinen rechten Arm keinen mm bewegen. Ich war kerngesund, aber ich konnte nichts machen. Dann löste sich die Steife langsam, aber es hat immer noch sehr lange gedauert, bis ich annähernd normale Dinge tun konnte. Als Arbeitnehmer wäre ich monatelang ausgefallen. Ich bin sehr froh, dass ich selbstverantwortlich mein Zeug machen konnte, auch wenn alles drei bis vier mal so lange gedauert wie normal und ich ganz oft das Ende eines formulierten Satzes vergessen hatte, bevor das erste Wort fertig getippt war. Überhaupt fand ich es erstaunlich wie sehr eine leichte körperliche Einschränkung das Hirn fordert und dadurch das Denken blockiert. Aber ich bin froh, dass ich damit nur mich selbst blockiert habe und niemanden sonst.