Naja es geht um 18.000 Hunde, die Befragungsungenauigkeit wurde berücksichtigt und nochmal nachgeprüft mit Mischlingen.
Es wurden Aussagen über Rassehunde gesammelt und das quer gecheckt mit Mischlingen wo man nicht genau wusste was drin ist und dann mittels Gentest geguckt und zurück geprüft ob das dann von den Rasse kommen kann.
Ich finde es etwas schade das die Studie hier so abgewatscht wird obwohl sie eigentlich sehr spannend ist.
Sie ist spannend.
Aber die Schlussfolgerung, die überall beschrieben wird, ist so nicht stimmig. Diese Schlussfolgerung wurde von der Redaktion von science.org (eventuell von den Autoren der Studie selbst?) der Publikation vorangestellt und dadurch übermäßig stark ins Zentrum gerückt:
Thus, dog breed is generally a poor predictor of individual behavior and should not be used to inform decisions relating to selection of a pet dog.
Dieser unglücklich formulierte Satz ergibt eine so wunderbare Schlagzeile, dass in allen folgenden Artikeln der Studie eine Aussage unterstellt wird, die die Daten gar nicht hergeben.
Es ist völlig richtig, dass die Varianz von Verhalten innerhalb der Rassen groß ist. Es ist völlig richtig, dass die Erblichkeit von Verhalten gering ist, jedenfalls deutlich geringer als die Erblichkeit von optischen Merkmalen. Es ist auch richtig, dass sehr viel hündisches Verhalten nicht "typisch Rasse xyz" sondern schlichtweg "typisch Hund" ist. Und dann sind da die rassetypischen Eigenschaften, vor allem solche, die züchterisch gut beeinflussbar, weil recht gut vererbbar sind.
In der Diskussion machen die Autoren sogar den Unterschied:
For more heritable and more breed-differentiated traits, like biddability (factor 4), knowing breed ancestry can make behavioral predictions somewhat more accurate in purebred dogs. For less heritable, less breed-differentiated traits, like agonistic threshold (factor 5), which measures how easily a dog is provoked by frightening, uncomfortable, or annoying stimuli, breed is almost uninformative.
Diese Differenzierung erscheint mir wichtig. Es gibt die Eigenschaften, die rassespezifisch stärker oder weniger stark ausgeprägt sind. Diese Eigenschaften sind es, deren Kombination das Wesen einer Rasse ausmacht. Das ist in der Gesamtheit des Verhaltensrepertoires des Hundes (als Spezies) natürlich nur eine winzig kleine Variation, aber sie ist völlig ausreichend um von Menschen, die sich ein wenig intensiver mit Hunden beschäftigen, erkannt zu werden.
Die Ergebnisse der Studie widerlegen nicht die Existenz von rassetypischem Verhalten. Im Gegenteil, sogar in der recht überschaubaren Zahl an untersuchten Verhaltensmerkmalen erkennen die Autoren Beispiele für rassetypische Verhaltensunterschiede. Aber dieses Ergebnis wird nicht in den Medien breitgetreten. Da werden nur die Teile in den Fokus gerückt, bei denen es keine rassespezifischen Unterschiede gab.
Insofern: Ich sehe gar nicht, dass die Studie abgewatscht wird. Die fehlerhafte Kommunikation der Ergebnisse wird abgewatscht. Zu Recht.