Beiträge von *Sascha*

    Woher kommt eigentlich dieses Anspruchsdenken, dass man Tiere einfach beim "Staat" abgeben können sollte und die Tiere sollen dann auf Kosten der Allgemeinheit versorgt werden?

    Ich fände es toll, wenn der Staat bzw. die Kommunen zumindest die Kosten tragen würden, für die sie gesetzlich zuständig sind. Nämlich die Übernahme der Kosten von Fundtieren und beschlagnahmten Tieren.

    Hier noch eine Folie des bmt zum damaligen Runden Tisch.

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    Fazit: Unsere Tierheime werden zu 2/3 mit Fundtieren und sichergestellten Tieren belegt. Die Finanzierung wird im Gegenzug nur zu 10-15 % von staatlichen Stellen übernommen.

    tierheime.pdf (bmtev.de)

    Mich stört, dass die Forderungen in dem Brandbrief ziemlich plakativ sind

    Ich finde es auch sehr schade, dass diese Petition nicht grundlegender und breiter vorbereitet wurde und dass nicht die Plattform des Bundestags genutzt wurde.

    Trotzdem empfinde ich die Forderungen im Grunde als sinnvoll.

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    - Reglementierungen des „übermäßigen Imports aus dem Ausland“ - Welches Maß? Wer legt das fest und nach welchen Kriterien? Wie bleibt dabei das Recht des Einzelnen auf freie Entfaltung gewahrt?

    Man könnte Unternehmen bzw. Vereinen entsprechende Auflagen machen. Z.B. Vorhaltung von entsprechenden Aufnahmeplätzen, keine Eigentumsübertragung in den ersten x-Monaten nach Import. Evtl. ein Bürgschaftssystem wie beim Familiennachzug. Natürlich müssen sich damit Juristen beschäftigen und ziemlich sicher ist da auch EU-Recht betroffen. Der Einzelne wird eher sowieso nicht betroffen sein, sondern nur der gewerbliche Import.



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    - Durchsetzung des Qualzucht-Verbots - In welchen Punkten konkret (noch) und mit welchem Ziel? Wie viele Langzeitinsassen im Tierheim sind auf Verstöße gegen das Qualzuchtverbot zurück zu führen?

    Ich denke, in dem Fall auch ein Kostenfaktor? Evtl. auch Langzeitinsassen aufgrund gesundheitlicher Probleme?



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    - Verpflichtende Sachkunde beim neuen Halter - Diese Diskussion gibts hier ja immer wieder. Bisherige Modelle sind da nicht so erfolgsversprechend

    Ich kenne da keine Auswertungen zu. Bisher ist es aber ja so, dass sich die Politik da noch nicht so richtig drantraut und eher suggeriert wird, dass die Problematik nur große Hunde oder böse Hunde betrifft.

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    - Bessere Ausbildung für Tierpfleger und Qualifikationsmöglichkeiten - Kann ich nix zu sagen, ich kenne die gegenwärtigen Möglichkeiten nicht. Wie soll das bei der Reduzierung von Hunden in Tierheimen helfen?

    Es hilft beim Umgang und in der Einschätzung der Hunde und beugt damit präventiv Unfällen vor. Abgabehunde sind immer ein unbeschriebenes Blatt und wenn vermehrt verhaltensauffällige Hunde abgegeben oder ausgesetzt werden, dann sollte das Personal im Umgang mit diesen Hunden geschult werden. Ich weiß, dass es dazu aktuell einige Initiativen und Seminarreihen gibt, die speziell auf Tierheimmitarbeiter abzielen.


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    - Standardisierte Hundetrainer-Ausbildung - Gibts genauere Angaben dazu, wie viele Langzeitinsassen aus Training durch schlecht qualifizierte Trainer resultieren? Wie muss eine standardisierte Ausbildung aussehen, die möglichst nur gute Trainer hervorbringt? Nun, immerhin: Diese Diskussion könnte amüsant zum Lesen werden :D

    In S-H gibt es ja z.B. eine Zertifizierung durch die Tierärztekammer. Bzw. wird diese wohl durch auf Verhaltenskunde spezialisierte Tierärzte durchgeführt.


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    - Stärkung der Kommunen (personell?) für die bessere Durchsetzung der bestehenden Rechtsverordnungen - Joa. Da widerspricht sicher keiner. Außer Denen, die die Haushaltsplanungen aufsetzen.

    - Moderne Finanzierungsmodelle - was für Modelle, warum so unkonkret?

    Sobald es ums Geld geht, wird es dann ja eh dünn werden ... :-D

    Ich würde zumindest mal appellieren, dass die Kosten für beschlagnahmte Tiere und Fundtiere bis zur Vermittlung von der Gemeinde getragen werden und nicht nach kurzer Zeit Eigentum und Verantwortung auf den Tierschutzverein übergeht.




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    Ich verstehe den sehr emotionalen Appell und den Gehalt völlig. Aber wirklich hilfreich finde ich ihn nicht. Bin eher skeptisch, dass er, sollte er überhaupt etwas bewirken, das bewirken, was sich die Appellierenden vorstellen. Bzw. bin ich echt nicht sicher, ob da wirklich eine einheitliche Vorstellung besteht.

    Ich glaube, die Initiatoren und ihr Umfeld haben eine sehr konkrete Vorstellung, aber ob die in der Hundeszene mehrheitsfähig ist? Es bräuchte wohl einen größeren Zusammenschluss verschiedener Richtungen. Ansonsten wird man am Ende sehen, von wem sich die Politiker beraten lassen und danach wird sich das Ergebnis richten. Was man braucht, wäre zunächst mal eine Lobby, die in der Politik angehört wird.

    Tierheime klagen, dass sie übervoll sind und keine Hunde aufnehmen bzw. sich kümmern können... und importieren aber Hunde aus dem Ausland?

    Ich verstehe das nicht, nein.

    Ich schon. Bei den Hunden aus dem Ausland handelt es sich in der Regel um leicht zu vermittelnde Junghunde, für die es durchaus einen Markt und Interessenten gibt. So können auch Hundehalter im Tierheim fündig werden, die nicht genügend Erfahrung für einen typischen deutschen Abgabehund mitbringen oder auch Hundehalter, die einen jüngeren Hund möchten. Es ist doch schön, wenn diese bereits vorhandenen Junghunde so ein Zuhause finden und die Interessenten ihre Hunde nicht bei ebay kaufen. Schaue ich mir nämlich die Vermittlungsseiten der Tierheime an, dann ist da kaum noch ein Hund dabei, der relativ unkompliziert an einen typischen Hundehalter evtl. noch mit Familie vermittelt werden kann.

    Uff - aber da guck ich nicht mal 3 Minuten und sehe einen Tierschutzverein, der selbst Hunde aus dem Ausland importiert und weiter vermittelt.

    Ich kenne den Tierschutz´verein Koblenz ein bisschen, die da involviert sind - und die importieren auch sehr viele Auslandshunde.

    Das ergibt für mich tatsächlichen keinen Sinn.

    Warum nicht? Wenn es vernünftig gemacht wird, man entsprechende Programme im Ausland auflegt oder unterstützt, die Tiere sorgsam ausgesucht werden, Zeit haben in Deutschland anzukommen, man die Neubesitzer sorgsam aussucht, helfend zur Seite steht und den Hund im Falle einer Abgabe auch zurücknimmt. Was spricht dagegen?

    Mir ist eigentlich die Lebensqualität von Hunden, die Menschen schwer verletzen, ziemlich egal.

    Wenn nur die Hälfte soviel diskutiert werden würde, welche Lebensqualität Opfer mit entstellten Gesichtern, durchtrennten Muskeln, Sehnen oder Knochen nach solchen Vorfällen haben.

    Ich hoffe, du meinst das nicht so, wie du es geschrieben hast. Sind wir uns einig darüber, dass ein Hund "schuldunfähig" ist? Dann verstehe ich nicht, warum es dir egal ist, wenn ein Tier unter tierschutzrelevanten Bedingungen gehalten wird. Egal, was ein Tier getan hat, entweder ich halte es nach einem Vorfall tierschutzgerecht und das bedeutet, dass es Lebensqualität hat, oder ich töte es.

    Und wenn ich töte, was mMn in vielen Fällen auch völlig in Ordnung geht und ja auch schon überall in Deutschland so praktiziert wird, dann muss entschieden werden, ab wann eine Tötung gerechtfertigt ist. Und diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern ist immer abhängig vom individuellen Fall und den vorhandenen Möglichkeiten.

    Ich habe hier ein Bsp. von einem gefährlichen Hund eingestellt, der sowohl schwer verletzt hat als auch als ein solcher eingestuft wurde. Und die Meinungen gingen von, "den hätte ich nach der ersten Übergriffigkeit direkt töten lassen" bis zu "der lässt sich doch händeln und ist nicht gemeint". Das heißt, wir sind uns gar nicht einmal darüber einig, welche Hunde wir überhaupt meinen.

    Hast Du nicht selbst geschrieben, dass das die Menschen vorort entscheiden müssen?

    Ich empfinde es als ziemlich fragwürdig, als Unbeteiligte jetzt willkürlich Beispiele von in Einrichtungen untergebrachten Hunden herauszupicken und plakativ öffentlich zur Diskussion zu stellen, ob das nun Abschusskandidaten sein sollen oder nicht. Sowas verschärft die schwierige Situation doch nur noch.

    Genau darum geht es mir. Von außen lässt es sich so einfach sagen, solche Hunde sollten eingeschläfert werden, wo ist denn da die Lebensqualität. Aber so einfach schwarz und weiß ist eine solche Entscheidung nicht und man kann sie auch nicht anhand einiger weniger Daten oder Eindrücke fällen. Das sollen doch bitte die Menschen tun, die vor Ort sind und das Tier kennen und mit ihm arbeiten und eben auch die örtlichen Bedingungen und Möglichkeiten einschätzen können.

    Der hat doch Kontakt zu Artgenossen und auch zu Menschen, wenn ich das richtig lese. Das ist jetzt (rein von dem was da steht!) nicht meine Definition von einem Leben das nicht lebenswert ist.

    Gerd (das Video war ja der Ausloeser) spricht von anderen Hunden :nixweiss:

    Der hier vllt? Seit 5 Jahren im Tierheim und noch immer nicht händelbar. Kontakt zu Artgenossen ist möglich.

    Hunde - Tiervermittlung - Tierschutzzentrum - Umwelt - Leben in Dortmund - Stadtportal dortmund.de

    *Sascha*, wo bleibt da das Wohl und die artgerechte Haltung des Tieres?

    Wie gesagt, das ist mMn immer eine Einzelfallentscheidung und muss vor Ort entschieden werden. Woher soll ich denn als Außenstehender wissen, wie es dem Hund geht. Wie gesagt, ich würde mich da nicht einmischen, weder weil ich pauschal für, noch weil ich pauschal gegen eine Tötung bin. Wenn die Menschen vor Ort zu dem Schluss kommen, dass der Hund keine bzw. nur noch eine geringe Lebensqualität hat oder eine tiergerechte Haltung nicht ermöglicht werden kann oder der Hund eine nicht kalkulierbare Gefährdung darstellt, dann bin ich dafür, dass er eingeschläfert wird. Wenn die Menschen vor Ort der Meinung sind, dass sie dem Hund ein lebenswertes Leben bieten können und das Gefahrenpotential im Management als hinnehmbar bewerten, dann bin ich nicht dafür, dass der Hund eingeschläfert wird. Wenn ein Hund nur deswegen nicht eingeschläfert wird, weil man den Shitstorm oder Spendeneinbußen fürchtet, dann ist das traurig und falsch. Ich habe dafür aber keine Lösung, denn sowenig wie ich Hundehalter zu mehr Verantwortungsbewusstsein zwingen kann, genausowenig kann ich die Einstellung der Menschen ändern, die grundsätzlich gegen die Tötung von schwer verhaltensauffälligen und schwer gefährlichen Hunden sind.

    Sorry, ich tue mich mit dem Begriff "gefährlich" einfach schwer, da diese Einstufung aktuell ziemlich inflationär an Hunde vergeben wird (zumindest in einigen BL).