Die Frage ist ja nicht, ob man dem Hund etwas zumutet, sondern ob er es aushalten würde. Und was für welchen Hund welchen Stress bedeutet, das ist ja höchst individuell und hat neben der Genetik eben auch etwas mit der Sozialisierung, der Habituation und eben dem alltäglichen Lebensumfeld zu tun. Mein Hund hat mit Menschen z.B. gar keinen Stress, aber eben mit fremden Hunden. Der hat also auf einem Jahrmarkt viel weniger Stress, als auf einer Hundewiese. Trotzdem muss er manche Situationen eben auch einfach mal aushalten können. Das heißt nicht, dass das sein tägliches Brot ist, aber gerade einen Welpen/einen jungen Hund sollte man bestmöglich auf sein späteres Leben in der menschlichen Gesellschaft vorbereiten, damit er auch in komplexeren Situationen souverän bleiben kann und weder aggressiv noch ängstlich reagieren muss.
In einem Wesenstest werden Situationen gestellt, von denen die Gesellschaft erwartet, dass sich ein Hund in diesen souverän verhält und in keinem Fall übermäßig aggressiv reagiert bzw. dass der Halter seinen Hund souverän durch solche Situationen führen kann, ohne dass er explizit auf ihn einwirken muss. Wenn der eigene Hund nun eben aus verschiedenen Gründen nicht so souverän ist, dann ist das natürlich auch kein Beinbruch, denn der Halter kann ja einfach Rücksicht auf seinen Hund nehmen und entsprechende Situationen versuchen zu meiden oder den Hund situativ mit Leine und/oder Maulkorb absichern. Das ist übrigens auch für den Menschen viel entspannter, weil man sich nicht immer mit der Dummheit anderer Menschen befassen muss.