Nun ja, ich wohn mitten im Wolfsrevier. Hinter meinem Haus beginnt der Wald, der bei Hadersfeld endet (wo die ersten Risse waren - die Schäferin dort kenn ich; das ist 1km Luftlinie von meinem Haus aus, nur Wald).
Warst Du bei der "Infoveranstaltung" in Kritzendorf? Dieser Wolf kommt von Salzburg und hat schon eine Spur an Schafrissen hinterlassen, ist quasi drauf spezialisiert schon.
Nein, ich gehe bei mir gar nicht mehr Gassi, wir waren dort immer mutterseelenallein, da geht sonst echt keiner. Die Mädels würden sich nicht aufführen, die würd ich eher unter den Arm klemmen im Fall des Falles - aber der Rüde würde total hysterisch werden, da bin ich sicher, das ist mir zu gefährlich. Ich hab auch nur Angst wegen der Hunde, alleine gehend würd ich mir keine Gedanken machen.
Ich bin deklarierte Wolfsgegnerin aus eigener Betroffenheit quasi. Es ist die Erfüllung eines Lebenstraums und war mit viel Aufwand verbunden, dass ich hier am Waldrand leb - vor allem deshalb, damit ich die Hunde nur rauslassen brauch und gleich hinterm Haus loswandern kann. Das ist alles dahin wegen dem Wolf (mit dem vor einem Jahr noch niemand gerechnet hätte, das war null absehbar). Ich würde ihm nicht nachtrauern.
Leider war ich nicht bei der Veranstaltung. War es informativ?
Das ist wirklich blöd bei dir. Hunde schnell mal in den Garten schicken, machst du wohl auch nicht mehr.
Ich bin auch sehr zwiegespalten. Der letzte Spaziergang, als beide Rüden irgendetwas angezeigt haben, war nicht toll. Vielleicht gewöhne ich mich noch daran?
Aber beide waren definitiv nicht hysterisch, sondern ganz ruhig und leise und beschwichtigend unterwegs.
Enzo - die kleine Arschgeige bei anderen Hunden - hat sich hinter mir versteckt und gewinselt.
Unangeleint ist Otis sitzengeblieben und wollte nicht weiter. An der Leine ist er im schönsten Fuss, ganz an mich gedrückt gegangen.
Irgendwie glaube ich nicht, dass Hunde sich da aufführen. Ich glaube die spüren diese ganz besondere Präsenz und Ausstrahlung des Wolfes.
Und ja, ich ärgere mich schon irgendwie. Jetzt hab ich extra Begleithunde ohne Jagdtrieb "genommen", sie möglichst gut erzogen, sodass sie ohne Leine laufen können, weil sie am Weg bleiben, nicht stöbern, nicht jagen - im Gegenteil, sie bekommen wirklich gar nix mit, was so an Wild herumkreucht und selbst das Reh das mitten am Weg stand, haben sie nur angeschaut und als es weiterspringt, tüddeln sie auch weiter und nicht mal wo es stand haben sie interessiert an den Spuren gerochen, sondern darüber hinweg laufen - und dann muss ich sie eng bei mir führen.
Ich kann sie nicht mehr in der Au schwimmen lassen, nicht mehr fangen spielen lassen, sie können nicht mehr nackig - nur mit Markenhalsband - herumlaufen, sondern müssen wie in den "schlimmsten Zeiten" mit Geschirr und Schlepp/Flexi unterwegs sein.
Genauso die Größe der Hunde. So was Kleines war jetzt nicht meine erste Wahl, aber bei der Größe habe ich kein Problem auch meinen 11jährigen alleine mal loszuschicken.
Er ist gerne mit seinen Freunden und 1-2 Hunden alleine eine Runde auf den Buchberg gegangen.
Das dürfen sie nicht mehr.
Ich WEIß, dass der Wolf nicht blutrünstig ist und Kinder anfällt, trotzdem ist mir unwohl, wenn mein Sohn mit seinen Freunden loszieht und ein wenig Selbständigkeit entdeckt.
Ich versuche offen zu sein für den Wolf.
Aber ich bin schon so egoistisch, dass ich gerne unbeschwert mit meinen Hunden und Kindern im Wald spazieren gehen möchte, ohne Angst um sie/uns zu haben.
Vielleicht brauche ich auch einfach nur Zeit..