Beiträge von Marabea

    Ich war gestern mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen (oder eher falschen?) Ort: Mit einem leckeren Latte vor mir als unfreiwillige Mithörerin des Gesprächs zweier älterer Damen am Nachbartisch, die über einen Bekannten - nennen wir ihn "Egon" redeten...

    A: Hast du schon was von Egon gehört? Der hatte doch ne Prostata-Operation...
    B: Was? Der Arme! Wie geht es ihm denn?
    A: Nicht so gut. Er ist jetzt auch noch insolvent.
    B: Wie das denn? Wegen der Operation? Wieso musste er die denn selbst bezahlen?
    A: Was denn bezahlen???? Ich meine: Er muss jetzt sogar Windeln tragen!!!
    B: Oh! Der Arme... BlaBla...

    (Da musste ich mich doch zusammenreißen... :D und nicht lachen..., nur leise :lachtot: )

    @Stachelschnecke: Super Wahl, wenn du politisch interessiert bist (Apartheidssystem in Südafrika als Hintergrund). Coetzee ist ein großartiger Erzähler. Schau dir mal das jeweilige Resümee an, welche Thematik der beiden Romane dich mehr "anspringt". Über "Schande" habe ich ja hier oder im Challenge-Thread etwas geschrieben. Bin also gespannt zu hören, wie du diesen Autor erlebst. Mich haben beide Werke sehr berührt - vielleicht auch, weil ich einige Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika war und viele Aspekte von "Eherne Zeit" intensiv nacherlebt habe.

    @Teetrinkerin: Hast du schon mit der "Buchhandlung" angefangen? Ich stelle es erst einmal zurück, dann können wir uns besser austauschen darüber.

    Inzwischen habe ich den neuen Krimi von Eric Berg "So bitter die Rache" beendet und bin enttäuscht. Die wenigen - aber überwiegend begeisterten - Rezensionen, die es bereits auf Amazon gibt, kann ich nicht teilen. Also kommt es in den Kreislauf von Rebuy und Co.

    Spoiler anzeigen

    Die Protagonisten bleiben farblos und unsympathisch. Ellen, die sich in dem hübschen vollmöblierten Haus in Heiligendamm niederlässt und erfährt, dass dort vor 6 Jahren ein Dreifachmord passiert ist, recherchiert und findet nebenbei die beiden Mörder. Der "Erbauer" als vereinsamter "Big Brother" ist übergriffig, was das Privatleben der Bewohner angeht, die er nach seltsamen Kriterien ausgewählt hat. Der albanische nette Gärtner, der in der Blutrache verhaftet bleibt; der geistig behinderte Ruben, der mit seiner esoterisch angehauchten Mutter in der Anlage lebt und der gar nicht so harmlos ist, wie man dachte. Rubens Betreuer Sven, der das Gesetz übertritt und gleich eine Affäre beginnt. Die unterdrückte Metzgereigehilfin Birgit, die im Haus ihrer dicken und ungemein redseligen Schwester - einer ebenfalls unangenehmen Person - geduldet wird... Klischees überall. Der Plot an sich gefiel mir nicht. Trotz der zwei Zeitebenen (2010 und 2016), der Auflösung der Morde erst ganz am Ende - in einer Weise, die mich nicht überzeugte - und einiger Exkurse nach Albanien, habe ich wirkliche Spannung vermisst.

    Nun wende ich mich dem Roman von Alex Capus "Die Leben ist gut" zu und bin gespannt darauf. Der Klappentext hat mich schon mal angesprochen.

    Habe bei meinem schon erwähnten heutigen Besuch in der Buchhandlung erworben:
    - Der Trafikant (R. Seethaler) - geriet mir "zufällig" in die Hände
    - Gefrorener Schrei (T. French) - der bisher letzte Band der Reihe
    - Das Leben ist gut (A. Capus) - der neue Roman des schweizer Autors, auf den ich durch @israel aufmerksam wurde
    - Was ich euch nicht erzählte (C. Ng) - ihr neues Werk liegt schon vor, kostet aber 22 €.

    Im Moment lese ich noch den neuen Krimi von Eric Berg "So bitter die Rache", der mich aber - im Gegensatz zu seinen früheren Werken wie "Die Schattenbucht" oder "Das Nebelhaus" - bisher nicht überzeugt. Aber mal abwarten...

    Dann also zu Celeste Ngs Debütroman "Was ich euch nicht erzählte": tinybutmighty hatte ja im Februar schon etwas dazu gesagt, aber ich möchte euch dieses Buch wirklich ans Herz legen. Die Autorin zeigt darin ein überzeugendes Psychogramm der amerikanisch-chinesischen Familie Lee in den Siebzigerjahren. Ihr auktorialer Erzählstil eignet sich hervorragend, um die innere Situation der fünf Protagonisten (Mutter, Vater, 3 Kinder) darzulegen.
    "Lydia ist tot. Aber das wissen sie noch nicht." So beginnt der Roman. Warum die 15-jährige Lydia gestorben ist, wer schuld daran hat, wie jeder damit weiterleben kann - das wird erzählt. Die Atmosphäre der Sprachlosigkeit in jener Familie ist derart dicht, die Einsamkeit der Protagonisten so bedrückend, ihre seelischen Wunden so bewegend, die Erfahrungen mit Rassismus für binationale Kinder so überzeugend gezeichnet, dass der Leser Empathie - in unterschiedlicher Intensität - für alle fünf Menschen empfindet. Welche Last das Anders-Sein und die Projektion elterlicher Sehnsüchte auf die Kinder mit sich bringen, wird von C. Ng mit großem Einfühlungsvermögen dargelegt.
    Ich habe selten ein Werk gelesen, in dem das beschriebene klaustrophobische Familiensystem sich derart auf den Leser überträgt und auch ihm die Luft zum Atmen nimmt. Ein beklemmender, traurig machender Roman mit einem Hoffnungsschimmer am Ende - aber mehr soll nicht verraten werden.

    @Stachelschnecke: Schreibe dir in Kürze eine PN bzgl. Adresse ... und anderem...

    Heute in der Mittagspause kurz in die Stadt, in meine Lieblingsbuchhandlung hinein, mit vier Büchern heraus. Darunter eine Premiere: Da mich C. Ng "Was ich euch nicht erzählte" so fasziniert hat, habe ich zum ersten Mal ein E-Book noch einmal als TB gekauft - zum Ausleihen, vielleicht ja auch hier im DF. Rezension folgt.