1. Die ganze politische Situation in ihrer Ausführlichkeit, wie bereits genannt, aber vor allem, dass es EIGENTLICH für die Geschichte und den Mord keine Relevanz hatte. Es gab den Zeitgeist und die Ängste der Bevölkerung wieder, sollte vielleicht unterstreichen, warum Jack so gehandelt hat, wie er gehandelt hat, aber letztenendes war es mir zuviel. Zumal mir Jacks Handeln bis zu einem gewissen Grad trotzdem schleierhaft blieb. Klar, Simon war sein früherer Ausbilder, ein guter Freund, aber er hatte ihn seit Ewigkeiten nicht gesehen, und ist trotzdem bereit, für ihn eine derart heikle Sache zu erledigen, dass er seine Frau anlügt, seine Arbeit und Kinder vernachlässigt, einiges auf Spiel setzt, und das komplett, ohne zu wissen, worum es geht. Chrmpf, auch wenn es für ihn eine Art Wiedergutmachung war, dass er seit seinem Unfall nicht aktiv für sein Land etwas beisteuern konnte, fand ich es dann doch etwas zu viel des Guten.
2. Die ganze Sache mit Claire. Warum haben sich Marjorie und Grace sie als Opfer ausgesucht? Ich verstehe es nicht. Sie war keine Konkurrenz, in keiner Hinsicht. Sie war ein leichtes Opfer, aber das wären die anderen beiden March-Opfer (im Gegensatz zu Madeleine) vermutlich auch gewesen. So hat dieser Mord was völlig willkürliches.
3. Die Beschreibung des Mordes. Bzw. das, was vorher passiert ist. Ich hab da die Szene im Kopf, bei der Marjorie Claire befielt, ihre Unterhose auszuziehen, und es dann in etwa heißt "Für Claire war das Problem. Sie war es gewohnt, diesem Befehl/Aufforderung Folge zu leisten". Warum? Sie war nur einen Nachmittag Opfer von Mr. March, das heißt, eigentlich sollte sie es nicht gewohnt sein, ihre Unterhose für irgendwen auszuziehen. Dieser Teil hat mich sehr irritiert.
4. Die ganze Sache mit Mr. March. Es wird nicht seine erste Klasse gewesen sein, bei der er Mädchen da behalten hat, und bestimmt auch nicht die letzte. Und da ist in der ganzen Zeit nie irgendwas rausgekommen? Nie zufällig mal ein Lehrer vorbei gekommen und hat ins Klassenzimmer geschaut? Nie eins der anderen Kinder, dass den Eltern erzählt hat, dass einige Mädchen immer nach der Schule noch dableiben müssen? Ich kann mir einige Missbrauchsszenarien vorstellen, die wesentlich wahrscheinlicher nicht auffliegen, als eine "Turngruppe" im Klassenzimmer direkt nach dem Unterricht.
5. Einen Fauxpax hat sich der Verlag mit der Inhaltsangabe geleistet. Eigentlich hat die Autorin einiges an Mühe auf sich genommen, um in den Schilderungen der Toten den Eindruck entstehen zu lassen, dass Madeleine das Opfer sein könnte - der Bubikopf, das Glücksarmband, das sie kurz vorher erhalten hat, etc. Aber durch die Inhaltsangabe - die auf etwas abzielt, was erst 500 Seiten später passiert - hat der Verlag da die gesamte Spannung rausgenommen. Doof.
6. Die fortgesetzte Tragik in der Familie McCarthy. Musste das noch mit dem Bruder unbedingt sein? Die haben ihre Familie ja sowieso schon ziemlich kaputt, wenn auch nicht offensichtlich, sondern im Inneren. Und dann muss der Bruder auch noch sterben. Wofür? Ich sehe einfach keinen Grund für diese zusätzliche Tragödie.