Okay, hier muss ich jetzt ausholen.. dieses Buch hat mich auf gewisse Weise so unheimlich wütend gemacht, dass ich manchmal am liebsten mein Handy aus dem Fenster geschmissen hätte...
Es geht im Prinzip um eine indische, tief religiöse Familie (Eltern, zwei Töchter, ein jüngster Sohn), die in die USA ausgewandert sind. Den Islam leben sie sehr genau und das ist in meinen Augen auch sehr positiv an dem Buch: Man erfährt unheimlich viel, von Gebräuchen, Geschichten, den allgemeinen Inhalten und Lebensweisen, die man so sonst maximal am Rande mitbekommt, wenn überhaupt.
Was mich aber unheimlich wütend macht, ist die Sichtweise der einzelnen Protagonisten. Der Sohn ist ein Tunichtgut, wehrt sich gegen das strenge Elternhaus und die Religion, macht sein eigenes Ding, so sehr, dass er irgendwann den Drogen verfällt. Die Töchter - vor allem die Älteste - sind hingegen brav, bemühen sich um die Einhaltung der Regeln, fleißig, sittsam, strebsam in der Schule etc. Die älteste Tochter schafft es sich sogar, die Uhr ihres Vaters - ein Erbstück, dass eigentlich nur von Vater zu Sohn vererbt wird - zu "erarbeiten", obwohl sie eigentlich ihrem Bruder zustehen würde. Und am Ende macht sie sich Vorwürfe, weil sie ja eigentlich von Geburt an ihrem Bruder gehören sollte! Obwohl sie gearbeitet und gelernt hat, sich immer bemüht hat, ist sie selbst der Meinung, dass es ihr nicht zusteht! Und so sind auch die Eltern.. das, was die Mädchen leisten, ist selbstverständlich, das, was der Sohn leistet, ist was besonderes, weil er sonst ja das nicht zustande bringt. Die Strenge ihm gegenüber wird in Frage gestellt, bei den Mädchen jedoch nie usw usf. Das zieht sich durch das ganze Buch. Dieses unheimlich patriachale Bild bleibt die ganze Zeit bestehen, und dabei ist die Autorin weiblich.
Deswegen kann ich es leider nicht wirklich empfehlen. Man erfährt viel über die Kultur, aber aus feministischer Sicht ist es die reinste Katastrophe 