Ich hab endlich mein erstes Buch fertig. Für den Moment ordne ich es erstmal nur einem Punkt zu, auch wenn es theoretisch noch für ein paar andere Punkte passt.
7. Lies ein Buch in der Ego-Perspektive
Lilian's Story von Kate Grenville
Lilian's Story ist der Vorgänger zu dem Roman über den ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe, Dark Places. Wobei Vorgänger nicht ganz passt. Es ist älter, erzählt aber - zumindest in Teilen - dieselbe Geschichte wie Dark Places. Nur der Erzähler ist ein anderer. In Lilian's Story ist die Erzählerin die Tochter einer gehobenen mittelständigen Familie mit gut Geld, die um 1900 in Sydney geboren ist, Dark Places dreht sich um ihren Vater Albion.
Es ist faszinierend dieselben Situationen aus zwei vollkommen unterschiedlichen Sichtweisen zu betrachten. Teilweise glichen sie sich kaum.
Ich fand allerdings die Sprache in Lilian's Story etwas kompliziert. Lilian erzählt durchgängig alles sehr verworren und es ist manchmal echt schwer ihr zu folgen.
Ein bisschen was zum Inhalt der beiden Bücher:
Spoiler anzeigen
Das Buch oder besser gesagt beide Bücher haben ein sehr ernstes Thema.
Zum einen ist Lilian's Story die Geschichte einer jungen Frau die ihr Leben nach Vergewaltigung durch ihren eigenen Vater wieder in den Griff bekommen muss und es auch irgendwie tut, wenn auch nicht auf eine Art wie wir sie uns vorstellen würden. Zum anderen auch das Leben und Aufwachsens eines sehr klugen und nicht in die Vorstellung anderer passenden Mädchens in einer Zeit in der Frauen noch nicht gleichgestellt waren.
Ich fand Lilian's Weg sehr interessant und auch wie sie die Dinge die ihr passieren vor selbst rechtfertigt und am Ende doch ohne ernsthaftes Bedauern auf ihr Leben zurückblicken kann.
Dark Places ist im Gegensatz dazu die Geschichte eines Jungen, der nicht für seine Zeit geschaffen war und zu einem regelrechten Monster heranwächst. Er hadert mit konstanten Identitätsproblemen, welche letztlich auch zur Vergewaltigung seiner Tochter führen.
Hier liegt natürlich die Besonderheit darin, dass man als Leser Einblick in den Kopf eines Mannes erhält, der für uns nach außen einfach ein furchtbarer Mensch ist.
Dazu bekommt man auch seine Hintergrundsgeschichte, die einem irgendwie auch einen Zugang gewährt und einen, zumindest am Anfang, mit ihm mitfühlen lässt.
Alles in allem aber ein interessantes Buch, vor allem eben der Weg den Lilian bestreitet und wie sie am Ende ihr Leben lebt.
Ich bin froh es gelesen zu haben, aber nochmal werde ich es vermutlich nicht zur Hand nehmen.
Ich fand Dark Places definitiv besser, aber finde es empfehlenswert beide zu lesen.