"Mad Honey" von Jennifer Finney Boylan und Jodi Picoult
Ich war als Jugendliche und junge Erwachsene immer großer Picoult-Fan und verschlang ihre Romane (die meisten davon habe ich tatsächlich mehrmals gelesen). Irgendwann war für mich aber die Luft ein wenig raus und so griff ich nun zum ersten Mal seit Längerem mal wieder zu einem neuen Werk Picoults, welches sie gemeinsam mit Jennifer F. Boylan verfasste.
Ich hatte keine Ahnung, was mich thematisch erwarten würde, weiß aber natürlich, dass Picoult sich in ihren Romanen häufig aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen und moralischen Dilemmata widmet und meist gibt es ja auch noch eine große Gerichtsverhandlung - und ich wurde nicht enttäuscht. "Mad Honey" ist ein ziemlich typisches Picoult-Werk - inklusive der obligatorischen ein bis zwei größeren Plot-Twists, die ich hier insgesamt aber auch, wie schon früher so oft, durchaus gelungen fand.
Achtung, Spoiler zur Thematik:
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Lily ist trans - das kommt erst im Laufe der Gerichtsverhandlung ans Licht. Zuerst war ich ein wenig zwiegespalten ob dieser Enthüllung, weil ich es nicht immer gerne mag, wenn so etwas erst nach längerer nger Zeit hinauskommt - hat für mich oft etwas irgendwie Voyeuristisches, und wirkt, als würden Autor*innen solche Thematiken ausschlachten, um Aufmerksamkeit zu generieren.
Picoult und Boylan, die übrigens selbst trans ist, haben mich hier aber schnell überzeugt - denn sie haben das Thema auf wirklich feinfühlige Weise behandelt.
Ich hatte ja schon seit "Sing You Home" überlegt, wann Picoult wohl Transidentität in einem ihrer Bücher aufgreifen würde, und freue mich, dass sie dies nun gewagt und gewohnt gekonnt umgesetzt hat.
Spoiler zum Ende
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Von der eigentlichen Auflösung um Lilys Tod war ich zugegebermaßen etwas enttäuscht. Das ist dann doch sehr amtiklimaktisch und die Art und Weise, wie die Schuldige erzählt, was wirklich vorgefallen ist, fand ich ehrlich gesagt ziemlich unglaubwürdig und unrealistisch. Da wäre mir ein offen bleibendes Ende fast lieber gewesen. Allerdings tut dies dem Spannungsbogen im Buch an sich keinen Abbruch.