Ich denke, man muss ganz klar zwischen Dominanz und Rudelführerschaft unterscheiden.
Ein "Rudelführer" zeichnet sich eben nicht dadurch aus, dass er sich ständig dominant aufführt.
Dominantes Verhalten kann auch aus Unsicherheit hervorgerufen werden - und genau das sollte ein Rudelführer nicht sein.
Des weiteren muss man auch ganz klar unterscheiden zwischen der Dominanz aus Hundesicht und aus Menschensicht.
Wenn ich meinem Hund Freiheiten beschränke (zB darf er nicht einfach so über eine Straße rennen, muss sitz machen, wenn ich das möchte), habe ich ihn aus meiner Sicht schon dominiert, indem ich meinen Willen durchgesetzt, und er sich diesem "gebeugt" hat (aus meiner Sicht!). Ich muss den Hund im Alltagsleben kontrollieren, anders geht es gar nicht; ich bin der bestimmende - dominante - Teil in unserer Beziehung.
Aus Hundesicht hat er einfach ein erlerntes Kommando befolgt, weil er dafür belohnt wird bzw weil er unserer Führung vertraut.
Und zum Dominanzverhalten aus Hundesicht gehört schon mehr, als ein Stück Kuchen vor ihm zu essen. Die ganze hündische Körpersprache etc können wir als Menschen überhaupt nicht nachahmen, als dass wir dem Hund unser "Vorhaben" deutlich machen könnten.
Und da ja schließich alles um die Erziehung des Hundes geht, ist jetzt also die Frage, was wir für eine Beziehung zu unserem Hund wollen:
Wollen wir ein souverän führender Partner sein?
Oder ein unverlässlicher, willkürlicher Herrscher?
Ersteres schaffen wir nur, wenn der Hund uns vertraut, wenn er sich auf uns verlassen kann, wir verständlich klar machen, was wir wollen und dies konsequent durchsetzen. Ob wir dabei zuerst ein Stück Kuchen essen, ist dem Hund egal.
Und aufgrund dieser Basis können wir dem Hund durch Zusammenarbeit Gehorsam beibringen.
Letzteres werden wir, wenn wir uns unsicher und inkonsistent verhalten - da können wir noch so oft vor dem Hund essen, wie wir wollen, so oft ihn auf den Rücken drehen, so oft voraus laufen. Sobald wir inkonsequent sind, nimmt uns der Hund nicht ernst. Wir verhalten uns dem Hund gegenüber unberechenbar und nicht verständlich, und er verliert das Vertrauen in uns. Wieso also sollte er einer solchen Person gehorchen? Da kommt dann die "Lösung" psychische und physische Gewalt ins Spiel. Ohne Frage, so kann man Gehorsam auch erreichen. Ob es erwünscht ist, so einen Hund zu haben, der aufgrund von Angst und Meideverhalten unseren Befehlen folgt, ist eine andere Sache.
@ Scherbenstern: Wieso frech? Du gibst doch nun wirklich keinen revolutionären Standpunkt wieder...
Ein wenig überheblich sah es von hier unten allerdings schon aus. 