Zum Thema Abgabe: Wie du ja weißt war das bei uns ja auch schon ein großesThema und ich kann dich gut verstehen. Bevor ich Jordi bekommen habe, konnte ich die Leute nie verstehen, die ihren Hund abgeben. Nun kann ich es. Es gibt einfach Umstände, da geht’s nicht mehr und dann ist es für alle beteiligten besser, wenn der Hund ein anderes schönes zuhause findet. Ich will damit nicht sagen, dass du sie jetzt abgeben sollst, aber ich finde den Gedanken nicht verwerflich oder verurteile ihn.
Du machst so viel für sie und irgendwann ist eine Grenze erreicht. Ich bin ja auch ein sehr aufopferungsvoller Mensch und verliere mich dann gerne mal. Es ist wirklich ein schmaler grad, inwiefern man sich für den Hund einschränkt damit er nicht leidet und inwiefern man selber leiden kann. Mein leidensdruck war zwischenzeitlich zu groß und ich hatte Jordi nicht behalten, wenn es sichnicht gebessert hätte. Die Hundehaltung soll ja eigentlich bereichernd sein und nicht zu einem Ballast werden.
Ich hätte das früher nicht so gedacht, aber inzwischen glaube ich, dass wirklich einfach nicht jeder Hund in jedes Leben und in jede Lebenssituation passt. Früher war mir aber eben auch nicht klar, wie spezialisiert viele Hunderassen sind, also dass sie traditionell für ganz bestimmte Aufgaben in ganz bestimmten Umgebungen und ganz bestimmten Einsatzsituationen gezüchtet worden sind. Für viele Hunderassen liegen diese Zeiten nur ein paar Generationen zurück oder sind immer noch aktuell.
Hunde sind zwar außerordentlich anpassungsfähig, aber selbst sie kommen auch mit all ihrem Willen und ihrer Entschlossenheit ggf. nicht gegen hunderte von Jahren an Zuchtauslese & Genetik an.
Das oben hat jetzt nicht direkt etwas mit dem Alleinebleiben zu tun, aber wenn man sich für einen Hund bereits sehr verbiegen muss, um dessen Bedürfnissen möglichst weit entgegenzukommen, bekommt auch eine Alleinbleibproblematik mehr Gewicht.
Im Sinne von Mensch und Hund ist dann ja auch die Frage, inwieweit der gegenseitige Kompromiss (denn auch der Hund muss ja massive Kompromisse machen) für beide Teile des Teams ok ist.
Das kann jeder Halter nur vollkommen individuell für sich und seinen Hund beantworten und sicherlich fällt diese Antwort auch je nach Tageszeit, Nervenkraft, Jahreszeit, etc. anders aus.
Aber wie bereits weiter oben in einem anderen Beitrag geschrieben, ich glaube inzwischen wirklich, dass ein (übertrieben gesagt) sich Aufopfern für den Hund auch dem Hund nicht guttut.
Jedes soziale Lebewesen möchte akzeptiert, geliebt und gerne auch bewundert werden für das, was es ist. Dann geht es ihm gut. Immer wieder zu merken, dass man irgendwie Probleme bereitet, dass man immer wieder irgendwie schlechte Stimmung auslöst und dass die eigenen Bedürfnisse anderen eine Last sind, das ist einfach nicht schön und kann natürlich nicht glücklich machen. ... und kein Mensch kann eine solche Situation dauerhaft glaubwürdig überspielen.
Auf einem anderen, aber dazugehörigen Blatt stehen eventuelle, selbst eingeredete Schuldgefühle des Haltes. In diesem Fall rede ich mal als Beispiel von mir :) Ich habe in den ersten beiden Jahren mit Elvis oft gedacht, er wäre bei einem Jäger besser aufgehoben. Bis mir klar wurde, dass kein Jäger Elvis als Jagdhund einsetzen würde, ganz besonders nicht in Deutschland. Es hat mir geholfen, zu realisieren, dass ich möglicherweise tatsächlich Elvis' beste Option bin. Mit all meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Ohne diese Schuldgefühle ging es mir und damit auch Elvis dann plötzlich besser.
Darum finde ich es auch wichtig, sich ganz realistisch zu überlegen, wie die für den Hund bessere Option aussehen würde. Unter welchen Haltungsbedingungen würde der Hund aufblühen. Die kann man dann ggf. suchen oder ein lebenswertes Arrangement in diese Richtung finden.
Last not least habe ich in den letzten Wochen viel gelesen und ein Fazit daraus ist, dass der Halter für den Hund eher die Elternrolle übernimmt als die "Chefrolle". Wir als Halter tun vieles für unsere Hunde, was die Eltern für einen Kaniden tun, bevor er sich selbständig macht und seine eigene Familie gründet (wir beschaffen ihnen Nahrung, füttern sie, pflegen sie, streicheln sie, umsorgen sie, geben ihnen einen Ort an dem sie sicher etc.). Das finde ich wichtig im Kopf zu haben, damit dem Hund nicht zu viel Verantwortung zugeschoben wird. und man sauer wird, weil der Hund nicht "mitmacht". Sie sind eben keine gleichebrechtigten Partner :)
Aber ich glaube eben auch wie gesagt, dass bei aller Fürsorge, es Hunde gibt, die nicht für jede Sitation "passend" gemacht werden können.
Uff, sorry, langer Text, kein echtes Fazit.
Ich glaube, was ich sagen will ist, dass einfach nicht alles machbar ist und man sich und seinem Hund auch das Leben sehr schwer machen kann, wenn man das versucht. Gleichzeitg glaube ich aber ebenso, dass es grandiose, kompromissbeladene Arrangements gibt, in denen alle Beteiligten ihr persönliches Glück finden. Mögen U und M gemeinsam in den Sonnenuntergang spazieren, vielleicht irgendwo außerhalb des Molochs der Großstadt, wo U dann ihre gechillte Seite auspacken kann.