Ich hab es mal getestet- Wien zur Mittagszeit am Wochenende über die Mariahlferstraße... mit einem Chihuahua-Welpen auf dem Arm.
Für eine Strecke, für die ich normalerweise keine 15min brauche brauchte ich damals tatsächlich 45min. Und das ohne dass der Welpe angegrabbelt wurde- einfach nur weil jeder Hinz und Kunz sich genötigt fühlte mich anzuquasseln.
Ich halte an sich gerne ein kurzes Pläuschchen und über die Hunde unterhalte ich mich auch gleich 5x lieber. Aber so was ist einfach ANSTRENGEND.
Beim ersten Mal ist es ja ganz nett, beim zweiten auch noch. Wenn man aber auf einer kurzen Runde 7x angequasselt wird vergeht einem irgendwann die Lust an den Mitmenschen.
Und ja, ich finde viele Hunde auch toll. Aber dann bleibt es bei einem Blick zum Hund und einem Lächeln für den Besitzer. Wenn der Besitzer reden möchte kann er ja gerne stehen bleiben und so seine Bereitschaft für ein Gespräch signalisieren. Wenn er weitergeht bedeutet das für mich "kompliment angekommen, an gespräch kein Interesse".
Ich hatte mit Poco und Abbey weniger das Grabbelei-Problem (dafür sind sie einfach zu klein) als tatsächlich ungefragtes Hochheben. Ist mir aber nur bei Poco 2x passiert (da wurde es dann etwas lauter
), bei Abbey hatte ich bereits Augen im Hinterkopf und einen 360° Blick für Deppen entwickelt.
Ich finde man sollte dem Hund die Wahl lassen- Poco ist auch so ein unterkuscheltes, armes Ding dass nie Aufmerksamkeit bekommt. Der darf von mir aus gern in Leute kriechen wenn die ihn schmusen wollen. Abbey bekommt bei Fremden Panik und Darcey findet sie unnötig (lässt sich auch nicht anlocken). Cici übt sich in totalem Desinteresse.
Wo mir ABSOLUT der Kamm schwillt (und ich auch keine Hemmungen habe an belebten Orten richtig laut zu werden) ist wenn ich den Hund auf dem Arm habe und da hingegrabbelt wird. Da geht es nämlich um MEINE Wohlfühldistanz die unterschritten wird. Und zwar bewusst und mit voller Absicht. Da werd ich mehr als eklig. (und ja, ich weiß dass man sich nicht immer nen 2m-Radius um sich herum freihalten kann. Aber für mich macht es einen Unterschied ob mir ein Mensch auf die Pelle rückt weil es in der Bahn eng ist oder er mir bewusst quasi auf die Füße latscht um an den Hund zu kommen).
Ebenso auf "WARUM?". Böses wort bei dem mir inzwischen (nach 9 Jahren Kleinsthundehaltersein) dezent die Selbstbeherrschung flöten geht. Woher kommt diese widerliche Eigenschaft noch mal pentrant nachzubohren. Warum? Weil ich gerade hellblaue Einhörner beobachten will! Egal, es ist ein Nein und das hat man zu akzeptieren! Das klappt bei Kindern übrigens deutlich besser als bei Erwachsenen. Die Kleinen fragen zwar auch öfter nach, aber bei denen hab ich das Gefühl die sind auch wirklich an der Antwort interessiert und suchen nicht nur nach einem Argument ihren Willen doch noch zu bekommen.
Was mich oft stört (und ich deshalb nur ungerne auch bei Poco fremdbetatschen zulasse) ist dass sich Menschen nicht an Spielregeln halten können (oder wollen). Kein Hochheben, kein Kopf angrabbeln und nicht zum springen ermuntern. Dann wird der Hund gelockt, hüpft herum und bekommt erst mal saftig über den Kopp gepatscht. Und Hochheben verhindere ich bereits im Ansatz, aber es gäbe genug Leute die es versuchen würden (knapp 30cm SH sind zum kraulen auch etwas unbequem...)
Übrigens bekommen es Menschen meiner Erfahrung nach nicht hin einem Hund zu wiederstehen. Poco ist ein Charmeur und immer mindestens chronisch Unterkuschelt. Aber es gibt momente da will ich nur von A nach B ohne dazwischen die 5-fache Zeit zu brauchen. Da schafft es auch keiner auf ein "bitte NICHT streicheln, wir haben es eilig" den hund nicht anzupatschen.