Für mich ist es daneben, jemanden pauschal ein "Armutszeugnis" zu bescheinigen. Tust du das auch bei Leuten, bei denen der Hund lebenslang Leinenknast hat, weil alle sanften Methoden ausgereizt sind und die Leute aus puren Narzissmus nicht über ihren Schatten springen können, evtl. doch noch einmal ihre Methode zu überdenken?Ich bin weder ein Freund von rumbrüllen, rumschubsen, ansprühen oder anderer Formen von "Gewalt", aber ich verurteile niemanden, weil er zu einer anderern Erziehungsmethode als ich greift.
Ich finde Leinenknast für Hunde schrecklich. Und wenn man dem jagenden Hund mit einem Sprüher (nicht Elektroschock oder Überschlag an der Schlepp) klar macht, dass Stopp ihn vor Schlimmen bewahrt, sehe ich da kein Verstoß gegen die Menschlichkeit. Ein normaler Hund steckt das weg.Es wird immer Menschen geben, die Dinge anders machen als ich. Die sind doch nicht pauschal alle blöd und unfähig.
Mein Hund lief neun Monate an der Schlepp und durfte gar nichts und wurde fast nur draußen gefüttert. Fanden auch alle scheiße. Dafür läuft er heute zu 90% offline und führt ein schönes Leben mit vielen Freiheiten.
Nein, tue ich nicht - weil für mich Leinenspaziergänge kein Weltuntergang sind. (Und für die allermeisten Hunde auch nicht, wenn man sich die Mühe macht und ihnen regelmäßig Freilauf in umzäuntem Gebiet ermöglicht. Die Windhundehalter können ein Lied davon singen...) Was mir allerdings nicht im Traum einfallen würde, wäre, meinen Hund mittels extremem Schreckreiz von einem für ihn völlig natürlichen Verhalten abzubringen. Das Problem bei solchen Methoden ist für mich halt immer: nehmen wir mal an, ich habe da einen Hund, der sich durch keine Ansprache, kein sorgfältig trainiertes Kommando, etc. von Jagen abhalten lässt - und mit einem Sprühstoß klappt das dann plötzlich doch - dann bleiben da zwei Möglichkeiten; entweder, der Sprühstoß ist tatsächlich sehr harmlos, dann kann das Jagdverhalten nicht so heftig gewesen sein, sonst würde eine "kleine Sprüheinheit" ihn nicht aus seinem Tunnelblick holen; oder der Sprühstoß ist doch nicht so harmlos wie gedacht, wenn er es schafft, ein genetisch fixiertes Verhalten in starker Ausprägung mit dem damiteinhergehenden Schreck zu unterbrechen... So oder so rechtfertigt das in meinen Augen nicht den Einsatz von solchen Hilfsmitteln.
Und davon mal ab: hier ging's um Bellen. Das ist nicht gefährlich, das ist bloß nervig. Und es zeigt, dass der Hund ganz offensichtlich ein Problem in der Situation hat und/oder nie Ruhe (in dieser Situation auf dem Hundeplatz) gelernt hat. Das jetzt mit Sprühstößen zu deckeln, anstatt dem Hund durch die Situation zu helfen... yep, das wäre m.M.n. ein Armutszeugnis für den Halter.
Und nein, natürlich sind nicht alle Menschen, die eine andere Erziehungsmethode wählen, gleich dumm oder unfähig. Aber der Einsatz dieser Sprühhalsbänder erfolgt in der deutlichen Mehrzahl der Fälle in Situationen, in denen es rein um die Bequemlichkeit des Menschen geht. Wie der Hund sich dabei fühlt, welche Bedürfnisse er gerade hat, ist dabei meist egal, das störende "Problem" soll bloß abgestellt werden. Und das ist genau das, was mir dabei sauer aufstößt. Wenn du eine Methode hast, bei der ein bellender Hund über Schreckreize nicht nur gedeckelt wird, sondern wirklich etwas lernt und sich mit seinem ursprünglichen Problem auseinandersetzen kann, beschäftige ich mich damit gerne (in der Theorie).