Beiträge von straalster

    Jedes Elternteil möchte für sein Kind das Beste

    Dieses Klischee hasse ich. Nein. Nicht jedes Elternteil will das. Nur weil Samen- auf Eizelle traf, will nicht automatisch jeder Genspender das Beste für sein Kind.

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    Beim Stillen ist es ein bisschen wie beim sonstigen Essen finde ich - es gibt da so viele Unterschiede, so viel zu berücksichtigen und auch so viele Vorurteile. So viel unbedachte Kritik. Aktuell ist es ja eher die Tendenz: "Waaaaasss, dass Kind bekommt eine Flasche??? Geht ja gar nicht!"

    Dass vielleicht nicht gestillt wird, weil es durch einen zu schwachen Saugreflex des Kindes nicht geht oder durch eine notwendige Medikamenteneinnahme der Mutter - daran denken nur wenige.

    Dass manche Menschen vielleicht sehr wohl durchdacht haben, was sie ihren Kindern geben - "neee, also solange die kein Fleisch bekommen, ist das Vernachlässigung". Aber im Supermarkt wird dann gelächelt, wenn ein offensichtlich bereits übergewichtiger Knirps eine Billigwurst in die Hand gedrückt bekommt oder sich hauptsächlich von Nutella auf Weißbrot und Süßigkeiten ernährt und sowas wie Obst und Gemüse nur vom Sehen kennt.

    Ich finde es sehr schade, dass da - meiner Meinung nach - irgendwas verkehrt läuft. Bei Nichtigkeiten oder vermeintlichen Verstößen draufhauen, bei wirklicher Vernachlässigung schaut dann aber fast jeder weg und hält den Mund.

    Und ich meine das nicht vorwurfsvoll und ich nehme mich nicht aus.

    Mir wurde mal die Frage gestellt: Warum hältst du eigentlich fleischfressende Tiere, wenn du selbst Vegetarier bist?

    Da hatte ich vorher nicht einmal im Ansatz drüber nachgedacht.

    Das finde ich zum Beispiel gar nicht fragwürdig...

    Schwierig finde ich es, wenn man dann den Hund auch vegetarisch ernährt. Denn der hat es sich ja nicht ausgesucht.

    Fragwürdig finde ich das auch nicht, ich hatte damals halt einfach noch nicht darüber nachgedacht, warum ich mir überhaupt... "erlaube" fleischfressende Tiere zu halten bzw. neu anzuschaffen, wenn ich eben selbst kein Fleisch esse. Denn eigentlich ist es ja widersprüchlich.

    Für mich war das bis dahin einfach selbstverständlich, dass ich Hunde und Katzen habe aber selbst vegetarisch/vegan lebe. :ka:

    Aber warum, wieso, weshalb ich kein Problem damit hab, ihnen Fleisch zu geben - und damit eben den Tod anderer Tiere in Kauf zu nehmen - da hatte ich vorher nicht drüber nachgedacht.

    Ich meinte damit auch nur, dass man das eigene Verhalten manchmal eben in Frage stellt/stellen muss und das ist nicht immer angenehm. Manche Menschen haben dadurch eine Abwehrhaltung, und vermeiden das einfach oder packen verbal die Keule aus.

    Wobei ich nicht so genau wissen will, wie dein Papa selbst ins Krankenhaus gefahren ist....:omg:

    In Österreich ist mal ein Arbeiter mit abgetrenntem Unterarm ins Spital gefahren.

    Bei der Einfahrt zur Notaufnahme wurde ihm gesagt, dass er da nicht stehen bleiben darf. Also hat er auch noch umgeparkt und ist dann mit seinem Arm im Arm in die Notaufnahme spaziert.

    https://mobil.news.at/a/eisenstadt-m…getrennt-spital

    Funktionieren unter Schock kann eben extreme Ausmaße annehmen.

    Ich mag mir das nur eben nicht vorstellen, weil ich dann eine Art "Phantomschmerzen" bekomme.

    Ein Fahrradunfall (ich als Fahrradfahrer wurde von einem Auto angefahren) endete auch darin, dass ich im Supermarkt stand und Leute mich völlig schockiert ansahen, weil ich weder Schmerzen hatte noch das laufende Blut an Kopf, Händen, Knie bemerkt hab. Mein einziger Gedanke war, dass ich doch noch einkaufen soll.

    Und das war ja lächerlich im Vergleich zu so vielen anderen unter Schock. Aber ich versteh es deswegen ganz gut.

    Nur wundere ich mich manchmal, dass da kein Umstehender reagiert und jemanden in diesem Zustand einfach einsammelt, wenn möglich oder Hilfe ruft.

    Warum ist also Ernährung so ein empfindsames Thema, andere Dinge aber nicht?

    Interessante Frage.

    Vielleicht, weil Essen ein Grundbedürfnis ist? Sport hingegen nicht.

    Vielleicht, weil die Entscheidung für eine gewisse Ernährungsform gerne mit einer generellen "Welt verbessern"-Einstellung in Verbindung gebracht wird - ganz egal, ob die Person diese Einstellung hat oder nicht?

    Vielleicht, weil Essen häufig in Gesellschaft geschieht und damit präsenter ist?

    Vielleicht, weil mittlerweile eigentlich jeder weiß, dass Fleisch essen Tierleid bedeutet. Und es ist einfacher, sich über andere lustig zu machen und sie zu kritisieren, als eigene Gewohnheit zu ändern?

    Man muss sich bei dieser Ernährungsfrage selbst hinterfragen. Womit kann ich leben? Was nehme ich in Kauf? Was finde ich moralisch für mich vertretbar? Und das ist anstrengend, das dauert, das ist teils schmerzhaft.

    Kaum einer möchte darüber nachdenken, dass er eventuell eine Industrie unterstützt, die für das Leid und den Tod von Milliarden an Lebewesen verantwortlich ist - einfach weil er Fleisch lecker findet. Die meisten Menschen, die ich kenne, die möchten das so abstrakt wie möglich halten und nicht ganz so genau reflektieren. Für den Burger ist keine Kuh gestorben, das Fleisch kommt doch einfach aus dem Supermarkt.

    Denn das Nachdenken hieße dann auch eventuell, dass man auf den Genuss eines Steaks verzichtet. Gewohnheit und Genuss vs. schreckliche Bilder im Kopf, sozusagen.

    Das Ignorieren der Bilder wird aber schwieriger, wenn die Person neben dir genau das durchzieht und damit moralisch überlegen wirkt - obwohl sie das vielleicht gar nicht sein will.


    Sport hingegen - machste oder machste nicht, hat wenig Auswirkung auf Umwelt und andere Wesen.

    Fleisch ins Essen mischen wenn man nicht hinschaut gehört für mich zur gleichen Liga, wie heimlich Alkohol ins Glas kippen, wenn man nicht hinschaut. Das ist so unglaublich erbärmlich. Da finde ich gar keine Worte für. |)

    Im übrigen: Wenn man sagt, man ist Vegetarier bekommt man oft die gleichen/ähnlichen Sprüche von der Art her, wie wenn man sagt, man trinkt keinen Alkohol. Wie oft ich da schon gehört habe: Bist du schwanger? Das eine Mal hab ich dann auch geantwortet: Ja, dauerhaft seit 10 Jahren. :xface:

    Alkohol untermischen finde ich schlimmer.


    Lustig war vor allem, dass ich oftmals das Essen gekocht habe. Sauce, Fleisch, Gemüse teils in zwei/ drei Varianten, immer separat - weil wehe da berühren sich Gemüse A und Gemüse B. Und für die Fleischesser hab ich das Fleisch ebenfalls zubereitet. Damit es eben jeder so essen kann, wie er mag - denn dieser isst das und das nicht. Und der andere mag das und das nicht. Ich bin darauf eingegangen, damit einfach jeder genussvoll essen kann. Und mir wurde Fleisch untergemischt, weil es ja ach so witzig ist, dass mir davon zu der Zeit übel wurde.

    Mittlerweile würde ich mir das keinesfalls gefallen lassen. Aber damals war ich da viel zu lange verhuscht.

    Ich hatte und habe immer irgendwie nachvollziehbare Gründe für jede "Ernährungsform" und ich gehe davon aus, dass es bei anderen auch so ist. :ka: Und das darf man dann auch mal so stehen lassen.

    Finde ich sehr schön zusammengefasst und ausgedrückt. :bindafür:

    Bei mir war das ähnlich. Gesundheitsbedingt musste es ab und an einen Wechsel geben. Durch neuen Wissensgewinn gab es Änderungen. Durch Änderungen der Prioritäten gab es einen Wechsel. Leben eben.

    Nach 25 Jahren als erst Vegetarier, dann Veganer, dann Pescetarier muss ich gesundheitsbedingt nun ab und an Fleisch essen. Wobei "muss" nicht stimmt. Ich könnte halt auch weiter vor mich hinsiechen oder mich immer wieder an den Tropf hängen lassen. Aber ja, da sind mir meine Schutzbefohlenen und ich wichtiger, als fleischfrei zu leben.