Beiträge von straalster

    Hörte sich für mich nur irgendwie “extremer” an, in der ersten Beschreibung. Deshalb wollte ich nachfragen wie das denn in der Praxis aussieht.

    Aah, verstehe.

    Aber in der Praxis ist das eigentlich total tiefenentspannt.

    Ich koche sehr gerne und häufig für viele Menschen. Dann gibt es die Gerichte, die alle mögen und vertragen.

    Oder eben DIY Essen. Sprich, verschiedene Zutaten und Gerichte einfach einzeln bereitstellen und jeder nimmt sich, was er will und "bastelt" dann sein eigenes Essen.

    Mal ein Beispiel für das "jeder nimmt, was er will"-Essen (das ist der bunte Teller mit allem):

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    Einer mag keine Tomaten und Zwiebeln. Also separat. Einer mag keine Gurke, also separat... usw. Es ist mir persönlich einfach egal, ob ich eine große Schüssel hinstelle oder mehrere kleine. Schnippeln muss ich so oder so. Ob ich es danach zusammenwerfe oder getrennt lasse :ka:

    Das war natürlich auch ein Lernprozess und hat sich so allmählich entwickelt. Wenn man aber die fast die immergleichen Gäste hat, ist das ziemlich einfach umzusetzen.

    Aber ja, ich frage nach, wer was nicht verträgt oder nicht isst.

    Ernst gemeinte Frage: Sagt ihr vor dem Essen alle enthaltenen Bestandteile auf, auch wenn niemand danach gefragt hat?

    Nö.

    Ich frag vor dem der Einladung zum Essen, ob es gegen irgendetwas Allergien gibt, Unverträglichkeiten oder Abneigungen bestehen und was sie am liebsten hätten. Muss ich ja auch nicht jedes Mal vor einer Einladung zum Essen machen - weiß ich nach einer Weile auswendig.

    Das klingt immer so übertrieben umständlich, finde ich. Dieses Nachfragen. Dabei ist es eigentlich nur "magst du irgendetwas nicht oder besonders gerne essen?"

    Und mit der Zeit entwickelt sich das eben. Der eine mag keine Oliven. Also gibt es die ab sofort extra. Was tatsächlich weniger Aufwand für mich bedeutet, denn ich muss sie ja nur noch daneben stellen und nicht mehr untermischen. Kein Gluten? Okay, dann gibt es das eben nicht, wenn derjenige vorbeikommt.

    Man muss ja nun nicht mit einem mal 100 neue Leute durchfüttern, sondern das wächst eben. Und ich mach auch nicht bei jedem Essen vollkommen neue Gerichte.

    Als Nicht Vegetarier versuche ich es immer mit „ich wollte das einmal probieren“.

    So ganz generell auf Essen bezogen: Das finde ich super. Einfach probieren, experimentieren, den Speiseplan erweitern und herausfinden, was schmeckt, und was nicht. Hat ein wenig was von Urlaub. Da isst man ja auch nicht unbedingt nur die vertrauten Gerichte, sondern lernt Neues kennen. Manches schmeckt und manches nicht.

    Das "nicht verraten, einfach hinstellen" würde hier nur so semi funktionieren. Einfach, weil Allergien, Unverträglichkeiten, Vorlieben, Abneigungen - da achte ich drauf und akzeptiere es auch, wenn jemand meint "ich mag keine weiße Sauce/vertrage dieses oder jenes nicht".

    Es gibt einfach für jeden etwas, dass er nicht nur essen "kann", sondern auch essen mag. Angepasst.

    Beim mediterranen Pastasalat gibt es die Oliven extra daneben stehend - weil Oma keine mag, Schwesterchen aber schon.

    Der eine verträgt Knoblauch nicht so gut, die anderen lieben und vertragen ihn - also gibt es Grillschnitte einmal mit und einmal ohne.


    Und ich bilde mir ein, dass meine Rücksichtnahme und "ich mache für jeden was er mag" innerhalb Familie und Freunden, auch ein wenig dazu beigetragen haben, dass letztendlich jemand freudestrahlend den neuesten veganen Gemüseaufstrich extra für mich als Überraschung kauft oder ich eben die "Extra-Wurst, die keine Wurst ist" bekomme und sich einfach das Image und der Geschmack geändert haben. Der Gemüsesalat ist nicht mehr "Verzicht, weil kein Fleisch dran", sondern als erstes vom Teller weggeputzt.


    Von den Anfängen betrachtet: Bei den Einstellungen und der Rücksichtnahme liegen einfach Welten dazwischen. Zumindest in meinem kleinen Kreis.

    Kurz vorher hatte ich mit Lucy geclickert - und irgendwie rutschte mir dann raus:

    "Du hast es doch jetzt schon so oft gesehen - ich wette, wenn Lucy mir 3 Mal zuschauen würde, dann könnte sie es"

    Du musst das mit ihm eben genauso aufbauen mit dem Clickern! Allein deine Schuld, dass er das nicht kann ;) :lol:

    Mein Ur-Großonkel hat das mit der Kritik und den "witzigen Sprüchen" mal sehr beeindruckend gelöst. Jedes Mal, wenn in seiner Anwesenheit an meiner Entscheidung rumkritisiert oder Witze darüber gemacht wurden kam von ihm ein "Soll ich dir mal was vorsetzen, was du nicht essen magst oder wovon dir schlecht wird?!" an denjenigen, der mich kritisierte.

    Denn irgendwas hat doch jeder. Der eine mag keine Karotten, der andere keine Eier, der dritte keine Tomaten usw.

    Das hat dann so langsam den Stein ins Rollen gebracht, bei dem Verständnis in meiner Familie.

    Und über die Jahre kamen da ganz viele wirklich nette Gesten und Mehraufwand für mich zusammen. Meine Oma hat ein "falsches Schnitzel" erfunden, damit ich sowas wie Schnitzel essen kann nur eben ohne Fleisch. Als die ersten vegetarischen "Fleischersatz-Produkte" im Ladenregal standen hat meine Mutter absolut alles gekauft, was es gab :lol: und sie meinte dann ganz aufgeregt "Guck mal guck mal guck mal! Jetzt kannst du auch endlich wieder was Leckeres essen"xD

    Ich finde diese wachsende Akzeptanz wirklich schön und freue mich darüber.

    Auch in die andere Richtung hat sich etwas entwickelt. Ich grille zum Beispiel sehr sehr gerne. Im Garten zusammen sitzen, Familie und Freunde beieinander, Hunde springen dazwischen rum. Anfangs kamen sehr viele Kommentare, weil ich kein Fleisch aß. Mittlerweile ist es ganz normal, dass Gemüsespieße, gefüllte Pilze, Grillschnitten, Veggie-Burger, Salat und Gazpacho nicht nur auf dem Tisch stehen, und auch nicht mehr belächelt oder kommentiert werden, sondern, dass ich Leuten auf die Hände klopfen muss mit einem "Hey, bekomm ich vielleicht auch mal noch etwas davon ab?" (Ich bin nämlich die, die alles vorbereitet und auch noch am Grill steht und deswegen immer zuletzt am Tisch ankommt) Steaks und Bratwurst gibt es auch, aber aus unerklärlichen Gründen wird dann doch lieber das komische vegetarische oder vegane Zeug weggefuttert.:smile:

    Das freut mich sehr und ich bin darauf auch stolz, dass vegetarisches und veganes Essen in meinem Umfeld mittlerweile für alle Genuss bedeutet.

    Das ist übrigens auch etwas was ich dort gelernt habe. Wenn es schlimm ist, versuche zu lachen.

    Das finde ich eine wichtige Lektion.

    Albern sein, lachen, anderen ein Grund geben zu lachen. Und wenn es durch den dümmsten Witz/Spruch aller Zeiten ist.

    Es hilft zumindest mir dabei, mit belastenden Erlebnissen umzugehen. Und manch anderem vielleicht auch.

    @blubbb Falls es dich noch interessiert und die Frage an mich gerichtet war bezüglich Krankheit und Fleisch essen:

    Bevor ich Vegetarier wurde war ich extrem dünn. Lehrer dachten, ich wäre magersüchtig oder bekäme zuhause kein Essen.

    Als ich Vegetarier wurde, hatte ich dann endlich mal eine normale Figur, war fit, sportlich, gesund. War also damals genau die richtige Entscheidung.

    Es ging mir damit gut. Nur Eisenwerte waren schon immer Thema (obwohl ich wirklich darauf geachtet habe, dass ich genug eisenhaltiges zu mir nehme und das mit Vitamin C kombiniere um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen).

    Dieses Jahr konnte ich aufgrund einer chronischen Gastritis, der daraus resultierenden Speiseröhrenverengung und ein paar weiterer Probleme kaum noch etwas essen. Entweder hab ich es erst gar nicht runterbekommen, hatte danach immense Schmerzen und Krämpfe und/oder das Essen verließ meinen Körper bevor es verdaut wurde. Von meinen normalen 50-52 kg klapperte ich runter auf 36 kg - danach wollte ich mein Gewicht nicht mehr wissen, wenn ich in Praxis oder Krankenhaus gewogen wurde. Es hätte mich nämlich noch mehr deprimiert, wenn ich trotz Spezialnahrung und Zusätzen, trotz Tropf, trotz aller Versuche und Rezepte noch mehr abgenommen habe. Laut den Gesichtsausdrücken von Ärzten und Krankenschwestern und der Passform meiner Kleidung habe ich das aber.

    Obendrauf kamen die Mangelerscheinungen, permanenter Hunger - und dann extremer Appetit/ Heißhunger auf Fisch und (rohes) Fleisch. Monatelang hab ich das ignoriert, bis dann jemand meinte: Du erziehst deine Kinder dazu, auf ihren Körper zu hören. Du ermöglichst deinen Tieren, zu essen, was und wie viel sie wollen. Und dir selbst versagst du das?!


    Wirklich lange Rede kurzer Sinn: Seitdem ich wieder tierische Produkte esse, geht es mir besser. Es hat mich viel Überwindung gekostet. Aber anscheinend benötigt das mein Körper aktuell, weil er nicht genug Nährstoffe aus anderen Quellen beziehen konnte. Warum auch immer (trotz zig Untersuchungen immer noch unklar)

    Und obwohl mir das schwer fällt, ist es eben gerade so.

    Eine junge Frau hatte schon angehalten und kümmerte sich um sie.

    Meiner Erfahrung nach ist das eine entscheidender Faktor. Wenn einer schon hilft, helfen dann manchmal auch andere.

    Und ich kann komplett verstehen, wenn man nicht direkt selbst "zupacken" kann oder will, weil Kinder im Auto, Angst angegriffen zu werden usw. oder wenn man erstmal eine Schockstarre hat. Aber der Anruf bei der Polizei, der sollte doch drin sein - und wenn es fünf Minuten später oder ein paar hundert Meter weiter ist, dass das Telefon gezückt wird.

    Dieses "irgendjemand wird sich schon drum kümmern aber ich nicht" - das verstehe ich eben nicht.

    In Berlin an einer U-Bahn-Haltestelle hab ich das auch schon erlebt.

    Vater und Sohn (vielleicht so 5 oder 6 Jahre alt). Vater steigt ein, Kind direkt hinter sich. Tür geht zwischen den beiden zu. Vater panisch in der Bahn, kommt aber nicht mehr raus. Kind weinend und schreiend vor der Bahn, kommt nicht mehr rein. Bahn fährt los.

    Das haben so viele Menschen ganz genau und direkt mitbekommen. Sie haben hingesehen und mit dem Kopf geschüttelt. Aber vielleicht mal das direkt an den Gleisen stehende Kind beruhigen oder so? Fehlanzeige. Ich hab mich erstmal durch den Pulk kämpfen müssen und mich drum gekümmert, dass der Knirps nicht verloren geht, sondern möglichst schnell zurück zu seinem Papa kommt.

    Da will ich gar nicht wissen, was Feuerwehr, Polizei und Sanitäter manchmal so von den Menschen denken, die einfach nur dastehen...

    Nur wundere ich mich manchmal, dass da kein Umstehender reagiert und jemanden in diesem Zustand einfach einsammelt, wenn möglich oder Hilfe ruft.

    Auf Hilfe Anderer brauchst du heutzutage nicht mehr hoffen. Kenn da auch so etliche Geschichten. :verzweifelt:

    Ich hoffe da auch nicht drauf, es ist mir nur einfach unverständlich. Und ich glaube nicht, dass es erst "heutzutage" so ist. Es ist eben "menschlich". Aber den Part von "menschlich" verstehe ich einfach nicht. Als ich nach diesem Unfall (6 Wochen später) wieder einigermaßen laufen konnte und auf Krücken im Supermarkt war, kamen bemerkenswerte Sätze von der Kassiererin:

    "Ach, sie leben ja noch. Wir hatten uns schon gewundert, nachdem sie so geblutet haben. Und wir mussten wegen Ihnen ja so viel aufwischen :|"

    Aber dann anscheinend nicht so sehr gewundert, dass irgendwer auf die Idee kam, mal Hilfe zu rufen. Geht mir einfach nicht in den Kopf:ka: