Sie wurden oft so erzogen und wissen es nicht besser. Sie wurden in dem Glauben erzogen, das nicht zuzulassen.
Sie machen das oft nicht bewusst, sie können es nicht.
Mein Vater hat uns Buben zwar dazu erzogen, keinen Schmerz zu zeigen, aber Freudentränen, oder Trauer schon.
Den eigenen körperlichen Schmerz zu zeigen tue ich mir schwer, denn ich habe gelernt ihn auszublenden.
Deswegen bewundere ich übrigens auch jeden, der sich da ändern kann. Weil das unheimlich schwer ist.
Meine Eltern haben uns Mädels so erzogen, dass wir eigentlich perfekt sein müssen. Für die gesamte Familie kochen können bereits im Grundschulalter. Bloß keine "zu großen" Schritte beim Gehen machen, denn das ist unweiblich. Wäsche waschen. Sich um alle kümmern. Dabei aber natürlich immer hübsch aussehen. Bloß nicht weinen, das stößt Männer ab. Aber klempnern können - weil selbst ist die Frau.
Wann immer es uns schlecht ging galt: "Man kann sich auch mal zusammenreißen! Man kann sich auch mal zwingen!" Und wenn bei uns durch Krankheit gar nix mehr ging "was für eine Belastung sie doch gerade ist...."
Sie haben das nicht böse gemeint, glaube ich. Es war eben Vorbereitung - damit wir mal möglichst gut zurechtkommen und schnell einen Mann finden. Nur vielleicht etwas verfehlt...
Aber noch heute bin ich einfach darauf getrimmt: Solange ich noch halbwegs stehen kann, kann ich ja auch noch etwas für andere machen. Krank sein ist nicht drin. Krank sein ist Belastung für andere. Weinen? Da schäm ich mich zu Tode und habe mich zu entschuldigen.
Mittlerweile ist mir das bewusst und ich kann damit umgehen aber die Prägung ist dennoch da![]()
Deswegen bewundere ich jeden, der etwas an Gewöhnung, Prägung und Ansichten ändern möchte. Das ist nämlich verdammt schwer meiner Erfahrung nach.