Beiträge von straalster

    Ich gönne meinen Tierärzten auch alles, von ganzem Herzen. Und wenn sie ein vergoldetes Schloss in der Toskana haben - Hauptsache, sie können auch mal abschalten, sich erholen. Denn sie machen einen verdammt anstrengenden Job und sind mit ganzem Herzen dabei, bilden sich weiter, ziehen die Leute nicht ab, machen alles im besten Sinne für das Tier.

    Was bringt es meinen Tieren und mir, wenn sich einer gar nichts gönnt und dann mit Ende 40 ausgebrannt ist und seinen Job nicht mehr machen kann?! Oder dadurch abstumpft?!

    Natürlich gibt es schwarze Schafe und ja, ich würde mir auch meinen Teil denken, wenn ich weiß, dass das Praxispersonal unterbezahlt ist und unnötige Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt werden, damit der Chef ne möglichst dicke Karre vor der Tür stehen haben kann. Pauschalisieren würde ich das allerdings nicht.

    Just wegen dieser Durchfallwartezimmernummer TA A als Abzocker und TA B als kostengünstigen Könner zu benennen, halte ich für sehr überspannt.

    Das war nur ein Beispiel von sehr sehr vielen ähnlichen Geschichten, die ich über die Jahre gehört habe. Das hatte ich nur exemplarisch erwähnt und es ging mir auch nicht nur um diese beiden Tierärzte, sondern darum, dass der Ruf "Billig" eben auch auf anderem Wege zustande kommen kann, als durch Dumpingpreise und selbst Tierärzte betreffen kann, die alles ordnungsgemäß abrechnen.

    Einfach, weil sie so viel wie nötig und so wenig wie möglich machen. Einfach, weil sie vielleicht erstmal Kot, Blut, Urin kontrollieren und dann schrittweise weitergehen, wenn die Ergebnisse daraus noch keine Diagnose ermöglichen. Und das Tier eben nicht direkt durchs CT jagen. Jetzt mal ganz überspitzt gesagt.

    Na man muss aber auch sagen, dass man, wenn man nach monatelangem Durchfall nicht mal auf die Idee kommt, eine Kotprobe zu nehmen, auch als Besitzer der Katze irgendwas verpennt hat...


    Ich finde, da steht auch jeder selbst ein bisschen in der Verantwortung.

    Hm, jain. Wenn ich mit meinem Tier zum Arzt gehe, dem Tierarzt vertraue und fest daran glaube, dass er es am allerbesten weiß - dann komme ich ja der Verantwortung nach, mich um mein Tier zu kümmern. Und es gibt durchaus Menschen, die kommen einfach nicht auf die Idee, mal selbst nachzuforschen. Sei es, weil sie Tieranfänger sind und dadurch die Erfahrung fehlt. Oder weil sie sonst wenige Tierhalter kennen und damit keine Tipps bekommen. Ältere Menschen nutzen das Internet auch nicht in jedem Fall so ausführlich , dass sie auf die Idee kämen mal in einem Forum nachzufragen oder sich etwas über Tiere anzulesen.

    Dafür gibt es ja den Tierarzt. :ka:

    Und sagt dann der Tierarzt: "Okay, das Tier ist entwurmt und bekommt gutes Futter - da können wir auf die Kotprobe verzichten. Da liegt irgendwas ganz schlimmes im Argen und Sie brauchen jetzt gaaaanz dringend die folgenden fünf kostspieligen Untersuchungen." Tja, was machste dann, wenn du dein Tier liebst, dem Arzt vertraust und selbst keine Ahnung hast?

    Ich kenne auch viele Tierhalter, denen ist das wahnsinnig unangenehm, den Tierarzt zu wechseln oder eine Zweitmeinung einzuholen. Denn sie vertrauen dem Stammtierarzt ja egentlich. Und Zweitmeinung hat immer was von anzweifeln.

    Was ich noch(mal) erwähnenswert finde in Bezug auf übertriebene Rechnungen, sind Tierärzte, die ihre vermeintlichen Billig-Kollegen in Verruf bringen wollen.

    Ich kenne durch meine zahlreichen Aufenthalte in Wartezimmern und Gespräche mit Tierärzten Geschichten, da könnte ich manchmal weinen.

    Wie beispielsweise die Katze mit Durchfall, die nach zig bildgebenden Untersuchungen und teuren Medikamenten immer noch Durchfall hatte und eingeschläfert werden sollte - weil Tierarzt A zwar jedes Gerät in seiner Praxis genutzt aber noch nicht mal eine Kotprobe genommen hatte....

    Tierarzt B machte diese einfache und günstige Untersuchung und siehe da, Problem gelöst.

    Tierarzt A hat sich also über Monate hinweg eine goldene Nase mit unnötiger "Diagnostik" verdient, das Tier und die Besitzer belastet. Während Tierarzt B, eben nur ein paar Euro verdient hat und teilweise von anderen TAs als Billig-Tierarzt betitelt wird, obwohl er alles ordnungsgemäß abrechnet. Schlicht und einfach, weil er zum einen diagnostisch wirklich was drauf hat und es ihm zum anderen ums Tier geht. Und nicht darum, dass die Rechnung möglichst hoch wird.

    Allerdings bin ich offenbar generell kreditwürdig, ich darf auch immer auf Rechnung zahlen, wenn ich das wünsche.

    Ich denke, das hängt ganz stark von TA / Klinik ab. Bei mir gab es auch schon den Fall, dass ich zum ersten Mal bei einem Arzt oder in einer Klinik war und dann nach der Behandlung gewartet habe, damit ich zahlen kann. Da kam ein lapidares "Was machen Sie denn noch hier?"

    "Na, ich muss doch noch bezahlen."

    "Nee, Rechnung bekommen Sie doch zugeschickt."

    Bei anderen Praxen und Kliniken läuft es eben anders.:ka:

    Es muss doch auch in dem Fall einer bestehenden Versicherung trotzdem erstmal in Vorleistung gegangen werden

    Nö, die meisten Versicherungen rechnen direkt mit dem TA ab und was nicht übernommen wird, kommt dann per Rechnung.

    Ich kenne es tatsächlich nur mit direkt bezahlen und sich bei der Versicherung "wiederholen". Ich hab die Versicherungen allerdings erst sehr spät durch Erfahrungsberichte kennengelernt und habe selbst keine (würde sich bei mir nicht lohnen).

    Aber unter anderem meine Mutter hat eine und kämpft da teilweise monatelang wegen Leistungen, die so ganz klar im Vertrag stehen. Und das, obwohl der TA diese Versicherung empfohlen hatte und lange Zeit von ihr überzeugt war. Jetzt häufen sich aber die Beschwerden über diverse Anbieter :ka:

    Und auch bei unvorhergesehenen Schicksalschlägen löst sich meine Versicherung nicht einfach auf ;)

    Entschuldige, wenn ich jetzt deinen Beitrag herausnehme - geht nicht gegen dich. Es passt einfach nur gut.

    Es muss doch auch in dem Fall einer bestehenden Versicherung trotzdem erstmal in Vorleistung gegangen werden. Und Versicherungen können auch sagen, dass sie den Fall nicht bezahlen. Das ist für manche Menschen zeitweise einfach nicht stemmbar - ganz egal, wie gerne sie das möchten. Ganz egal, wie gut sie vorgeplant haben. Eine Versicherung löst sich übrigens auch auf, wenn man die Beiträge nicht mehr zahlen kann.

    Ich hab als Studentin in einer Phase wirklich beim Tierarzt Angst gehabt, ob ich die Rechnung zahlen kann. Denn bei mir ging es nach langer Krankheit meiner Hündin und dann Krankheit meines Katers nicht mehr um "verzichte ich eben auf die neue Leine" oder sonstigen Luxus. Da ging es wirklich um Existenz. Und ich hatte sehr wohl ein finanzielles Polster, als ich mir einen Hund angeschafft habe. Und drei Jobs. Bin aber leider zeitweise an Tierärzte geraten, die meinem Hund und meinem Kater zwar nicht geholfen aber mir auch noch den letzten Cent aus der Tasche gezogen haben - aus Geldgier und/oder Inkompetenz und nicht, weil es nötig war. So etwas gibt es einfach ebenfalls.

    Wenn man selbst sowas noch nicht durch hat, sagt sich sowas sehr einfach: "Dann verzichtet man eben mal". "Dann muss man eben besser planen".

    Meiner Erfahrung nach sind seriöse Spezialisten und wirklich kompetente Ärzte, die mit Verstand und Herz im Beruf stehen, die preiswertesten. Nicht die billigsten, wohlgemerkt. Aber ihren Preis wert und oft günstiger.

    Es werden nur Untersuchungen durchgeführt, die sinnvoll sind. Weil sie wissen, was sie tun.

    Es wird nichts unnötiges aufgeschwatzt, weil sie das weder nötig haben noch dem Tier zumuten wollen.

    Kosten sind zum Teil geringer, weil weniger Zeit für die Behandlung/Heilung benötigt wird.


    Ja, eigentlich ging es hier nicht um Notlagen - aber auch das gehört für mich bei der Eingangsfrage dazu.

    Ich habe das Gefühl wir reden hier ziemlich aneinander vorbei. Ich sehe hier niemanden der davon spricht das jemand mit weniger Geld keine Preise vergleichen darf und zu dem günstigeren Tierarzt gehen sollte. Sondern es geht eher darum das bei aller Ersparnis nicht die Qualität auf der Strecke bleibt.

    Was nutzt es mir, wenn ich aus Geldmangel zum billigsten Tierarzt gehe, den ich finden kann, dieser aber dann, dank fehlender Möglichkeiten oder Kompetenz, meinem Tier schadet?

    Ich verstehe, was du meinst. Aber ich hab auch schon mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass die voll ausgestattete Praxis mit den horrenden Preisen für geringe Leistung und quasi nicht vorhandener Kompetenz bei vielen einen besseren Ruf hatte, als der vermeintliche Billig-TA.

    Weil: Ist teurer als andere - muss also besser sein.

    Weil: Viele Geräte - muss also besser sein.

    Weil: Viele Mitarbeiter - müssen also besser sein.

    Obwohl da der Umgang mit den Tieren miserabel ist. Obwohl keiner Ultraschall oder Röntgenbilder richtig auswerten kann. Obwohl sogar beim Impfen Fehler gemacht werden oder überdurchschnittlich viele Tiere bei simplen Eingriffen mit moderner Narkose auf dem Tisch bleiben.

    Da wird genauso wenig auf Kompetenz und Qualität geachtet, wie im entgegengesetzten Fall. Aber es war ja teurer, also muss es auch besser für das Tier gewesen sein... Diese Meinung - finde ich - klingt hier und da schon in diesem Thread durch.

    Ich hab ja soundsoviel mehr bezahlt als du, also muss mein Arzt besser sein - das stimmt eben auch nicht immer.

    So ist es. Die Erfahrung musste ich auch teuer bezahlen. Und wenn ich nur an die Sache mit Hofheim damals denke, die waren ua. halt auch deswegen so teuer, weil die alle Untersuchungen, die ich ja gerade frisch bei der Kardiologin hatte machen lassen, nochmal machen wollten, incl. Kehlkopfendoskopie in Narkose. "Wir arbeiten nicht mit Fremdbefunden." Naja, das mag heute dort anders sein, aber da fühlte ich mich schon ausgeliefert.

    Und diese Zahn-OP für 960 Euro, da habe ich vorher auch nicht gefragt, bin aber auch gar nicht auf die Idee gekommen, dass das so teuer sein könnte. Vorher hatte meine Haustierärztin meiner Omi 11 Zähne für unter 300 Euro gezogen. Also vorher fragen schont auch sehr die eigenen Nerven.:nicken:

    So sehe ich das auch. Natürlich können nochmal Mehrkosten entstehen aber wenigstens eine grobe Orientierung finde ich gut und manchmal ist sie einfach notwendig.

    Ich kenne es unter anderem aus einer Tierklinik in Berlin, dass da bei größeren Sachen automatisch ein Kostenvoranschlag gemacht wird. Von anderen Tierärzten kenne ich es, dass ich da nicht mit Karte zahlen kann - also muss ich fragen, wie viel Bargeld ich in etwa dabei haben muss. Denn da gibt es auch kein Überweisen des Betrags und keine Ratenzahlung. Entweder volle Kosten sofort bar oder ich kann mein Tier nicht mitnehmen.


    Und bezüglich des Einsparens in anderen Bereichen - joah. Mancher spart bei sich selbst und isst nur Tütensuppe oder lässt sogar Mahlzeiten ausfallen - anstatt nur auf neue Leinen und Co. zu verzichten. Mancher kann gar nicht noch mehr sparen. Mancher hat niemanden, bei dem er sich was leihen kann. Irgendwann sind die Ersparnisse weg. Gerade bei chronisch kranken Tieren oder sehr schwerwiegenden Erkrankungen geht das deutlich schneller, als man Geld verdienen kann. Auf Ratenzahlung lässt sich wie gesagt nicht jeder ein.

    Und sowas wie Miete und Hundefutter müssen ja auch noch drin sein. Da ist mir ein Hundehalter, der Preise vergleicht um seinem Hund zu helfen, deutlich lieber als einer der sagt: "Alles klar, die Behandlung ist mir zu teuer. Wie viel kostet Einschläfern?"