Beiträge von straalster

    Für mich eine vollkommen andere Situation.

    Keinen Schlaf bekommen ist etwas anderes als unterbrochenen Schlaf oder wenig Schlaf bekommen.

    Ich schaffe keine 8 Stunden am Stück. Ich bin zwischendurch immer wach. Ist einfach so.

    Und bei ihr war das kein "ich schaff mir einen Hund an und jetzt bin ich deswegen im Welpenblues" - aber wirklich so gar nicht. War das nicht der Thread, wo sich alles ganz magisch innerhalb unrealistisch kürzester Zeit gelöst hat?! Erst konnte sie den Hund nicht halten, zwei Tage später war sie der Vollprofi - so ungefähr?!

    Weder im Hundeforum noch im wahren Leben habe ich jemals jemanden kennengelernt, der wirklich wochenlang nicht geschlafen hat. Könnte daran liegen, dass Menschen nach nicht einmal zwei Wochen komplett ohne Schlaf sterben….

    Ich kenne aber durchaus Leute, die fühlen sich durch weniger Schlaf wie ausgespuckt und permanent müde.

    Und wenn wir das gleiche Beispiel meinen, Flauschig – hat der Hund da nicht einfach das Bett belegt und die Freundin des Halters auf der Couch geschlafen?


    Und das übrigens auch nicht, weil sie Welpenblues, sondern beide keine Ahnung und sie Angst vor dem Hund hatte?

    Und da finde ich persönlich den großen Denkfehler, diese Stigmatisierung von psychischen Problemen und sozialen Ängsten, auch wenn sie vorübergehend oder lebensphasenbedingt sind.

    Man darf einem Menschen, der stressbedingt entgleist (egal ob durch zu großen äußeren Druck oder zu hoher innerer Instabilität) ja gar nicht raten, sich Hilfe zu suchen, weil das ist ja gleich beleidigend, man unterstellt der jenige sei gestört oder habe einen an der Klatsche.

    Das hat auch nichts mit "kenn ich nicht, gibt es nicht" zu tun. Das ist schlicht ein soziales Tabu. Hat man Krebs, bricht sich ein Bein oder hat eine Grippe, ist es keine Schande wenn einem jemand einen guten Arzt empfiehlt. Kränkelt die Psyche, ist es sofort ein Makel, darüber darf man nicht sprechen und wehe jemand rät da zu ärztlicher Hilfe. Das wird sofort abgewertet und auf's Schärfste verurteilt, wie man so etwas auch nur von einem anderen denken kann.

    Ich finde diese Tabuisierung trägt in weiten Teilen dazu bei, dass sich solche Probleme etablieren. Da klebt man lieber das Etikett "völlig normal" auf solche Auswüchse wie depressive Phasen nach dem Welpenkauf. und mit depressiver Phase meine ich auch depressive Phase und nicht nur mal nen Tag mies drauf sein.

    Da sind wir glaube ich sehr unterschiedlicher Meinung.

    Für mich ist es unter anderem abhängig von der Dauer.

    Ein paar Tage oder Wochen - joah, kann passieren. Ist halt erstmal anstregend. Auch mit einem pflegeleichten Welpen ist es erstmal eine Veränderung. Wäre für mich kein Grund, direkt professionelle Hilfe zu empfehlen oder ein psychisches Problem zu unterstellen.

    Es ist einfach eine Änderung, und etwas, das sich einspielen muss. Das kann bei jeder Änderung im Leben passieren. Und manche sind eben näher am Wasser gebaut.

    Und es ist per definitionem auch keine depressive Phase. Genau das finde ich hier so erschreckend und heftig. Es wird teilweise mit medizinischen Begriffen um sich geworfen, wie beispielsweise "Essstörung", "depressive Phase" und dergleichen - nee, ein paar Tage oder auch ein paar Wochen wenig essen ist keine Essstörung. Sich eine zeitlang überfordert fühlen, der eigenen Freiheit hinterhertrauern oder wasauchimmer - das ist strikt betrachtet keine depressive Phase bzw. Depression.

    Es ist eine Umgewöhnung. Eine Veränderung. Ebenso wie ein Umzug oder eine Trennung oder die Geburt eines Kindes.

    Darauf emotional zu reagieren, hat für mich nichts mit labil zu tun.

    Schaahaatz.

    Jo.

    Meine Füße sind kalt.

    Das ist mir schon aufgefallen, als du die Eisklumpen liebevoll abrupt gegen meine Waden gepresst hast.

    Du bist halt so schön warm.


    10 Minuten später: Bäh, warum strahlst du immer so ne Wärme aus?!

    :|

    Notiz an mich: Lernen meine Körperwärme zu regulieren, damit ich immer die richtige Temperatur habe.

    Auch wenn ich mich damit vielleicht bei einigen in die Nesseln setze. Ich finde Babyblues und Welpenblues gar nicht so unterschiedlich. Tatsächlich fände ich es interessant, wenn da mal die Hormonlevel der Betroffenen gemessen werden würden Hummel .

    Bei meinen Schutzbefohlenen (egal ob Mensch oder Tier, egal ob biologisch verwandt oder nicht) hab ich beispielsweise einen sehr großen Beschützerinstinkt und stelle meine - auch körperliche Grundbedürfnisse - hintenan. Immer.

    Wenn ich jetzt mal an mein Hundetrio denke: Die ersten Wochen war ich durch. Kaum geschlafen: Ammenschlaf), unregelmäßig gegessen. Angst um die Mutter, Angst um den Welpen, der nicht zunahm. Mir war ziemlich oft zum Heulen.

    Welpenblues würde ich dazu bei mir nicht sagen. Mir war einfach klar, dass das gerade ne anstrengende Phase ist - sowohl körperlich als auch emotional. Und dadurch auch nervlich belastend.

    Mir war aufgrund meiner Erfahrung auch klar, dass das vorübergeht und bald wieder besser ist. Bei Kindern und Ziehkindern hatte ich diese Phase aber auch. (obwohl ich ja nach der Meinung einiger hier nur nach eigener Schwangerschaft so hätte empfinden dürfen?)

    Pathologisieren würde ich da rein gar nichts. Und oftmals hilft es zu hören: Weißte, anderen geht es auch so. Mach dich damit nicht fertig. Wenn es nicht nachlässt, such dir Hilfe.

    Wenn ich natürlich den Hund als Hobby und "nur" als Hund sehe, anstatt als Familienmitglied. Wenn ich mich nicht allzu sehr mit seinen Bedürfnissen und Gefühlen auseinandersetze und ich im Hinterkopf habe "Ach, wenn ich genervt bin gebe ich ihn halt ab." - dann sind die Bedenken und so etwas wie Welpenblues natürlich unverständlich bzw. einfach nicht vorhanden.

    Dazwischen gibt es aber auch noch jede Menge.

    L. G.

    Natürlich gibt es dazwischen ganz viele Schattierungen. Was anderes wollte ich gar nicht sagen.

    Ich erlebe das in einigen Punkten genau konträr zu deiner Schilderung. (Und nein, ich will keine Steine schmeißen)

    Perfektion, regelrechte Wettbewerbe, neuester Trend - jupp. Das kenne ich auch.

    Perfektion und Wettbewerb kenn ich aber auch von vor 30 Jahren.

    Wie? Das Kind kann dieses und jenes noch nicht? Also meins konnte das ja schon mit xy Monaten.

    Wie? Das ist mit 12 Monaten noch nicht windelfrei? Also meins war ja schon mit...

    Wie? Das darf entscheiden, ob es die gesamte Portion isst oder nicht und weiß alleine, wann es satt ist? Na da lässte dir aber auf der Nase rumtanzen....

    Usw usw

    Ich glaube, das wird es immer und zu jeder Zeit geben.


    Früher hieß "Strafe" bzw. "Disziplin" - das Kind wird geschlagen. Nicht selten, weil die Eltern oder Lehrer sich nicht anders zu helfen wussten, vielleicht auch einfach mal überfordert waren und keinesfalls über die eigenen Gefühle gesprochen wurde.

    Heute nennt sich das zurecht Missbrauch und Körperverletzung.

    Hunde konnten damals nicht frieren und hatten definitiv keine Gefühle. Leben an der Kette war vollkommen in Ordnung und normal.

    Und warum es so erstrebenswert sein soll, nicht offen über negative Empfindungen und Probleme sprechen oder in diesem Fall schreiben zu können - werde ich wohl nie verstehen. Manche gehen damit ja wirklich um, als sei alles außer stoisch und möglichst gefühlskalt durchs Leben zu gehen das Nonplusultra und ein Zeichen von Stärke.

    Für mich ist Hund einfach nicht nur Hobby sondern Familie. Wenn ich versagte, leidet ein Lebewesen. Hunde werden oft wie Kinder gesehen, früher war der Gedanke glaube ich weniger nah als heute.

    Da gehe ich vollkommen mit. Wenn ich alleine in meinem direkten Umfeld sehe, wie sich die Einstellung zu Tieren geändert hat - da liegen teilweise Welten dazwischen.

    Wenn ich natürlich den Hund als Hobby und "nur" als Hund sehe, anstatt als Familienmitglied. Wenn ich mich nicht allzu sehr mit seinen Bedürfnissen und Gefühlen auseinandersetze und ich im Hinterkopf habe "Ach, wenn ich genervt bin gebe ich ihn halt ab." - dann sind die Bedenken und so etwas wie Welpenblues natürlich unverständlich bzw. einfach nicht vorhanden.

    Zu dem Thema Depression @Das Rosilein - ich habe Welpenblues nicht damit gleichgesetzt oder es verglichen, sondern den Umgang mit Depression mit dem Umgang von Welpenblues verglichen. Ebenso gut könnte ich auch den Umgang mit Burnout damit vergleichen. Denn der ist bei psychischen und emotionalen Themen fast immer der gleiche:

    Betroffene bilden sich das nur ein. Sollen sich mal nicht so haben. Verweichlichte Gesellschaft. Sollen sich alle mal zusammenreißen. Die steigern sich da doch nur rein. Wollen doch nur Mitleid und Aufmerksamkeit. Das ist doch eh nur erfunden. Früher gab es das ja nicht....

    Jede Wette, über postnatale Depressionen wurde irgendwann das Gleiche behauptet.


    Übrigens ist es keine Essstörung, wenn jemand gerade emotional gestresst ist und deswegen keinen Appetit hat. Schon gar nicht, wenn es nur ein paar Tage sind. Essstörungen haben eine vollkommen andere Definition.

    Psychische Labilität weil jemand durch eine Umstellung, vielleicht auch Schlafmangel und Unterzuckerung mal ein paar Heultage hat, finde ich auch unpassend. Psychische Labilität sind häufige und grundlose Stimmungsschwankungen, heulen ohne Grund usw.

    Die Anschaffung eines Welpen oder allgemein eines Hundes ist für viele eben eine enorme Umstellung. Und diejenigen, die offen darüber reden können, dass es ihnen damit gerade erstmal schlecht geht - die sind alles andere als schwach. Meiner Meinung nach. Offen über Gefühle reden - kann nicht jeder.

    Wer urteilt denn?

    Meiner Meinung nach schon einige.

    Ich hab jetzt nur mal ein paar Zitate rausgeklaubt:

    Steigende psychische Labilität und schwindende Frustrationstoleranz bei den Menschen.

    Die Leute können immer weniger damit umgehen, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich ausgemalt haben und solche unerwarteten Dinge können immer schwerer kompensiert werden. Sieht man auch in anderen Bereichen des Lebens immer häufiger.


    Die Leute fühlen sich von allem, das sie nicht 100% unter Kontrolle haben komplett überfordert und wandeln dann erstmal am Rande des Nervenzusammenbruchs, bis sie sich langsam an die neue Situation gewöhnt haben oder einfach aus der Situation fliehen.


    Ja, ich weiß, keine besonders populäre Meinung, aber für mich ist der angebliche Welpenblues nur ein Symptom für ein wesentlich komplexeres psychisches Problem.

    So "normal" wie das oft im DF angepriesen wird finde ich das nämlich auch überhaupt nicht.

    Ein (psychisch) gesunder erwachsener Mensch sollte von dem Gefühl plötzlich für einen Hund Verantwortung tragen zu müssen nicht so überwältigt werden dass er davon einen Nervenzusammenbruch bekommt, seinen Alltag nicht mehr gewuppt bekommt, usw . Dass man mal kurz die Nerven verliert, ja, aber als Dauersituation und das auch noch als normal bezeichnen, nein.

    Es wird aber leider zur Normalität ... und ich sehe das mit Bedenken (und natürlich sind wir nicht die einzigen, die eine solch gesellschaftliche Entwicklung mit Sorge betrachten).

    Es hat in meinen Augen etwas mit einer sehr unreifen Copinstrategie zu tun. Es läuft nicht so gut mit dem Tier, nicht wie man es sich vorstellte. Und nun muss irgendwas her, was quasi für die schiefe emotionale Lage herhalten Soll.


    Hier ist es im besten Falle, hergeleitet von der Geburt eines Kindes ein Gefühlslage, die man nicht beeinflussen kann.


    Dieses Konstrukt ist pathologisch.


    Natürlich sind das alles nur Meinungen. Aber Kritik an allen, die eine Welpenblues haben, ist dabei nicht zu leugnen. Oder? Psychische Labilität, psychisch gesunde erwachsene Menschen haben sowas nicht, sehr unreife Copingstrategie, pathologisch - und ich bin nur die ersten Seiten des Threads durchgegangen.

    Ich finde das ziemlich heftig.