Ich glaube, im Prinzip meinen wir das Gleiche aber reden aneinander vorbei.
Schwindende Frustrationstoleranz sehe ich einfach nicht - ich sehe im Wandel der Zeit unterschiedliche Belastungen und unterschiedlichen Umgang damit.
Aber- in Anlehnung an deine Links, ich will gar nicht so genau wissen, wie viele sich unbemerkt das Leben nehmen. ("Aus Versehen gegen einen Baum fahren" z.B.) - sprich, den Suizid wie einen Unfall aussehen lassen. Vielleicht nicht mehr essen. Vielleicht sich selbst vergiften. Vielleicht "versehentlich" zu viele Medikamente nehmen. Vielleicht nicht zum Arzt gehen, obwohl sie merken, dass etwas nicht stimmt. All das wurde und wird doch gar nicht als Selbstmord erfasst. Schon gar nicht zu Kriegszeiten.
Erst recht nicht in armen Ländern.
Ob jetzt Äquatorialguinea oder mitten im Krieg - glaubt wirklich jemand, dass da eine Person mit Clipboard rumläuft und erfasst, ob der erschossene Soldat wirklich einfach Pech oder keinen Lebensmut mehr hatte und sich in Kugelhagel warf? Oder ob jemand in einem dritte Welt Land seiner Depression erlag?
Ich glaube in schweren Zeiten und bei schweren Umständen wird einfach viel verkannt und nicht erfasst. Deswegen vielleicht auch der Eindruck, die Menschheit würde verweichlichen. Dabei ist es eventuell nur das gleiche Phänomen wie bei Gewalt- und Straftaten: In ruhigeren Zeiten kann das besser erfasst werden. Und mittlerweile ist es präsenter.