Beiträge von straalster

    Meine Güte, wer erwartet wenige Stunden nach diesem tragischen Vorfall von online Medien/schnelllebigen Tagesblättern investigativen Journalismus?

    Wer erwartet wenige Stunden danach restlose und keiner Zweifel bestehender Aufklärung?

    Es ist mir klar, welche Macht Pressemitteilungen -insbesondere schlecht recherchierte & falsche- auslösen kann! Leidende Alltage vieler Menschen/Firmen ist voll davon!

    Aber es ist NICHT primäre Aufgabe von Schreiberlingen (zumindest die der Boulevardpresse), über sämtliche Auswirkungen beteiligter und/oder unbeteiligter Menschen im Vorfeld der Veröffentlichungen ihrer Texte zu befinden.

    Damit DISKREDITIERE ich ausdrücklich niemanden, weder in Person, noch als Unternehmen und schon gar nicht die zu Tode gekommene Frau.

    Viele, viele Menschen gehen davon aus: Es wurde veröffentlicht, also muss es stimmen.

    Genau das macht derartige Artikel gefährlich.


    Es kostet im Übrigen nicht mehr Zeit, Fakten sachlich niederzuschreiben, als daraus ein Melodrama ohne jedwede Beweise zu kreieren. Das hat mit Einbeziehen der Auswirkungen auf Personen rein gar nichts zu tun. Aber die Fakten müssen stimmen und es sollte keine kreative Auslegung werden - das gehört durchaus zum Job. Ansonsten hätten sie vielleicht lieber fiktive Bücher schreiben sollen.

    Behauptet die Polizei - ohne jedwede Form von Beweisen.

    Nunja - wenn jemand bei einem Toten der ein Messer in der Brust hat, aufgefunden wird, dann ermittelt die Polizei auch erst mal wegen Mord, und hat die dort vorgefundene Person als ersten Tatverdächtigen im Blick.

    Dass trotz des ersten Anscheins noch weitere Fakten ermittelt werden müssen, ist ja auch Aufgabe der Polizei.

    Aber die Fakten vor Ort müssen erst einmal so genommen werden wie sie sind.

    Wobei die unterschiedliche Berichterstattung im vorliegenden Fall nicht gerade einer objektiven Betrachtung zuträglich ist - einerseits wird von nicht näher erläuterten Bisswunden gesprochen, andererseits "nur" von Prellungen.

    Ja, natürlich.

    Dennoch macht auch in solchen Fällen der Ton die Musik. Oder genauer gesagt, die Formulierungen.

    "Es wird untersucht, wie es dazu kam." hat eine ganz andere Auswirkung als "Hund beißt eigene Halterin tot"


    Und das ist leider der allererste Satz "Malinois beisst in Auboranges FR seine Besitzerin tot "


    Das ist der typische Fall: Ich sehe jemanden in Not, renne hin um zu helfen, und werde dann plötzlich als Täter dargestellt. Öffentlich. Im Internet. Das Internet vergisst nicht.

    Die Polizei bzw. der Schreiberling hat dem Trainer damit echt einen Bärendienst erwiesen. Er hat nicht nur seine Frau und einen Hund verloren. Seine Existenz ging gleich mit den Bach runter. Der kann ja anscheinend nicht mal seinen eigenen Hund einschätzen, wie soll er da andere trainieren?!

    Da können jetzt so viel Aufklärung, Beweise fürs Gegenteil und Widerrufe kommen - die Headline wird für lange, lange Zeit bleiben: Hund eines Hundetrainers beißt eigene Halterin tot (obwohl absolut kein Beweis zu dem Zeitpunkt vorhanden war, aber irgendwer hat behauptet, das habe die Polizei behauptet und es stand im Internet. Muss also stimmen.)

    Insofern ist die Aussage des Experten schon wieder relativierend und für mich objektiv eher positiv als negativ.

    will am wirklich dass der Hundeexperte alle Möglichkeiten aufzählt?

    Warum eigentlich nicht? Das würde zumindest die Bandbreite an Möglichkeiten aufzeigen, und dazu gehört unter anderem, dass der Hund vielleicht schlicht und einfach seine in dem Moment bewusstlose und wehrlose Halterin vor sich bedrohlich nähernden Personen verteidigt hat. Dazu gehört auch die Frage, wie und wo der Hund sie tödlich gebissen haben soll. Denn viel schlimmer als die Aussage des Hundepsychologen ist doch eigentlich: "Frau tot, Hund dabei - also muss es der Hund gewesen sein." Beweise haben wir zwar nicht und noch nicht einmal tödliche Bisswunden gesehen, aber hey, war bestimmt so. Behauptet die Polizei - ohne jedwede Form von Beweisen.

    Daran zieht sich komischerweise keiner hoch.

    Ich drösel das mal auf, damit es vielleicht klarer wird, was ich meine.

    Schreiberling bekommt den Auftrag: Schreib mal 600 bis 700 Wörter zu Vorfall xy – mit Expertenmeinung.

    Schreiberling kontaktiert mögliche Experten, einer hat Zeit und ist willens. Experte gibt Gründe A bis F an, warum wieso weshalb, so etwas passieren kann und sagt ebenfalls – „für eine genau Analyse bräuchten wir erstmal Angaben zu Faktoren A-Z“.

    Tja, blöderweise sprengt das vollständig den vorgegebenen Rahmen, weil bereits die komplette Aussage des Experten deutlich über 500 Wörtern liegt. Also wird gekürzt.

    Dann geht der Text ins Lektorat. Lektor denkt sich „Immer noch zu lang, da können wir weiterkürzen.“

    Also wird gekürzt.

    Und am Ende hast du aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen des Experten, der schon zu Anfang seine Recht abgetreten und damit keinen Einfluss mehr darauf hat, dass seine Zitate ohne Kontext erscheinen und nun gewagt und sinnlos wirken.


    Das ist keine vorbereitete Rede, die zu 100 Prozent darauf ausgelegt ist, dass kein Teil aus dem Kontext gerissen irgendwie anders dargestellt werden kann. Das waren ein Telefonat von fünf bis sieben Minuten und zwei E-Mails, ein gehetzter Schreiberling, der sehen muss wo er bleibt und ein Lektor, der keine Ahnung vom Thema hat. Und Krüsi sagt "Könnte" und "aufgrund der bisherigen Informationen" - er geht dabei schon auf Nummer sicher und lehnt sich nicht aus dem Fenster. An keiner Stelle erscheint "so und nicht anders war es".

    Na aber was genau soll er denn mit den (und das steht da sogar) bisherigen Informationen anfangen? Ein bisher unauffälliger Hund hat laut Angaben der Polizei, angeblich seine Besitzerin totgebissen, die täglich mit ihm trainiert hat.

    Welche Möglichkeiten gibt es, dass ein ansonsten unauffälliges Tier austickt?

    Kann auch sein, dass er diverse mögliche Ursachen aufgezählt hat und nur der Teil wurde zitiert.

    Gut, das ist dann wieder der sog. Qualitätsjournalismus. Ich find es aber müßig zu überlegen, was er gehört/gelesen haben könnte. So wie es im Artikel steht, halte ich es für sehr gewagt. Punkt.

    Ist es und erscheint auch mir sinnbefreit.

    Blöderweise kenne ich aber das "dahinter" (behind the scenes - wenn man so will). Und was da manchmal abläuft führt halt genau zu sowas: vagen, scheinbar sinnlosen Aussagen

    Ich empfinde die bisherigen Informationen aber sehr mau und daher seine Aussage als Glaskugelei.

    Es kommt entscheidend darauf an, welche Informationen er bekommen hat.

    Hatte er die Info: Eigene Halterin totgebissen und sich danach auf Polizistin gestürzt, Hund vorher unauffällig.

    Oder hatte er die Info: Halterin keine sichtbaren, die Haut durchdringenden Bissspuren, bei Näherung der Polizisten stellt sich Hund vor bewusstlose Halterin und verteidigt.

    :ka:

    Kann auch sein, dass er diverse mögliche Ursachen aufgezählt hat und nur der Teil wurde zitiert.

    Der arme Mann...

    Ich denke, er wird Recht haben - was nix an der schrecklichen Situation ändert.


    @Das Rosilein:

    Spoiler anzeigen

    :ka: Das hat aber irgendwie nichts mit meinen Ausführungen zu tun :???: (war vermutlich allgemein gemeint :ka: )


    Ja, der Teil war allgemein und bezog sich nicht auf deine Ausführungen.

    Sorry, ich glaub, dafür ist es schon zu spät. Dein Hund ist wohl schon im Schwul-Stadium, da kann man leider nix mehr machen :/

    :lachtot:

    Auf was für Ideen manche Leute kommen, echt. Weil ein Rüde im Sitzen pinkelt, isser also schwul. Nach der Logik müssten Männer, die auch im Sitzen pinkeln, ja auch schwul sein... :ugly:

    Schwerer Schlag für uns...

    Vor allem, weil die Mädels relativ oft im Hocken aber mit einem angehobenem Bein pinkeln. Ist das jetzt lesbisch, bi oder ... ?

    Ich bin verwirrt. Was hab ich nur falsch gemacht?;)